Läufer und Helfer trotzten Nebel und Schnee

Oberland

Schweizer Frauen feierten am Jungfrau-Marathon einen Doppelsieg. Natascha Baer (Kandersteg) und Jonathan Schmid (Adelboden) laufen als beste Oberländer in die Top Ten.

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Über 4000 Läuferinnen und Läufer aus 64 Nationen nahmen bei eher schwierigen Bedingungen die 42,195 km von Interlaken auf die Kleine Scheidegg unter die Füsse, 2848 Männer und 867 Frauen erreichten das Ziel. Der Schotte Robbie Simpson meisterte das ausgezeichnet besetzte Männerfeld und siegte nach 2016 und 2018 zum dritten Mal.

Stephan Wenk (Bertschikon) und François Leboeuf (Aigle) auf den Rängen 6 und 7 waren wie erwartet die schnellsten Schweizer. Jonathan Schmid erfüllte als 10. die Hoffnungen der Oberländer. Bei den Frauen feierten Simone Troxler (Chardonne) und Theres Leboeuf (Aigle) einen Doppelsieg, und Natascha Baer aus Kandersteg brillierte als Fünfte und beste Oberländerin.

Mit Besen gegen den Schnee

Jungfrauwetter ist, wenn der Himmel blaut und die Sonne wärmt. Am Samstag, am Tag, als zum 27. Jungfrau-Marathon gestartet wurde, war es anders. Eiger, Mönch und Jungfrau versteckten sich hinter einem Nebelvorhang. Nebel legte sich auch im obersten, steilen Streckenteil auf die Bergwege.

Am Vortag hatte es gar geschneit. OK-Präsident Toni Alpinice und seine Mitstreiter aber trotzten den widerlichen Umständen. Eine wetterfeste Mannschaft tüchtiger Helfer wurde – mit Besen ausgerüstet – auf die Piste geschickt, um den Schnee vom schmalen Pfad auf der Moräne zu fegen.

Schmid bester Oberländer

In 3 Stunden und 5 Minuten wollte der Adelbodner Jonathan Schmid auf der Kleinen Scheidegg sein. Er verpasste das Ziel zwar um 5 Minuten und 49,8 Sekunden, war aber mit seinem 10.Rang overall klar bester Oberländer. «Ich bin kaputt und zufrieden», stellte der 27-Jährige fest, «mehr ist nicht dringelegen.»

Sein Trainer Martin von Känel erzählte, dass Schmids Fahrplan bis Lauterbrunnen gestimmt habe. Im Berglauf-Teil habe er aber «e chly meh» erwartet. «Aber die Bedingungen waren halt schon schwierig», räumte von Känel, früher selber ein erfolgreicher Jungfraumarathönler, ein. Thomas Hürzeler, Trainer des nationalen Berglaufkaders, dem Schmid angehört, stufte den Lauf des Adelbodners jedenfalls als «sehr gut» ein.

In den einzelnen Kategorien schafften es einige Oberländer aufs Podest. Bei den Jüngsten (M18) siegte der Lenker Nicola Buchs. Der in Thun wohnende Kenianer Mark Kiptoo wurde Dritter (M40).

Der unverwüstliche Ruedi Bärtschi aus Adelboden stand als M55-Zweiter ebenso auf dem Podest wie Ueli Steiner (Frutigen) als M65-Dritter. Zum Duell der Ex-Skiweltcupfahrer Beni Fahner und Marco Büchel kam es nicht. «Büxi» musste wegen eines Muskelfaserrisses passen.

Natascha Baer überrascht

Die 25-jährige Kanderstegerin Natascha Baer wurde völlig überraschend Fünfte overall, nur 11 Minuten hinter der Siegerin Simone Troxler. Sie trainiere vier- bis fünfmal pro Woche, erzählte Natascha Baer, «aber ohne Plan». Das wolle sie nun aber ändern «u e chly professioneller trainiere». Einige Oberländerinnen standen in den einzelnen Kategorien auf dem Podest.

Jana Keller (Unterseen) siegte bei den Jüngsten (F18) und Karin Jaun (Unterseen) in der Kategorie F50. Sie finishte zum 20. Mal! Bei den Frauen F45 belegte Christina Willi (Steffisburg) Platz 2. Die Interlaknerin Iris Wenger (F35) wurde ebenso Dritte wie die Thunerin Cécile Lanz (F55).

An der stimmungsvollen Rangverkündigung am Samstagabend im Marathonzelt auf der Höhematte wurden 42 Frauen und Männer geehrt, die zum 10. Mal das Ziel erreicht hatten, 12 gelang dies 20 Mal und 9 gar 25 Mal.

Ammanns Feststellung

Es ist Tradition, dass das Jungfrau-Marathon-OK seine Gäste vor dem Marathonstart im Grand Hotel Victoria-Jungfrau zu Kaffee und Gipfeli einlädt. Dabei verriet der sportliche Regierungsrat Christoph Ammann, dass er pro Jahr auch einige Marathons bestreite – Sitzungsmarathons.

Und er stellte fest, dass die drei Topanlässe mit internationaler Ausstrahlung im Kanton Bern – die Weltcuprennen in Wengen und Adelboden sowie der Jungfrau-Marathon – alle im Oberland stattfinden.

Am ereignisreichen Samstagabend konnte OK-Präsident Toni Alpinice zufrieden feststellen: «Wir haben es geschafft, alles ist aufgegangen.» Anmeldestart für den 28. Jungfrau-Marathon ist am Valentinstag 2020.

Ränge und Zeiten

Männer overall: 1. Robbie Simpson (GBR) 2:59.29,9. 2. Abdelhadi El Mouaziz (MAR) 2.34,4 zurück. 3. William Herrera Rodriguez (COL) 2.47,9. 4. Diego Vera (COL) 5.13,2. 5. Petro Mamu (ERI) 5.24,8. 6. Stephan Wenk (Bertschikon) 5.53,2. 7. François Leboeuf (Aigle) 7.41,8. 8. Clément Durance (FRA) 10.30,0. 9. Steven Ggary Vernon (GBR) 10.34,2. 10. Jonathan Schmid (Adelboden) 11.19,9. Frauen overall: 1. Simone Troxler (Chardonne) 3:36.13,5. 2.Theres Leboeuf (Aigle) 1.34,1 zurück. 3. Sara Willhoit (GBR) 1.43,7. 4. Georgina Schwiening (GBR) 9.34,4. 5. Natascha Baer (Kandersteg) 11.17,0. 6. Sarah Umbricht (Solothurn) 12.34,6. 7. Aline Camboulives (FRA) 13.32,7. 8. Melina Frei (Dübendorf) 16.10,5. 9. Nina Högger (Grabs) 20.23,4. 10. Aigul Mingazova (RUS) 21.30,6.

Die besten Oberländer jeder Kategorie

M18: 1. Nicola Buchs (Lenk i.S.) 3:51.54,0. M20: 5. Jonathan Schmid (Adelboden) 3:10.49,8. M35: 9. Ueli Bieler (Heimberg) 3:37.09,9. M40: 3. Mark Kiptoo (Thun/KEN) 3:24.00,2. M45: 7. Gerhard Zeller (Stechelberg) 3:51.35,3. M50: 9. Markus Jenni (Gwatt) 3:55.10,5. M55: 2. Ruedi Bärtschi (Adelboden) 3:54.49,4. 6. Beni Fahner (Meiringen) 4:05,38,2. M60: 9. Erich Reuteler (Unterseen) 4:40.41,6. M65: 3. Ueli Steiner (Frutigen) 4:35.06,2. M70: 5. Mario Giacometti (Gsteigwiler) 5:23.52,5. F18: 1. Jana Keller (Unterseen) 5:19.19,6. F20: 5. Natascha Baer (Kandersteg) 3:47.30,5. F35: 3. Iris Wenger (Interlaken) 4:18.48,9. F40: 4. Ursina Zesiger-Holliger (Wilderswil) 4:08.46,4. 5. Kathrin Knuchel (Thun) 4:09.22,8. F45: 2. Christina Willi (Steffisburg) 4:16.35,9. 5. Judith Graf (Matten) 4:32.06,9. M50: 1. Karin Jaun (Unterseen) 4:08.50,4. 3. Cécile Lanz (Thun) 4:23.49,5. F55: 19. Eveline Zenger (Schattenhalbl) 5:31.36,4. F60: 13. Ursula Sager (Unterseen) 5:32.33,4.

Komplette Rangliste: www.jungfrau-marathon.ch

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