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Profis gibts fast für alle Alltagsämtli

KonsumHaustiere, Scheidung, Kochen: Wo früher Freunde oder die Familie halfen, kommen heute oft professionelle Dienstleister zum Zug. Ihnen zahlen wir den Preis für unsere Unabhängigkeit. Manche moderne Hilfe gibt es aber auch gratis – wenn man bereit ist, Zeit zu investieren.

Das Auslagern von Aufgaben ist bei Unternehmen beliebt. Doch auch private Personen lassen immer öfter Ämtli erledigen, die sie nicht selbst anpacken können oder wollen. Davon profitieren kleine, innovative Unternehmen. Zum Beispiel wenn es um die Trennung vom Lebenspartner geht: Rund 20000 Scheidungen werden jedes Jahr in der Schweiz ausgesprochen. Zu den rechtlichen Fragen kommen viele weitere Aspekte: Wie findet der Mann, der auszieht, möglichst schnell eine neue Bleibe? Wer hilft der Vollzeit arbeitenden Frau, die sich nun plötzlich auch noch um den Haushalt kümmern muss? Die Alias GmbH mit Sitz in Uitikon ZH springt ein, wenn Freunde und die Familie fehlen oder keine Zeit haben. Die beiden Jungunternehmerinnen Tina Bomhoff und Laurence Treceño organisieren den Alltag ihrer Kunden neu, suchen eine Wohnung, richten sie ein, statten Bad und Küche aus, designen Möbel, stellen eventuell eine Köchin an. «Unsere Kunden sind in erster Linie Männer – oft Manager, die auch mal gemanagt werden wollen», sagt Tina Bomhoff. «Sie müssen sich in der Regel gleichzeitig zu all den organisatorischen Aufgaben, die eine Trennung mit sich bringt, auch noch im Beruf behaupten.» Sie meint: «Früher half die Mutter oder die Schwester. Aber heute wohnen eben nicht mehr alle im gleichen Haus oder zumindest in der gleichen Strasse.» Alias fülle dies Lücke und achte dabei auf absolute Diskretion. Vor allem Besserverdienende nähmen den Service in Anspruch, räumt Tina Bomhoff ein. Der Stundenansatz beträgt immerhin 140 Franken. Ein Galadinner für Bequeme Neben diesem ungewöhnlichen Service gibt es auch alltäglichere Hilfeleistungen, die gerne «outgesourct» werden. Zum Beispiel das Kochen eines Festessens. Wo früher die Grossmutter mitanpackte, da helfen heute Susanne und Martin Schanz. Die beiden führen das Unternehmen Gourmet15box, das auf Wunsch unter anderem 5-gängige Menüs nach Hause liefert. Für die Fertigstellung ihrer Gerichte benötigt man nur noch 15 Minuten. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Pizzaservice bietet ihre Küche an der Bolligenstrasse in Bern Speisen für Feinschmecker. Das Geschäft boomt – und die beiden Jungunternehmer haben am vergangenen Swiss Economic Forum in Interlaken sogar eine Auszeichnung erhalten. Der Kochservice ist natürlich nicht ganz billig: Ein Menü kostet pro Person rund 50 Franken. Die Zeitersparnis ist aber offenbar vielen das Geld wert: «Feiertage mit kleinen Kindern sind ohne die Box nicht zu ertragen», schreibt etwa ein begeisterter Kunde auf Gourmetbox.ch. Martin Schanz betont: «Wir haben die unterschiedlichsten Kunden, nicht nur Gutverdienende.» Viele ihrer Gäste hätten auch einfach einen Dinnergutschein erhalten, den sie einlösten. Ebenfalls eine Marktlücke entdeckt haben die Betreiber der Website Petsitting24.ch. Tierhalter finden auf der Onlineplattform eine private Betreuungsperson für ihre Katze, ihren Hund, ihren Vogel oder ihren Fisch. Den Stundenansatz machen Tierhalter und -betreuer individuell miteinander aus. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen Websites wie Rentarentner.ch und Activas.ch. Sie vermitteln Senioren, die verschiedenste Ämtli übernehmen – von Schreibarbeiten über eine Hausaufgabenhilfe bis zum Zusammenbauen von Ikea-Möbeln. Statt Geld wird Zeit getauscht Einen Schritt weiter als all diese Dienstleister gehen Zeittauschbörsen im Internet – zum Beispiel die Zytbörse Thun. Sie richtet sich nicht an zahlungswillige Kunden, sondern an Freiwillige, die Zeit miteinander tauschen. Das funktioniert beispielsweise so: Frau Huber hütet eine Stunde lang das Kind von Frau Meier. Dafür erhält Frau Huber eine Stunde auf ihr Zeitkonto gutgeschrieben. Nun kann sie dieses Guthaben bei einem Zeitbörse-Mitglied ihrer Wahl einlösen, vielleicht indem sie bei Herrn Walter gratis eine Stunde Klavierunterricht nimmt. Herr Walter wiederum darf darauf bei Herrn Fröhlich eine Stunde lang Französisch lernen. So können auch Menschen, die wenig Geld, aber viel Zeit haben, besondere Dienstleistungen für sich in Anspruch nehmen. Mirjam Comtesse>

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