Die Liebeserklärung der SVP an Clavaleyres

Clavaleyres

Die SVP-Delegierten wollen nicht, dass die Minigemeinde Clavaleyres zum Kanton Freiburg wechselt. Warum?

Der frühere SVP-Nationalrat Manfred Bühler warb an der DV für einen Verbleib der Gemeinde Clavaleyres im Kanton Bern.

Der frühere SVP-Nationalrat Manfred Bühler warb an der DV für einen Verbleib der Gemeinde Clavaleyres im Kanton Bern.

(Bild: Archiv/Valérie Chételat)

Johannes Reichen

Walter Schilt stand auf verlorenem Posten. Der SVP-Grossrat und Gemeindepräsident von Vechigen sollte an der Delegiertenversammlung der SVP am Mittwochabend den Wechsel der Gemeinde Clavaleyres zum Kanton Freiburg nahelegen. «Clavaleyres hat einen langen Leidensweg hinter sich. Wenn es nun ein Nein gibt, steht sie wieder auf Feld eins», findet Schilt.

Doch die SVP-Delegierten fassten mit 121 Nein gegenüber 102 Ja die Nein-Parole. Schilt geht trotzdem davon aus, dass die Berner und Freiburger Stimmbürger dem Gebietskonkordat zustimmen, dass Clavaleyres den Kantonswechsel und damit die Fusion mit Murten ermöglicht.

Parallelen zum Berner Jura

Manfred Bühler, Vizepräsident der Berner SVP und Gemeindepräsident von Cortébert, ist gegen den Wechsel. «Als Bernjurassier ist es für mich nicht richtig, wenn der Kanton Bern ein Stück seines Territoriums verliert.»

Das sage er auch mit Blick auf die Jura-Diskussion und im Bewusstsein, dass es sich um eine kleine Gemeinde handele; Clavaleyers misst einen Quadratkilometer und zählt 50 Einwohner.

Zudem ist er der Meinung, dass die Kantonsregierung «nicht mit genügend Nachdruck» eine bernische Lösung gesucht hat. «Somit wurde Clavaleyres genötigt, mit Murten zu fusionieren.» Er hoffe auf ein Nein und wäre dann bereit, einen «substanziellen» Beitrag an ein bernisches Fusionsprojekt zu geben. Von einer Zwangsfusion will er aber nicht sprechen.

Freiburg als einziger Ausweg?

Clavaleyres habe im Kanton Bern alles versucht, findet hingegen Schilt. Eine Fusion scheiterte 2008 am Nein aus Münchenwiler. «Die Gemeinde hat sich gezwungenermassen nach Freiburg gewandt», so Schilt weiter Die Gemeinde habe schon jetzt praktisch alle Bereiche ausgelagert, die Finanzen seien knapp. Ein Nein würde nur weitere Kosten generieren.

Zwar bedauert auch Schilt den Wegzug. «Aber eine Berner Lösung sollte nicht sein.» Nun müsse man Grösse zeigen. Für die Zukunft hofft er, dass die Arbeitsgruppe von Regierungsrätin Evi Allemann (SP) Wirkung zeigt und dass Instrumente geschaffen werden, um Gemeindefusionen rascher und effizienter zu ermöglichen. «Wichtig sind strategisch sinnvolle Fusionen.» Es bringe nichts, wenn Clavaleyres ins Worblental fusioniere.

Wenn Bowil und Linden nicht dürfen...

Auch ein Kritiker des Wechsels ist SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl aus Unterlangenegg. Er war im Kantonsparlament einer von nur fünf Politikern, die dagegen gestimmt haben – 133 waren dafür. Er nennt noch einen weiteren Grund: Bei Bowil und Linden, die lediglich den Verwaltungskreis wechseln und statt Bern-Mittelland dem Emmental respektive Thun angehören möchten, habe die Regierung Nein gesagt. Clavaleyres hingegen lasse man in einen anderen Kanton ziehen, so Krähenbühl. «Das geht nicht zusammen.»

Manfred Bühler wiederum ist überzeugt, das es der tiefe Wunsch der Einwohner von Clavaleyres wäre, bei Bern zu bleiben. Das SVP-Nein bedeute denn auch nicht, dass die Partei den fundamentalen Willen der Gemeinde missachte – im Gegenteil. «Das ist eine Liebeserklärung.» Clavaleyres gehöre seit Jahrhunderten zu Bern. «Ich sage euch, wir möchten euch behalten.»

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