Zum Hauptinhalt springen

Gäbelbach verliert den Tierpark

Über 40 Jahre lang lebten Hirsche, Waschbären und Kaninchen im Tierpark Gäbelbach. Nun stehen die Gehege leer. Bis Ende Februar muss die Betreiberin das kleine Betriebsgebäude geräumt haben.

Einst grasten zwanzig Ziegen auf der Wiese im Tierpark Gäbelbach. In den letzten Jahren verschwanden immer mehr Tiere aus den Gehegen. Nun stehen sie leer. Foto: Beat Mathys
Einst grasten zwanzig Ziegen auf der Wiese im Tierpark Gäbelbach. In den letzten Jahren verschwanden immer mehr Tiere aus den Gehegen. Nun stehen sie leer. Foto: Beat Mathys

Ein Ort, der vergessen ging, so scheint es. Eingeklemmt zwischen Wald und Hochhäusern. Zäune, Verschläge, Holzhäuschen in Gehegen. «Bitte nicht füttern», steht auf dem Flyer, der am Zaun hängt und davon zeugt, dass hier einst Tiere lebten. Seit Mitte 2019 ist der Tierpark Gäbelbach im Westen der Stadt Bern verwaist. Die Futtersilos bleiben leer. Der Wind bläst über das Wellblech auf den Holzpfosten, das den Tieren einst Unterschlupf geboten hat.

Die letzte Betreiberin des Tierparks, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, möchte sich nicht äussern. Nur so viel: Aus beruflichen Gründen fehle ihr die Zeit für den Tierpark.

Die Frist

1978 überliess die Stadt Bern dem Tierparkverein Gäbelbach ein nicht mehr benötigtes Betriebsgebäude. Seither bestand der Tierpark rund um das Gebäude. Ein bunter Fleck neben der grauen Hochhaussiedlung. Leserinnen und Leser, denen die leeren Gehege aufgefallen sind, schreiben von der Freude, die der Tierpark bereitet habe.

Hirsche, Waschbären und Lamas lebten hier, zuletzt waren es vor allem Kaninchen, Ziegen und Vögel. Nun ist aber Schluss. Die Gehege sind leer. Die Stadt Bern gibt der letzten Betreiberin Zeit bis Ende Februar, um das Betriebsgebäude zu räumen. Was damit passieren soll, sei noch nicht entschieden, schreibt die Stadt auf Nachfrage.

Offen bleibt vieles. Auskunft geben will kaum jemand. Den Tierparkverein gibt es nicht mehr, der Gäbelbachverein verweist auf die Betreiberin, die den Tierpark als Privatperson führte. Eine finanzielle Herausforderung, verbunden mit viel Arbeit – und immer mal wieder einer Medienschelte.

Die Befreiungsaktion

Weitherum Bekanntheit erlangte der Tierpark im Herbst 2003. Militante Tierschützer der «Animal Liberation Front» schnitten in einer Oktobernacht den Maschendrahtzaun des Hirschgeheges auf. Zehn der elf Sikahirsche suchten das Weite.

Medien berichteten über Tage hinweg schweizweit über das Schicksal der Tiere. Einige kehrten von allein zurück. Zwei wurden auf der Autobahn überfahren, sechs von Jägern erlegt.

Die Kritik

Aufmerksam auf den Tierpark wurde auch der Schweizer Tierschutz (STS). «Waschbären vegetieren vernachlässigt in einem dreckigen Zwinger», hielt er etwa im Jahresbericht 2012 fest. Während der Tierpark Dählhölzli regelmässig als vorbildlich gelobt wurde, musste der Tierpark als Negativbeispiel in den Medien herhalten. Dies obwohl er nie gegen Vorschriften verstiess.

2014 kritisierte der STS, dass es teilweise zu wenig Kletter- und Ruhebereiche habe, dass die Gehege an den Spazierweg grenzten. Hunde von Spaziergängern würden die Tiere anbellen. Zugute hielt der Tierschutz dem Tierpark, dass er einige der bemängelten Punkte behoben hat. Dennoch sei er nicht zeitgemäss. Nun scheint seine Zeit endgültig vorbei zu sein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch