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«Sattelfeste» Ästheten

PferdesportDie Berner Lukas Heppler, Ilona Hannich und Chloe Müller haben an der Voltige-EM in Le Mans mit den Rängen 4, 10 und 11 zufriedenstellend abgeschnitten.

Wenn Ilona Hannich von ihrer Freizeitbeschäftigung erzählt, sind ihr Fragen gewiss. Voltigieren nennt man, was die 16-Jährige tut. «Ich muss immer erst erklären, was das ist», sagt sie. Nun, die Gymnasiastin turnt im Grunde auf einem Pferd und demonstriert dabei Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht. Voltige kann gemäss Trainerin Vanessa Rusca auch der Annäherung an das Pferd dienen. Bevor man 12 werde, dürfe man gewöhnlich nicht alleine reiten, sagt sie. Also beginne man eben damit – auch um das Pferd kennen zu lernen. Die Trainerin führt einen; man ist in steter Begleitung. «Sattelfest» solle man dabei werden. Offensichtlich kann das einen ganz schön faszinieren: Viele jedenfalls bleiben gleich dabei. Wers weit bringen will, ist zwangsläufig geschickt und biegsam. Viele Karrieren im Voltigieren fussen auf Gehversuchen im Geräte- oder gar Kunstturnen. Gymnasiastin Ilona Hannich vereint mit Bewegung und der Nähe zum Pferd Leidenschaften. Sie sagt: «Ich habe nicht mit Voltigieren begonnen, damit ich reiten kann.» Sie habe die Sportart gekannt und unbedingt ausprobieren wollen. Ranker als RedfordDie Liebe zum Tier mag von Vorteil sein, ist aber nicht Pflicht, wie das Beispiel von Chloe Müller zeigt. Die 16-Jährige gesteht, davor keine Beziehung zu Pferden gehabt zu haben. Allmählich habe sie aber Vertrauen zum Tier aufgebaut, was essenziell sei. Wer hoch zu Ross durch Handstand und andere Aktionen Kopf und Kragen riskiert, ja, der muss die Grundlage sicherlich mögen. Chloe sagt, sie sei sich der Risiken während einer Übung nicht bewusst. Passiert sei ja noch nie was Schlimmeres. «Einzig Rückenschmerzen hab ich.» Mittels Massagen würden die behandelt. Voltigierer sind gewissermassen mutige Pferdeflüsterer – mit niedrigerem Alter als Robert Redford: Gemäss Lukas Heppler ist «Exot», wer über 30 ist und voltigiert. Der Student ist als Mann in diesem Sport keine Rarität: Er sieht sich gar immer grösserer Konkurrenz ausgesetzt und hatte gehofft, in seinem letzten Jahr als Junior an der EM eine Medaille zu holen, nachdem er im Vorjahr Vierter geworden war. Nun, der 18-Jährige wiederholte letzte Woche in Le Mans, Frankreich, die Klassierung – und verpasste das Podest um sieben Tausendstel Punkte. Trainerin Rusca hatte ihm eine Top-3-Rangierung zugetraut und ist sich sicher, Heppler werde den Anschluss bei den Herren sehr schnell bewerkstelligen. Details entscheiden Auch Ilona Hannich und Chloe Müller, Freundinnen übrigens, nahmen an der EM teil. Ihr Ziel war der Finalvorstoss gewesen. Das gelang den beiden. Ilona wurde Zehnte, Chloe reihte sich gleich dahinter ein. «Sie habens gut gemacht – ich bin zufrieden», resümierte Rusca. Massgebend für das Abschneiden im Voltigieren ist das Juryurteil. Bewertet werden etwa Anforderung, Ästhetik – und Pferd wie Longenführer (Begleitperson/Trainer). Rusca sagt: «Die Einzelheiten müssen passen.» Mit guter Wahl von Musik und Kleid könne man sich schon mal abheben. Berns Exponenten laden am Freitag zu einer Präsentation ihrer Fertigkeiten: Auf ihrem Trainingsgelände an der Papiermühlestrasse in Bern werden sie am Freitag, ab 18 Uhr, zeigen, woran sie dreimal die Woche arbeiten. Ilona Hannich wird da vermutlich für einmal auf bewundernde statt fragende Blicke stossen. Adrian Horn>

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