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Biel relativiert: «Seewasser ist besser als Grundwasser»

Auch im Bieler Leitungswasser wurden Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil festgestellt. Es kann aber weiterhin getrunken werden.

Andreas Hirt, Leiter Bau und Netzservices des Energie Service Biel. Foto: zvg
Andreas Hirt, Leiter Bau und Netzservices des Energie Service Biel. Foto: zvg

Nun auch Biel. Wie diese Zeitung publik machte, konnten in über achtzig Gemeinden im Trinkwasser Abbauprodukte von Chlorothalonil nachgewiesen werden. Biel gehört dazu. Doch steht die Stadt im Vergleich zu Orten, die ihr Trinkwasser aus dem Grundwasser beziehen, wesentlich besser da: «Biel bezieht 90 Prozent seines Trinkwassers aus dem See», sagt Andreas Hirt, Leiter Bau und Netzservices beim Energie-Service Biel (ESB). Und dessen Wasserzusammensetzung verändere sich ständig.

Heisst, der Messwert von letzter Woche, der eine geringfügige Überschreitung des Chlorothalonil-Grenzwerts belegte, könnte nächste Woche schon wieder anders aussehen. «Eine Messung ist keine Messung», so Hirt. Erst bei einer gewissen Permanenz könne man verlässliche Aussagen zur Wasserqualität machen.

Das instabile Seewasser hängt mit dem Zufluss von Aarewasser aus dem Hagneckkanal zusammen. Führt dieser viel Wasser, fliesst dieses unbelastete Oberflächenwasser in den See, was sich positiv auf die Qualität von See- und Grundwasser auswirkt. Man nennt diesen Vorgang Exfiltration. Beim gegenteiligen Fall, wenn also wenig Wasser aus der Aare in den See fliesst, dringt Grundwasser in die Aare und dann in den See. Und genau auf diesem Weg, Infiltration genannt, gelangt das Chlorothalonil ins Seewasser.

«Ich trinke Hahnenwasser»

Das Bieler Seewasser wird im Seewasserwerk in Ipsach aufbereitet und bildet für den ESB das erste Standbein in der Versorgung. Gibt es im Wasserwerk indes eine Panne, muss Biel auf das zweite Bein ausweichen: den Wasserverbund Seeland (WVS) in Worben. Und genau im Seeland ist das Pestizidproblem aufgrund des intensiven Ackerbaus am grössten. Beim WVS sind aktuell drei Fassungen in Betrieb, auch solche, in denen der Höchstwert überschritten ist. «Dieses Wasser hat klar die schlechtere Qualität als unser Seewasser», so Hirt.

Und doch: «Es gibt keinen Anlass zur Sorge.» Er selber werde weiterhin Bieler Hahnenwasser «in grossen Mengen trinken», sagt Hirt. Klar, der Stoff gehöre nicht ins Wasser. «Aber die Überschreitung ist viel zu gering, als dass man von einer ernsthaften Gefahr sprechen kann.» Wie die anderen Wasserversorger werde aber auch der ESB alles daransetzen, das Pestizid aus dem Wasser zu bringen.

«Wir werden nun wöchentlich Messungen durchführen. Das Seewasserwerk wollen wir technisch aufrüsten.» Und bei der Planung des neuen Werkes, es soll 2024 betriebsbereit sein, nehme die Senkung von Spurenstoffen eine zentrale Rolle ein. «Wir testen derzeit verschiedene Konzepte, zum Beispiel mittels Ozon.»

Keine grossen Wellen

Wie kam die Pestizidnachricht in der Stadt am See an? Zapfen die Bieler weiterhin Hahnenwasser, oder wird nun Mineralwasser nach Hause geschleppt? Ein erster Augenschein zeigt: Das Wasserthema schlägt keine grossen Wellen.

«Es ist dem Gast überlassen, ob er nun lieber ein Mineralwasser als Hahnenwasser bestellen will», sagt etwa Christian Babey vom Restaurant Les Caves, der seinen Gästen gratis Hahnenwasser ausschenkt. Er selber werde sicher weiterhin Hahnenwasser trinken – «es hat heute trotz allem viel die bessere Qualität als früher». Was Babey missfällt, ist die fehlende Information: «Die Behörden müssen mit offenen Karten spielen.»

Auch Nina Streit, Bieler Lehrerin und Mutter, wird nicht von «Hahnenburger» auf Nestlé wechseln. «Verglichen mit anderen Ländern, ist unser Wasser nach wie vor top», sagt sie. Man müsse das Ganze mit Pragmatismus betrachten: «Überall lauern Gefahren, Pestizide hier, Mikroplastik da, am Schluss weiss man nicht mehr, was man noch darf und was nicht.»

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