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Schenken lohnt sich bei Liegenschaften

ErbschaftSsteuerEs gibt kaum Zweifel, dass die Volksinitiative für eine nationale Erbschaftssteuer zustande kommt. Auch in einer Abstimmung hat die Vorlage intakte Chancen. Für vermögende Berner kann sich deshalb eine rasche Schenkung an ihre Kinder steuerlich lohnen.

Die Angst vor einer neuen Erbschaftssteuer geht um. Obwohl noch nicht einmal genügend Unterschriften gesammelt sind, hält die Volksinitiative für eine Erbschaftssteuer jetzt schon viele auf Trab. Sie hängt wie ein Damoklesschwert über vermögenden Steuerpflichtigen, weil sie für Schenkungen rückwirkend ab 1.Januar 2012 in Kraft tritt. Alle Schenkungen ab einem Freibetrag von 2 Millionen Franken werden mit 20 Prozent besteuert, wenn das Volk der Initiative in einigen Jahren zustimmt. Da als Grösse der Verkehrswert gilt, wird diese Grenze zum Beispiel bei Mehrfamilienhäusern rasch einmal erreicht. Obwohl der Ausgang der Abstimmung noch unsicher ist, vermachen deshalb etliche Eltern noch im laufenden Jahr grosse Teile ihres Vermögens ihren Kindern (siehe Ausgabe vom Dienstag). Im Kanton Bern kann sich eine rasche Schenkung lohnen, wenn Kinder hohe Vermögen erhalten. Denn direkte Nachkommen sind derzeit noch von der Erbschaftssteuer befreit. Bei einem Ja zur Volksinitiative von EVP, SP und Grünen, müssten Kinder bei grossen Schenkungen ab 2012 stattliche Beträge an den Fiskus abliefern (siehe Tabelle). Schon 30000 Unterschriften Insgesamt ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung betroffen. Gemäss Auskunft der EVP übersteigen 2 Prozent aller Vermögen in der Schweiz die 2-Millionen-Grenze. Die grosse Mehrheit würde von einem Ja sogar profitieren, da alle tieferen Erbschaften steuerbefreit wären. Das erhöht die Chancen des Volksbegehrens, das dank Unterstützung von Linken und Gewerkschaften so gut wie sicher zustande kommt. In den ersten 2 Monaten haben die beteiligten Kräfte bereits 30000 Unterschriften gesammelt – nach 18 Monaten müssen es mindestens 100000 gültige Unterschriften sein. Die Gesamtbelastung durch die Erbschaftssteuer dürfte bei einem Ja zur Initiative aber steigen. Die Initianten gehen nach Hochrechnungen von jährlich 3 Milliarden Franken Steuerertrag aus – einen Drittel sollen die Kantone erhalten und zwei Drittel die AHV. 2009 nahm der Staat gemäss Statistik der Eidgenössischen Finanzverwaltung schweizweit 910 Millionen Franken aus Erbschaftssteuern ein. Die Gesamtbelastung wäre also rund dreimal so hoch wie bisher. Empfehlungen des Experten Lukas Scheidegger, Leiter der Steuer- und Rechtsberatung von PWC Bern, rät vor allem Menschen im hohen Alter, ihr Vermögen noch 2011 ihren Kindern zu schenken. «Denn grosse Vermögen sind eine Belastung», begründet er die Empfehlung. Als zweites Kriterium nennt er, dass die Erben ein gewisses Alter erreicht und zum Beispiel ihre Ausbildung abgeschlossen oder eine Familie gegründet haben. Denn die Erfahrung zeige, dass der Umgang mit grossen Vermögen für junge Menschen manchmal nicht einfach sei. Und als drittes Kriterium erwähnt Scheidegger schliesslich die Art des Vermögens. Immobilien würde er eher rasch überschreiben als bewegliche Vermögen wie Aktien oder Bargeld. Denn Eltern können ihren Kindern Liegenschaften schenken und die Nutzungsrechte mit einer sogenannten Nutzniessung behalten. «Beim Bargeld sieht es anders aus: Viele Leute wollen ihren Lebensunterhalt im Alter gesichert haben», erläutert er. Auch über Wege, die Erbschafts- oder Schenkungssteuern später zu verhindern, machen sich Experten bereits Gedanken. Möglichkeiten gibt es wenige, da die Initiative auch Schlupflöcher wie Familienstiftungen oder Lebensversicherungen schliesst. Sicher verschont bleiben etwa Erblasser, die in ein Land wie Dubai ziehen, das die Erbschaftssteuer nicht kennt. Bernhard Kislig>

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