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Rechtsfakultät schafft Preis ab

UniversitätDie Rechtswissenschaftliche Fakultät der Uni Bern tut sich schwer mit Sponsoren aus der Wirtschaft. Statt von Unternehmen gestiftete Preise für Topleistungen ihrer Studenten mit Handkuss anzunehmen, schafft die Uni Bern die Preise ab.

«Der Kellerhals-Preis geht an» Der Satz, der in den letzten acht Jahren den Puls manch eines Jusstudenten beschleunigte, wird in den hehren Hallen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bern nicht mehr zu hören sein. Dies jedoch nicht, weil sich die Preisstifter, die Berner Kellerhals Anwälte, eine der zehn grössten Schweizer Wirtschaftskanzleien, zurückgezogen hätten. Den mit 1000 Franken dotierten und zweimal jährlich für die beste Masterarbeit vergebenen Preis gibt es nicht mehr, weil ihn die Juristische Fakultät abgeschafft hat. Dies erstaunt Beat Brechbühl, Mitglied der Geschäftsleitung der Anwaltskanzlei: «Der Kellerhals-Preis ist Public Private Partnership im kleinen, aber besten Sinn. Dass er abgeschafft wird, können wir nicht nachvollziehen.» Kurze Freude Dabei hat sich die Juristische Fakultät den Entscheid nicht leicht gemacht. Dies belegt das Protokoll einer Sitzung vom letzten November. Darin ist nachzulesen, dass die Fakultät 2009 beschlossen hatte, beste Masterarbeiten auszuzeichnen. Weil sich die Fakultät dabei aber nicht der Wirtschaft an den Hals werfen wollte, sollten von extern Preise nicht zugelassen sein. Ein Entscheid, der bald vom Departement Strafrecht der Fakultät untergraben wurde: Dieses nahm den mit 500 Franken dotierten Preis des Berner Stämpfli-Verlags für die beste Masterarbeit in Strafrecht an. Offenbar war es der Departementsleitung nicht wohl bei der Sache: An der Sitzung vom letzten November ging sie in die Offensive und verlangte die Diskussion. In der Folge klärte die juristische Elite die Zuständigkeit bei der Vergabe von Preisen und ob überhaupt Preise vergeben werden sollten. Laut Protokoll freute sich Professor Günter Heine, Ordinarius für Strafrecht, über den Stämpfli-Preis. Allerdings war die Freude in diesem Fall nicht ansteckend: Er und eine Handvoll Gleichgesinnter wurden von jenen überstimmt, die vor «der Verteilung von fremden Geldbeträgen» warnten. Und davor, dass die Promotionsfeier zur Werbeveranstaltung verkomme. Überhaupt liege der Wert eines Preises in der Auszeichnung und nicht im Geld, so Thomas Cottier vom Institut für Europarecht und Wirtschaftsvölkerrecht. «Entweder alle oder keinen» So überrascht nicht, dass sich die Fakultät bei der Abstimmung zwar einstimmig dafür aussprach, auch künftig die besten Masterabschlüsse zu prämieren. Allerdings intern, womit der Kellerhals-Preis mit 21 zu 2 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgeschafft wurde. Den Stämpfli-Preis verbannte die Fakultät mit 19 zu 2 Stimmen bei 5 Enthaltungen von der Promotionsfeier. Die Auszeichnung ist nur noch an der Departementsfeier zugelassen. Dekan Stephan Wolf erklärt den Entscheid mit der Zunahme externer Sponsoren. Entweder man lasse alle Preise zu oder keinen. Sehr gute Leistungen würden auch weiterhin ausgezeichnet, allerdings nur noch mit den mit 600, 400 und 200 Franken dotierten Fakultätspreisen für die drei besten Abschlüsse. «Dies dient auch der Neutralität.» Dass die juristische Fakultät lieber auf Preise verzichtet, statt andere Unternehmen als Stifter zuzulassen, sorgt bei Beat Brechbühl von Kellerhals Anwälte für Kopfschütteln: «Das ist kein gutes Zeichen für die gegenseitige Befruchtung von Wissenschaft und Wirtschaft.» Andrea Sommer >

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