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Postschiff mit drei Ruderknechten

Steigen wir ein ins Schiffli, ergreifen wir die Ruder und rudern 178 Jahre in der Oberländer Postgeschichte zurück. Am 11.März 1833 verpflichtete die Kantonale Postdirektion Jakob Frutiger von Oberhofen, Postschiffer und Kondukteur auf dem Thunersee, mit einem Ruderschiff (für 16 Personen) zu einem täglichen Kurs Thun–Neuhaus–Thun (direkt). Fahrzeit: sowohl seeauf- wie seeabwärts drei Stunden. Ab März 1936 änderte sich dann Einschneidendes: Das Dampfschiff Le Bellevue der Gebrüder Knechtenhofer nahm seine fahrplanmässigen Fahrten auf. Der Transport aller Postgegenstände und der Reisenden zwischen Neuhaus und Unterseen blieb der «Obsorge» der Postdirektion vorbehalten, womit der Kondukteur Jakob Frutiger betraut wurde. Für den Fall, dass das Dampfschiff aus irgendeinem Grunde nicht fahren konnte (zum Beispiel Maschinendefekt!), hatten die Gebrüder Knechtenhofer dem früheren Postschiffer und nachherigen Postkondukteur auf dem Dampfschiff, Jakob Frutiger, ein Schiff mit drei Ruderknechten zur Verfügung zu stellen. Mit diesem und der ganzen Postladung hatte er vorauszufahren. «Wurde er später auf hoher See eventuell vom Dampfschiff wieder eingeholt, so wurde das Ruderboot an das Schlepptau genommen oder seine Ladung wieder aufs Dampfschiff verladen», hält die Postchronik fest. 1846 wurde in Beatenberg eine Postablage eingerichtet. Ablagehalter wurde Ulrich Gafner, Landarbeiter. Er war einerseits Bote nach Unterseen und andererseits Briefträger für Schmocken, Spirenwald, Waldegg, Schwanden, Hohlen, Ruchenbühl und Sundlauenen. Für den Botengang nach Unterseen wurden ihm eineinhalb Stunden gutgeschrieben, für den Rückweg nach Beatenberg zwei Stunden. Gafner holte die Post am Montag, Mittwoch und Freitag im Stedtli ab und vertrug sie am folgenden Tag. Jahresbesoldung: 248 Franken. Die erste Postablage in Habkern wurde 1846 errichtet. Ablagehalter, Bote nach Unterseen und Briefträger wurde Ulrich Wyss. An drei Tagen holte er die Postsendungen in Unterseen und vertrug sie am Tag danach in folgenden Gebieten: im Holz, im Gruebi, auf der Habchegg, an den Matten, auf dem Bühl, auf dem Moos, am Lehn, im Tschiemen, Lombach, unter den Fuhren, auf dem Bruch, auf der Burg, auf den Bärfallen und Portbäuert. Jahresbesoldung: 228 Livre. Ende des 19.Jahrhunderts führte die 1872 geborene Margaritha Zurbuchen die Botengänge ins Stedtli aus. Nun sechsmal wöchentlich. Die Postsendungen trug sie in einer Hutte den Berg hinauf. «Geldsendungen bedurften keiner besonderen Bewachung, denn die Geister um den Rossgrind haben sich noch nie um materielle Güter interessiert», hielt das «Oberländische Volksblatt» hundert Jahre später fest. u.flueck@bom.ch >

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