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Rolle des Bankrats ist umstritten

Nach dem Abgang von Philipp Hildebrand gerät der Bankrat in den Fokus. Hat er Hildebrand zum Rücktritt gedrängt? Oder soll dieses Gerücht den Bankrat stärker erscheinen lassen, als er ist?

Als Philipp Hildebrand am Montag seinen Rücktritt als Präsident der Nationalbank bekannt gab, war seine Hauptbotschaft nicht zu überhören: Hier hat sich einer aus freien Stücken zum Abgang entschieden, ohne gedrängt worden zu sein. Tags darauf zogen mehrere Zeitungen dieses Bild in Zweifel: Der Bankrat, das Aufsichtsorgan der Nationalbank, habe Hildebrand zum Rücktritt bewegt. Gemäss «Blick» sollen die elf Mitglieder des Bankrats sogar mit kollektivem Rücktritt gedroht haben, falls Hildebrand nicht gehe. Laut dieser Version führten die neuen Mails und Aktennotizen, die Hildebrand zum umstrittenen Dollarhandel vorgelegt hatte, dazu, dass der Bankrat ihn fallen liess. Indes kursiert auch die These, der Bankrat versuche mit diesem Gerücht seine Rolle zu schönen: Er wolle damit die Stärke und Führungskraft demonstrieren, die seine Kritiker vermissten. Kein Wort des Bedauerns Jedenfalls fällt auf, wie zurückhaltend der Bankrat und auch der Bundesrat Hildebrands abrupten Rücktritt kommentiert haben. Beide Gremien finden kein Wort des Bedauerns für den Abgang. Der Bankrat nimmt den Entscheid «zur Kenntnis» und «akzeptiert» ihn. Der Bundesrat bedauert bloss die «Entwicklungen, die zur Demission geführt haben»; den Rücktritt an sich nimmt auch er nur zur Kenntnis. Das lässt vermuten, dass Hildebrand im Bank- wie im Bundesrat nicht mehr über den vollen Rückhalt verfügte. Den Gegenpunkt setzt das Direktorium der Nationalbank: Hildebrands Ex-Kollegen bedauern seinen Abgang ausdrücklich und schon im Titel der Stellungnahme. Bankrat sucht Nachfolger Sicher ist, dass sich die Aufmerksamkeit nun auf den Bankrat konzentriert. Einerseits muss er Hildebrands Nachfolge regeln. Mit der Kandidatensuche befasst sich die dreiköpfige Ernennungskommission, der Präsident Hansueli Raggenbass, Professor Cédric Tille und der Neuenburger Staatsrat Jean Studer angehören. Der Bankrat macht dann dem Bundesrat einen Vorschlag. Dieser wählt die Mitglieder des Direktoriums, kann die Anträge des Bankrats aber nur annehmen oder ablehnen. Frei ist er in der Frage, welches der drei Mitglieder Präsident wird. Kritik an der Kommunikation Andererseits muss sich der Bankrat gegen Kritiker zur Wehr setzen, die ihm vorwerfen, er habe die Aufsicht vernachlässigt. Zuvorderst greift die SVP an: Sie hält den Bankrat – namentlich den Präsidenten, Raggenbass – für überfordert und verlangt eine Neubesetzung. Am Montag schossen sich auch die SP und die Grünen auf Raggenbass ein: Sie glauben nicht an einen Neuanfang unter seiner Führung. Kritisiert wird die Kommunikation des Bankrats, welche die Krise mehr angeheizt als beruhigt habe. Seine kryptische, aus heutiger Sicht verharmlosende Mitteilung vom 23.Dezember brachte die Affäre erst ins Rollen. Zudem hielt die SNB das interne Reglement lange geheim. Die «NZZ» zog gestern ein klares Fazit: Der Bankrat sei nicht auf der Höhe seiner Aufgabe gewesen und habe die Krise durch eine verfehlte Informationsstrategie unnötigerweise befeuert. fab>

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