Zum Hauptinhalt springen

Radeln mit Rebellen

marc imboden

«Guten Tag, wir sind ein Ehepaar und werden ab dem nächsten Frühling per Velo um die Welt reisen. Könnten Sie nicht etwas darüber schreiben? Oder würden sie Reiseberichte von uns abdrucken?» Anfragen wie diese treffen zwar nicht täglich, jedoch immer häufiger auf unserer Redaktion ein. Manchmal entscheiden wir uns basisdemokratisch dafür, öfter jedoch dagegen. Jede Mit-dem-Velo-um-die-Welt-Selbsterfahrungskiste können wir schliesslich nicht abdrucken, denn irgendwie ähneln alle einander. Pneus flicken im Polar-Packeis, Diarrhöe in Dar es Salaam, wir radelten mit Rebellen in Ruandaalles schon mal dagewesen. Potenzielle Weltreisende müssen sich also etwas Besonderes einfallen lassen, wenn sie in die Zeitung wollen. Wenn es unbedingt ein Gefährt mit Rädern sein muss, das mit Muskelschmalz betrieben wird – warum hat noch keiner den Tripp mit Rollschuhen angetreten? Die Vorteile sind augenfällig: Einen Platten fängt sich der Reisende mit Inlineskates nie ein, zudem kann er sie ausziehen und an den Schnürsenkeln wie einen Propeller um sich schwingen, wenn er sich im afrikanischen Busch gegen einen Löwen verteidigen muss. Oder wie wärs mit einem Trotti? Man muss sich das vorstellen: Den riesigen Tramper auf dem Rücken kämpft sich der Globetrotter auf einem City-tauglichen Scooter durch das Mekong-Delta! Wer so reist, muss sich nicht vor Überfällen fürchten: Irre gelten in vielen Kulturen dieser Welt als eine Art Heilige, und Heilige beklaut man bekanntlich nicht. Und warum reist eigentlich heute niemand mehr per Autostopp? Schliesslich ist diese Variante doch mit Abstand die abenteuerlichste: Daumen in den Wind und abwarten, was die Vorsehung heute für einen bereit hält. Ists der freundliche Psychopath von nebenan? Der religiöse Spinner von der Kirche der apokalyptischen Reiter? Oder der Jahresausflug der Schrumpfkopfproduzenten vom Amazonas? Wir von der Redaktion des «Thuner Tagblatt» sind jedenfalls gespannt, wie kreativ unsere Leserinnen und Leser um dem Globus trotten. Doch etwas muss von vornherein klar sein: Wir lehnen jede Verantwortung für Nebenwirkungen ab! m.imboden@bom.ch>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch