Rauschende Sinfoniewellen beenden die Festwoche

Meiringen

Das Thema Schönheit und Faszination des Wassers dominierte auch am Schlusskonzert der Meiringer Festwoche 2017. Das Ensem­ble bot einen sinfonischen Wellenritt, der den Zuschauern unvergesslich bleibt.

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Mit dem Quintett für Streicher und Harfe des englischen Komponisten Arnold Bax (1883–1953) begann am Samstag das Schlusskonzert der Meiringer Musikfestwoche 2017. Bax war begeisterter Irlandfan und beschwor in seiner Musik die keltischen Wurzeln Brittanniens, wozu auch das Instrument Harfe gehört. Wunderbar melodische Töne von Sarah O’Brien, Harfenistin von internationalem Ruf, untermalten die virtuosen Klänge der Violinen und des Cellos.

Ähnlich wie Meereswellen stiegen die Wellen der Musik an und ebbten wieder ab. Auf dem Höhepunkt tönten sie feurig und dramatisch, klangen dann aber sanft, dunkel und langsam wieder aus. Das Publikum der zu etwa zwei Dritteln besetzten Michaelskirche applaudierte mit Begeisterung.

Komponist mit Abgründen

Weltberühmt als Komponist, Dirigent und Pianist war der Engländer Benjamin Britten (1913– 1976), dem allerdings pädophile Neigungen nachgesagt wurden. «Brittens Musiksprache ist klar, scharf und kompromisslos, doch was zwischen den Zeilen steht, ist eine andere Geschichte», heisst es in einem Fernsehbericht von SRF. Das Ensemble der Festwoche spielte Brittens Sinfonietta für zehn Instrumente Opus 1, eine Synthese aus Sinfonik und Kammermusik, die Britten im Alter von gerade mal 19 Jahren komponierte.

Im Musikstück für Bläserquintett, Streichquartett und Kontrabass präsentierten die Künstlerinnen und Künstler üppige Soloklangfarben immer wiederkehrender Motive, bis dann im Finale, einer Reprise des gesamten Werkes, alle Instrumente zu einer Einheit zusammenfanden.

Louis Spohrs Grand Nonetto

Beschwingt und heiter begann das berühmte Grand Nonetto ­F-Dur Opus 31 des deutschen Komponisten, Dirigenten und Geigenvirtuosen Louis Spohr (1784–1859). Der Ruhm des Künstlers, der der Frühromantik seinen Stempel aufdrückte, ist heute etwas verblasst. Mit bezaubernder Harmonie und Klangfarbe brillierten die Musiker; jedes der neun Instrumente wie etwa die Streicher oder Oboe, Fagott, Horn, Klarinette oder Flöte kam dabei solistisch zum Klingen.

Faszinierend zu beobachten war der meisterhafte Dialog zwischen Streichern und Bläsern, in dem sich das romantische Thema des Adagios expressiv entfaltete. Das Ensemble musizierte mit unglaublicher Synchronizität und Freude am musikalischen Ausdruck. Das Finale des Nonetts erklang im leichteren Tonfall eines Kehraus im Stil der italienischen Oper. Riesiger Applaus der Zuschauer erfreute das Orchester, doch eine Zugabe gewährte dieses nicht.

Berner Oberländer

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