Polizei warnt vor unnötiger Unruhestiftung

Oberland

Derzeit gehen bei der Kantonspolizei viele Meldungen ein über Unbekannte, die Kinder ansprechen. In den sozialen Medien machen Gerüchte über einen Sexualstraftäter die Runde.

Eine Gruppe von Kindern wurde in Forst-Längenbühl offenbar von einem unbekannten Mann angesprochen. (Symbolbild)

Eine Gruppe von Kindern wurde in Forst-Längenbühl offenbar von einem unbekannten Mann angesprochen. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Schulkinder werden von Unbekannten angesprochen, verfolgt, böse angeschaut oder beobachtet: Solche Meldungen kamen in den letzten Tagen zuhauf bei der Kantonspolizei Bern ein. Mediensprecher Christoph Gnägi bestätigt dies auf Anfrage.

Einen konkreten Vorfall gab es am Montagabend in Forst-Längenbühl: Eine Gruppe von Kindern wurde offenbar aus einem Auto heraus von einem unbekannten Mann angesprochen. Die Polizei wurde am Mittwoch darüber informiert. «Wir gehen diesem Fall selbstverständlich nach und nehmen ihn ernst», so Gnägi.

Währenddessen wurde über soziale Medien fleissig ein Beitrag verbreitet, wonach ein international wegen Sexualdelikten gesuchter Mann in der Region Thun und Spiez unterwegs sei. Das Gesicht des Mannes wird in diesem Beitrag gezeigt. Tatsächlich teilten Ermittler vor ein paar Wochen mit, dass der Mann möglicherweise in der Schweiz untergetaucht sei. Die Bevölkerung wurde dabei um Hinweise gebeten.

«Keine erhärteten Hinweise»

Gemäss Kantonspolizei gibt es jedoch keine konkreten Anhaltspunkte, dass dieser Mann tatsächlich in der Region Thun und Spiez unterwegs ist, geschweige denn, dass er Kindern nachstellt. «Wir haben dieses Gerücht geprüft», so Gnägi. «Doch es gibt keine erhärteten Hinweise.»

Vielmehr warnt er davor, in den sozialen Medien unnötige Unruhen zu schüren. Dies sei nicht zielführend, sondern habe lediglich eine zusätzliche Verunsicherung zur Folge. «Zudem werden mit dem Weiterverbreiten solcher Bilder die Persönlichkeitsrechte von Menschen verletzt, was wiederum rechtliche Folgen haben kann.»

Auch sei es die falsche Taktik, den Kindern das Bild des gesuchten Mannes zu zeigen. «Plötzlich sehen die Kinder überall böse Leute, und melden dies zu Hause.» Einen Teil der Meldungen, die zuletzt bei der Polizei eingingen, führt Gnägi auf diese zu starke Sensibilität zurück. Trotzdem nehme man sachdienliche Hinweise von Kindern und Eltern jederzeit entgegen.

«Plötzlich sehen die Kinder überall böse Leute, und melden dies zu Hause.»Kapo-Sprecher Christoph Gnägi

Gemäss einem Schreiben, das die Gemeinde Spiez gestern allen Eltern von Kindergärtelern und Primarschülern zukommen liess, sind die Lehrpersonen angewiesen, Ängste und Reaktionen der Schüler aufzunehmen und das Verhalten im Umgang mit fremden Personen grundsützlich zu thematisieren. Auch der Beitrag in den sozialen Medien wird erwähnt. «Wir sind sicher, dass sich die Aufregung um diese geheimnisvolle Person bald wieder legen wird», lässt sich Benjamin Lüthi, Abteilungsleiter Bildung der Gemeinde Spiez, zitieren.

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