Sämi Hürzeler dominiert von A bis Z

Der Berner Oberländer Sämi Hürzeler gewinnt das Jubiläumsrennen überlegen. Die Bündnerin Nina Brenn feiert ihren siebten Inferno-Sieg.

Sämi Hürzeler gewinnt den Oberländer Inferno-Triathlon überlegen.

Sämi Hürzeler gewinnt den Oberländer Inferno-Triathlon überlegen.

(Bild: Swiss-Image)

Nebel packt die Berge in Watte, schleicht über die Grate und Hänge. Es herrscht eine infernalische Stimmung rund um den Schilthorngipfel. «Sämi Hürzeler hat das Kleine Schilthorn passiert», schreit der Speaker ins Grau hinaus.

Und wenig später taucht er auf, Sämi Hürzeler, nimmt es die letzten steinigen Treppen­stufen hinauf gemächlich und geniesst seinen vierten Inferno-Triathlon-Sieg. Ein überlegener Sieg. Er hat das Rennen von A bis Z – oder von S (Schwimmen) bis B (Berglauf) dominiert.

Begonnen hat alles am frühen Morgen eine halbe Stunde vor 7 Uhr. Nach heftigen Gewittern am Vorabend und in der Nacht liegt das Thunerseewasser wellenlos und 19 Grad warm (die Luft 17 Grad) vor den Athletinnen und Athleten, die vor dem Strandbad Thun die erste Etappe des ­Inferno-Triathlons in Angriff ­nehmen. Die infernalische Herausforderung: 3,1 Kilometer Schwimmen, 97 Kilometer auf dem Roadbike, 30 Kilometer auf dem Mountainbike, 25 Kilometer Berglauf. Zusammengezählt: 155,1 Kilometer mit 5500 Metern Steigung.

Sämi Hürzeler steigt – eher überraschend – in Oberhofen als Erster bereits nach 45 Minuten aus dem Wasser, dicht gefolgt vom Deutschen Michael Göhner, dem letztjährigen Dritten. Auf dem Rennvelo fährt Hürzeler los wie die Windsbraut und führt nach 10 Kilometern schon mit fast 2 Minuten Vorsprung.

Und der 33-jährige Därliger, der jetzt in Gwatt wohnt, zeigt keinerlei Schwäche. Er benötigt für die 97 Kilometer über Beatenberg ins Hasli und über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald 3 Stunden und 27 Minuten und führt mit dreieinhalb Minuten Vorsprung auf Roman Krebs aus Münsingen, dem Schnellsten auf dem Zweirad.

Göhner beklagt in der Abfahrt von der Grossen Scheidegg einen Platten und fährt auf den Felgen weiter. Als diese zur Sau sind, gibt er das Rennen auf.

Mit dem Mountainbike über die Kleine Scheidegg verliert Hürzeler nur 18 Sekunden auf Krebs und führt das Rennen weiterhin souverän an. Ihm kann von Stechelberg hinauf zum Piz Gloria nichts mehr passieren. Er ist der stärkste Bergläufer.

Und doch büsst er nach Stechelberg eineinhalb Minuten von seinem Vorsprung auf Krebs ein. «I bi ga bisle», klärt er auf. Dann aber baut er seinen Vorsprung kontinuierlich aus und gewinnt ungefährdet.

Siegerzeit: 8:49:51,5 Stunden. Roman Krebs wird mit 15 Mi­nuten Rückstand Zweiter. Marc Pschebizin, der den Inferno-Triathlon zwischen 1999 und 2002 nicht weniger als zehnmal gewonnen hat, krönt sein Comeback – inzwischen ist er 44-jährig geworden – mit dem dritten Platz.

Die drei Schnellsten am 20. Inferno-Triathlon (v. l.): Marc Pschebizin (3.), Sämi Hürzeler (1.) und Ramon Krebs (2.). Bild: Swiss-Image

«Mein Plan war, die Gegner von Beginn weg unter Druck zu setzen, das Rennen zu prägen», verrät Sämi Hürzeler, «und der Plan ist voll aufgegangen.» Für Roman Krebs ist klar: «Wenn du auf Sämi im Schwimmen 6 Minuten verlierst, ist das nicht mehr wettzumachen.»

Er habe zudem in Stechelberg gemerkt, «dass Sämi no e chly meh Chörndli het als i», und sich auf die Verteidigung von Platz 2 konzentriert. Hürzeler begrüsst Marc Pschebizin am Ziel mit «hallo Altmeister».

Und der Altmeister erzählt, er habe sich super vorbereitet und alles gegeben. «Es war hart, und gegen die neue Generation war nichts zu machen.» Sämi Hürzeler legt jetzt eine Pause ein und startet erst wieder im November. Am Ironman Mexiko.

Es war hart, und gegen die neue Generation war nichts zu machen.Altmeister Marc Pschebizin

Die 38-jährige Nina Brenn feiert ihren 7. Inferno-Sieg. Sie kommt nach rund 10 Stunden auf dem Piz Gloria an, 4 Minuten vor Petra Eggenschwiler aus Langendorf und 7 Minuten vor der Deutschen Ricarda Lisk, der schnellsten Schwimmerin.

Eggenschwiler büsste im Schwimmen volle 19 Minuten auf Lisk ein und 13 auf Brenn, war dann aber die klar beste Bergläuferin. Die Profi­triathletin Ricarda Lisk schloss ihre Karriere mit dem Inferno-Triathlon ab.

Sie haben gut lachen: Siegerin Nina Brenn flankiert von der Zweiten Petra Eggenschwiler (l.) und Ricarda Lisk (3.). Bild Swiss-Image

OK-Präsident Heinz Zurbrügg kann am Samstagabend eine positive Bilanz ziehen. «Es waren super Rennen mit steigenden Teilnehmerzahlen sowohl beim Triathlon als auch beim Halb­marathon.» Beeindruckt haben ihn der souveräne Sieg von Sämi Hürzeler und das phänomenale Comeback von Marc Pschebizin. Gefreut hat ihn das Lob von Ricarda Lisk: «Das war einer der bestorganisierten Anlässe meiner ganzen langen Karriere.» Und der OK-Chef leitet das Lob gleich weiter an die vielen Helferinnen und Helfer.

Ranglisten, Inferno-Triathlon
Männer overall (klassiert 287): 1.Samuel Hürzeler (Gwatt) 8:49:51,5. 2. Ramon Krebs (Münsingen) 15:04 zurück. 3. Marc Pschebizin (D) 21:52,1. 4. Stefan Graf (Signau) 25:18,4. 5. Sami Götz (Lengnau) 27:38,4. 6. Peter Gerber (Affoltern i. E.) 28:16,9. 7. Karl Jakob (Bern) 36:46,7. 8. Bernhard Mackner (Ö) 44:28,1. 9. Hervé Pury (Neuchâtel) 48:18,8. 10. Marco Iseli (Bern) 53:59,6. Frauen overall (klassiert 52): 1. Nina Brenn (Flims Wandhaus) 10:01:12,5. 2. Petra Eggenschwiler (Langendorf) 4:08,1 zurück. 3. Ricarda Lisk (D) 6:54,9. 4. Maya Chollet (Genève) 28:50,8. 5. Daniela Stump (Bichwil) 59:08,8. 6. Sabine Stalder (Köniz) 1:02:18,5. Ferner: 8. Alexandra Lehmann (Oey) 1:31:54,9.
Inferno Team Trophy
(Ziel Mürren). Kat. Open (klassiert 100): 1. Swimhohlic/Mako Team (Martin Hohl, Adrian Haller, Ariane Lüthi, Dominik Rolli) 6:47:37,6. 2. SC Amden 7:02:29,6 3. Imboden Bike 7:28:08,2. – Frauen (6): 1. Crespo.ch Frauenpower 8:04:45,7. – Couples Mixed (30): 1. Les Triplettes de Belleville 8:00:14,5. – Couples Frauen (10): 1. SASA 8:50:03,8. – Couples Herren (18): 1. Bisse u Gniesse 7:10:37,4.
Inferno-Halbmarathon
Männer overall (klassiert 376): 1. Jonas Lehmann (D) 2:04:47,4. 2. Werner Marti (Grindelwald) 2:52,1 zurück. 3. Philipp Feuz (Ringgenberg) 4:50,8. 4. Cédric Lehmann (Krauchthal) 7:21,8. 5. Bruno Schumi (D) 11:28,9. 6. Markus Bigler (Schlosswil) 11:37,9. 7. Adrian Kindler (Köniz) 14:43,3. 8. Raphael Sprenger (Zürich) 14:55,4. 9. Kaspar Grünig (Gysenstein) 15:07,4. 10. Helmut Perreten (Unterseen) 17:25. Frauen overall (klassiert 100): 1. Emma Pooley (GB/Hausen am Albis) 2:21:10,7. 2. Melanie Noll (D) 10:32,6 zurück. 3. Andrea Huser (Sigriswil) 17:36,6. 4. Christa Greminger (Zürich) 18:53. 5. Zala Zdouc (Ö) 19:09,4. 6. Karin Jaun (Unterseen) 22:40,5.Staffeln. Frauen (5): 1. Kandertaler Ladies 3:03:11,7. – Mixte 6): 1. Oehrli Michel 2:42:30,9.

Komplette Rangliste: www.inferno.ch

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt