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«Rollator und Krücken müssten nicht immer sein»

Tom Seger war von 2001 bis 2003 Präsident des Schweizerischen Fitness-Center-Verbands (SFCV). Der Thuner ist ein alter Hase

Tom Seger, die Fitnesscenter begrüssen sehr unterschiedliche Kunden. Es gibt Leute, die Fitnesstraining als Freizeitbeschäftigung ansehen, und solche, die Gesundheitsvorsorge betreiben. Was heisst Fitness für Sie? Tom Seger: Ich fasse den Begriff ganz einfach zusammen: Fitness heisst für mich, sich auf den Alltag vorzubereiten. Doch: Was ist der Alltag? Viele Sportler trainieren ihre Muskulatur, um ihr Hobby besser ausüben zu können. Aber es gibt auch Kunden, die Fitness für den Beruf betreiben. Landschaftsgärtner zum Beispiel brauchen eine starke Muskulatur, um im Beruf bestehen zu können. Oft trainieren auch Leute mit gesundheitlichen Beschwerden, um ihren Alltag möglichst problemfrei zu bestreiten. Ich denke da zum Beispiel an Menschen mit Parkinson. Und natürlich gibts auch Menschen, die vielleicht alleine leben, das Soziale und den Treffpunkt suchen, und sich im Fitnesscenter mit Freunden verabreden. Es gibt auch viele Senioren, die dank Fitnesstraining länger selbstständig sind. Stichwort Alter: Was können ältere Menschen mit Fitnesstraining erreichen? Sehr viel. Sie können mehr erreichen, als sie sich manchmal selber zutrauen. Ein sehr grosser Teil unserer Kunden sind Senioren. Sie trainieren, weil sie wissen, dass sie so länger fit bleiben. Meine Erfahrungen zeigen: Manchmal ist ein 70-Jähriger, der Fitness macht, besser in Form als ein 30-Jähriger, der sich nicht bewegt. Enorm viele Betagte sind mit dem Rollator unterwegs oder gehen mit Krücken. Das müsste nicht immer sein! Ich finde es positiv, dass immer mehr ältere Leute merken, dass sie mit Fitnesstraining aktiv dazu beitragen können, auch im hohen Alter vital zu bleiben. Krafttraining ist für den Körper immer noch die beste Impfung. Wenn Fitness so wichtig und gut ist, warum tun es dann längst nicht alle? Ich denke, wir wissen um die Wichtigkeit unserer Fitness. Es ist ähnlich wie mit dem Zähneputzen: Wenn wir es nicht tun, geht unser Gebiss kaputt. Aber die körperliche Gesundheit ist in unseren Köpfen vielleicht ein bisschen weniger offensichtlich und dringend. Oft unternehmen wir erst etwas, wenn es fast oder ganz zu spät ist. Es braucht also schon eine gewisse Disziplin zur Nachhaltigkeit. Schliesslich können wir nicht einfach eine Tablette schlucken, und unser Körper ist wieder für 10 Jahre fit. Wenn die Leute die Wichtigkeit von Fitnesstraining besser erkennen, kann die Branche dann einen messbaren Beitrag leisten, den rasanten Anstieg der Gesundheitskosten zu begrenzen? Es ist eine Tatsache, dass man weniger Kosten auslöst, wenn man mehr trainiert und folglich gesund bleibt. Es gibt etliche Betriebe, die ihre Mitarbeiter zu sportlichen Aktivitäten animieren und Fitness gross schreiben. Es ist erwiesen, dass körperlich fitte Personen weniger krank werden und damit erstens weniger am Arbeitsplatz fehlen und zweitens weniger Gesundheitskosten auslösen. Es braucht dazu aber viel Eigenverantwortung. Wie fit ist denn die Thuner Bevölkerung Ihrer Meinung nach? Die Thuner bewegen sich sehr gut. Das Berner Oberland ist ein Gebiet mit unzähligen Möglichkeiten zum Wandern, Skifahren, Joggen et cetera. Die Grundlagen sind vorhanden. Fitness machen, um fit für das Hobby zu sein, das ist nochmals ein anderes paar Schuhe. Da hat sicher auch die Region Thun noch Potenzial. Nebst unbegrenzten Möglichkeiten in der Natur gibts mittlerweile auch ein riesiges Angebot. Ist der Wettbewerb überhaupt noch gesund, oder macht eine derartige Konkurrenz die Branche krank? Thun war immer ein Markt mit vielen Anbietern im Fitnessbereich und gehört heute auch zu den Regionen mit der grössten Centerdichte. Dies spricht für die aktiven Thuner. Wer jetzt noch einen weiteren Klub eröffnen möchte, ist wahrscheinlich aber eher optimistisch – momentan sind die Karten wohl verteilt. Werden die Thuner jedoch noch vorsorgesensibler werden, was ich mir erhoffe, braucht es weitere Angebote. Im Grossen und Ganzen betrachtet befürworte ich den Wettbewerb, denn je mehr geboten wird, desto mehr Einzelne finden etwas Passendes, um ihre Gesundheit zu erhalten. Interview: Dino Dal Farra>

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