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Pragmatismus als Konzept

fussballSpiez hat das Team Vaud U-21 1:0 besiegt und sich den Klassenerhalt gesichert. Die Oberländer demonstrieren, was mit klugem Coaching und einer Philosophie, der sich alle unterordnen, möglich ist.

Manchmal reicht es schon, sich seiner Schwächen bewusst zu sein. Spiez’ Trainer Bernhard Hodler sagt: «Wir gestehen den Gegnern bestimmte Vorteile zu: dass sie technisch besser, spielerisch überlegen sind.» Die Berner Oberländer machen sich vermeintliche Unzulänglichkeiten zunutze und überlassen das Diktat oft dem Widersacher. Der Aufsteiger hat in dieser Saison niemals den Anspruch gehabt, blendend Fussball zu spielen. Zu kicken, bedeutet im ABC-Zentrum heuer: kämpfen, laufen, pressen, sich an Vorgaben halten. Der Pragmatismus ist das Spiezer Konzept, das wunderbar aufgeht. Hodler hat mit der Besetzung seines 4-4-2-Systems oftmals verblüfft. Künstler wie Gabriel Buckson und Ivan Bujanovic fanden sich auch mal auf der Ersatzbank wieder und mussten Disziplinierten wie Simon Deckart und Clemens Häsler den Vortritt lassen. Das mag selbst die Spieler überrascht haben, war aber nichts als konsequent. Ein Team, das Limiten hat, dem bleibt nichts übrig, als sich strikte an den Plan zu halten. Hodler sagt: «Wir sprechen dieselbe Sprache. Wir ziehen unser Ding durch. Im Winter haben wir uns auf eine Joggingstrecke festgelegt und wichen nicht einmal davon ab.» «Chemie ist sehr gut» Mit der 1:1-Umsetzung von Hodlers Konzept bereiteten die Spiezer am Samstag auch der U-21-Auswahl des Kantons Waadt Schwierigkeiten. Während des ganzen Spiels erspielten sich die Westschweizer keine einzige Grosschance. Spiez, das schon nach der Startphase klar hätte führen können, gewann 1:0. Die Oberländer sicherten sich damit den Verbleib in der interregionalen 2.Liga. Hodler sprach von einer «perfekten Saison». Dass sein Team die Klasse derart problemlos schaffen würde, habe er nicht gedacht. Den Grund dafür glaubt Michael Klossner zu kennen: «Die Chemie ist sehr gut. Natürlich gibts einen Kern mit erfahrenen Spielern. Die Jungen integrieren sich aber schnell.» Auch Spiez ist kein Team voller Arbeiter. Der Zweimannangriff mit den starken Individualisten Patrick Walter und Felix Häsler vermag für die Differenz zu sorgen. Swen Bürki besticht im Zentrum mit Spielintelligenz. Ein Akteur, der dessen Fertigkeiten mit Clemens Häslers physischen Voraussetzungen paarte, bestünde wohl auf höchstem Niveau. Der FC Spiez gewann am Samstag drei Zähler, verlor aber einen Zuschauer. Ein Gast im ABC-Zentrum hörte, wie ein Trainer einem Schützling riet, nach einem Foulspiel doch nicht gleich wieder aufzustehen. Derselbe Coach, bekannt für Fair Play, reichte einem durstigen Spieler des Gegners zwei Minuten darauf eine Trinkflasche. Davon nahm der Zuschauer nicht mehr Notiz. Da war er bereits gegangen. In Spiez ist man eben konsequent. Adrian Horn>

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