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Schlechte Schüler als Vorbilder

Marco Rima und Ritschi nahmen gestern eine Auszeit von ihrem Musical «Die Patienten», um eine Stunde Mathematikunterricht an der Berner NMS zu geben. Ausschlaggebend für die Aktion war eine Verlosung im Radio.

«Wenn ich etwas nicht kann, dann ist es Algebra», seufzt Marco Rima. Dies ist unter den aktuellen Umständen ungünstig: Er und Ritschi, Sänger der Berner Band Plüsch, müssen nämlich in zehn Minuten eine Stunde Mathematikunterricht geben. Die Themen in der 9. Sek B sind momentan Gleichungen und Terme – sehr zum Entsetzen der beiden. «Ich bin nervöser als vor einer Aufführung», sagt Ritschi. Die ungewöhnliche Aufgabe haben sich Rima und Ritschi durch eine Verlosung vom Radio Capital FM aufgehalst. Dominik Brunner, ein Schüler der NMS, gewann einen Wettbewerb mit seinem Vorschlag, die zwei Künstler für eine Mathematikstunde aufzubieten. Schulprobleme von Stars Rima und Ritschi stehen pünktlich vor der Klasse, schreiben ihre Namen fein säuberlich in Schnürlischrift an die Tafel. Die Drohung Rimas, er werde ein strenger Lehrer sein, hält er gleich zu Beginn ein: «Setzt euch gerade hin! Verschränkt die Arme!», herrscht er die Klasse an. Die Schüler gehorchen mit einem nervösen Kichern. Diese Strenge weicht aber bald Rima dem Unterhalter, Rima dem Lausbuben. Nach einer mathematischen Konzentrationsübung am Anfang («Ein Klatschen bedeutet die Zahl Zehn, ein Schnippen die Zahl Fünf. Was macht Klatsch plus Klatsch minus Schnipp mal Klatsch?») setzen sich die beiden hin und erzählen von der Verliebtheit in die erste Lehrerin und der Mühe mit der Schule: «Bei uns gab es immer Striche für schlechtes Benehmen», sagt Rima. «Wer mehr als sechs Striche im Jahr bekam, hatte als Strafe kein «gut» mehr im Zeugnis. Ich bekam 87.» Die Sympathien der Klasse haben Rima und Ritschi so auf sicher. Diese verspielen sie dann auch nicht mit quadratischen Gleichungen oder Pythagoras, sondern widmen sich dem, was ihnen offensichtlich auch selber mehr Spass macht - nämlich Fragen über sich zu beantworten. Trotz Problemen erfolgreich «Ritschi, warum hat sich Plüsch aufgelöst?», wird gefragt; dann, wie Rima Komiker geworden ist. Beide beziehen sich in ihren Antworten auf ihre unruhige Schulzeit. So erzählt Rima, wie seine Probleme in der Primarschule mit einem guten Lehrer in der Sek vorübergingen: «Anstatt mich immer nur vor die Türe zu schicken, durfte ich zweimal im Jahr ein eigenes Cabaret aufführen. Die Bedingung war, dass ich mich im Unterricht benahm.» Die Aussicht auf Aufmerksamkeit funktionierte - Rima wurde ein besserer Schüler und legte gleichzeitig das Fundament für seine Karriere. Die Botschaft könnte deutlicher nicht sein: Auch ein schlechter Schüler kann Erfolg haben. Nach einer Stunde kommt noch der letzte Wunsch: «Ritschi, singst du uns ‹Heimweh›?» Sichtlich nervös fängt er an und baut dann, pädagogisch geschickt, einen Lückentext ein. «Berge», «Schoggi» und «Wii» singen die Schüler dazwischen, offensichtlich glücklich mit ihrem Unterricht. Wohl vor allem deshalb, weil keine Mathematik darin vorkam.Jessica King«Die Patienten»: Das Comedy-Musical gastiert bis zum 18. September in der Keep Cool Arena im BEA-Expo-Gelände.>

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