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Dieses Festival trotzt allen Trends

Die Altjahrswoche in Schwarzenburg ist Festival, Dorfchilbi und Tradition zugleich. Trotz grösserer Konkurrenz gibt es sie noch immer – auch dank Leuten wie Adrian Jost.

Adrian Jost ist seit den Anfängen der Schwarzenburger Altjahrswoche dabei.
Adrian Jost ist seit den Anfängen der Schwarzenburger Altjahrswoche dabei.
Iris Andermatt

Silvester: letzter Akt des Jahres, Tag der Champagnerbuddel. Während die meisten erst heute die Korken knallen lassen, stecken Adrian Jost bereits vier durchgefeierte Nächte in den Knochen. Wobei diese Nächte für ihn vor allem eines waren: Arbeit. Jost ist Mitorganisator des Schwarzenburger Altjahrswoche-Festivals, einer Party- und Konzertreihe, die am 27. Dezember mit einer Bravo-Hits-Fete begann und am 1. Januar mit einer Coverband enden wird. Am Mittag anfangen, um sechs Uhr morgens ins Bett. Jost: «Verrückte Tage. So muss es sein!»

Die Mehrzweckhalle Pöschen ist ein schmuckloser Bau – rote Fassade, verwinkelte Gänge, kleine Bühne. Einerseits kein optimaler Ort für Anlässe dieser Art. Und andersrum betrachtet genau der richtige. Weil mitten im Raum eine Diskokugel hängt und an der Wand das Banner der zweiten Mannschaft des FC («You’ll never walk alone»). Weil die Bar aus Holz gezimmert ist und es hier grünen Wodka, viel Redbull und noch mehr Bier gibt. Das hat etwas von Schülerdisco und Dorfchilbi, von alten Zeiten und Knutschen im Halbdunkel.

Es ging nie um den Stutz

Seit nunmehr 22 Jahren steigt die Feier hier, am westlichen Dorfausgang. Federführend bei der Organisation ist der lokale Fussballverein. Der stellt auch den Grossteil der rund 160 Helferinnen und Helfer, die «Fronarbeit» leisten, so nennt es Jost. Sie machen damit den Anlass überhaupt erst möglich. Man arbeitet mit Partnern im Dorf zusammen – die Absperrgitter etwa stellt der lokale Bauunternehmer kostenlos zur Verfügung.

Budgetiert wird straff, und wenn am Ende etwas Geld übrig bleibt, dann fliesst es in die Juniorenabteilung des FC Schwarzenburg. Viel ist es nicht, sagt Jost: «Davon können Sie sich kein Elektrovelo posten.» Früher sei das anders gewesen. Aber um den «Stutz» sei es nie gegangen. «Wir machen das für die Region, den Zusammenhalt.»

Adrian Jost ist in Schwarzenburg aufgewachsen und seit den Anfängen des Festivals dabei. Damals schmiss er die Bar, seit 15 Jahren ist er im Organisationskomitee und zeichnet heute für das Booking verantwortlich. In all den Jahren waren Patent Ochsner in Schwarzenburg, Pegasus, Stress und mehr.

Heuer war Luca Hänni da, Marc Sway auch. «Es fehlt eigentlich nur Züri West, aber das ist wohl nicht deren Bühne.» Jost ist mittlerweile 43, Vater und leitet beruflich ein Einsatzteam eines Pannen- und Unfalldiensts im Seeland. Der Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern ist für ihn Abwechslung und die Altjahrswoche «sein Baby». Deshalb ist er noch immer dabei.

Andere Zeiten

Das Festival ist zur Tradition geworden, die Feierei aber gleichzeitig zu einem harten Business. Das spüren sie in Schwarzenburg. Früher kamen an einem Abend regelmässig an die 1000 Leute. Heute sind es weniger. Die Partygänger pendeln nicht nur für die Arbeit in die Stadt, sondern auch fürs Feiern ins Bierhübeli oder auf die Schütz. Die Konkurrenz sei grösser, professioneller, zahlreicher, sagt Jost.

Auch das Verhalten der Kundschaft hat sich verändert – die Leute haben früher deutlich mehr getrunken. Heute rechnet das OK mit 26 Franken, die ein Gast im Schnitt für Getränke ausgibt. Die Ticketpreise versucht man so tief wie möglich zu halten. Der teuerste Eintritt kostet 37 Franken. Die bescheidenen finanziellen Möglichkeiten wiederum engen Josts Spielraum ein, wenn es ums Buchen von Künstlerinnen und Künstlern geht.

«Polo Hofers Gage vor 20 Jahren war in etwa so hoch wie die heutigen Kosten für das Catering.»

Adrian Jost

Hinzu kommen Managements, die ihre Klienten nicht in Mehrzweckhallen spielen sehen wollen. «Polo Hofers Gage vor 20 Jahren war in etwa so hoch wie die heutigen Kosten für das Catering.» Er will das nicht als Kritik verstanden wissen. Und jene, die auch heute noch in Schwarzenburg spielten, die wüssten, dass hier alles etwas einfacher sei. «Dafür sind wir dankbar.»

«Dürebiisse»

Die ersten Abende liefen durchzogen. Zwischen 400 und 500 Eintritte verzeichneten die Organisatoren. Es «harzt» laut Jost. Aber offenbar hat auch die Konkurrenz in diesen Tagen Mühe. «Viele lassen das Jahr heuer offenbar gemütlich ausplampen.» In Schwarzenburg wollen sie trotz der Schwierigkeiten weitermachen. Wie lange es das Fest noch in dieser Form gibt? Schwierig zu sagen. Jost wird «dürebiisse». Denn: «Ein Jahr aussetzen? Das wäre der Tod!»

Die Schwarzenburger Altjahrswoche ist anders, man könnte sagen: Kult. Auch weil sie ein Gemeinschaftsprojekt von Leuten aus der Region für die Region ist. Und weil es noch immer Künstlerinnen gibt, die nach ihrem Gig in der Küche aushelfen und abwaschen. Oder mitten in der Nacht auf den Tischen tanzen – man munkelt, auch mal mit Adrian Jost zusammen.

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