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Safrangewürz vom Bantiger

BolligenSafran aus dem Bernbiet? Das ist möglich: Landwirt Walter Stettler erntet in diesen Tagen zum ersten Mal das teuerste Gewürz der Welt. Im August hat er den Versuch lanciert.

Behutsam nimmt Walter Stettler eine lila Blüte zwischen die Finger und zieht sie aus den Blättern. «Das ist Frauenarbeit, nichts für meine grossen Hände», sagt der Landwirt aus Bolligen und grinst. Auf rund sechs Quadratmetern hat er diesen August den Versuch gestartet, Safran zu produzieren. Er hätte nicht gedacht, dass aus den 100 Knollen, die er gepflanzt hat, überhaupt etwas wächst. So trocken war der Spätsommer. Doch seit einigen Tagen blühen die Safrankrokusse. Stettler geht nun jeden Tag auf sein kleines Feld und pflückt die Blumen. Daheim zupft er vorsichtig die langen roten Stempel aus den Blüten und legt sie auf einem Teller zum Trocknen aus. In drei Tagen werden aus ihnen bei Zimmertemperatur die typischen roten Fädchen. Um ein Gramm Safran zu gewinnen, braucht es rund 150 Blüten. Eine Knolle treibt zwei bis drei Blüten. Das Beet mit den Safrankrokussen ist ein Versuch. Stettler bewirtschaftet mit seiner Familie einen Betrieb mit 17 Hektaren Land in Flugbrunnen oberhalb von Bolligen. Für Getreide ist das Land zu steil. Deshalb baut er vorwiegend Obst an, das er auch selbst vermarktet. Dazu kommt die Milchwirtschaft, die aber je länger je weniger rentiert. Darum hat sich Stettler nach Alternativen umgesehen und ist mit der Safranproduktion eventuell fündig geworden. Die Moränenhügel des Bantigers eignen sich bestens dafür, da sie wenig Humus und einen kiesigen Untergrund aufweisen. Das liebt der Safran, ebenso wie die Südhanglage. Den Safran, den Stettler nun ernten kann, wird er nicht verkaufen, sondern selbst nutzen. Ob sich der Aufwand rechnet, wird er erst nach einigen weiteren Versuchen sagen können. «Nächstes Jahr vergrössern wir die Fläche und rechnen aus, wie hoch der Stundenlohn wird», sagt der Landwirt. Bisher zeigt sich lediglich, dass der Anbau des Safrans teuer ist: Für eine der österreichischen Knollen hat Stettler 80 Rappen bezahlt. Safran vermehrt sich durch die Teilung der Knollen – Stettler hofft, dass er nächstes Jahr aus den 100 Knollen mehr Pflanzen ziehen kann. Anna Tschannen>

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