Schnidi ist zu Hause

Lenk

Schnidi, der Ötzi vom Schnidejoch oberhalb von Lenk, ist anlässlich einer Buchvernissage an die Lenk gebracht worden. Archäologe Albert Hafner sprach über die Sensationsfunde im Oberland.

Schnidi, der noch nicht gefundene Jungsteinzeitjäger, posiert mit (v.l.) Christian von Känel, Albert Hafner und René Müller.

Schnidi, der noch nicht gefundene Jungsteinzeitjäger, posiert mit (v.l.) Christian von Känel, Albert Hafner und René Müller.

(Bild: Kerem S. Maurer)

Mit musikalischen Ehren und lokalpolitischer Prominenz wurde der neolithische Jäger Schnidi in der vollbesetzten Aula des Lenker Schulhauses empfangen. Schnidi selber wurde zwar noch nicht gefunden, aber Teile seiner Ausrüstung wie Bogen, Pfeile und Kleidung. Aber: Wo bleibt der Rest, wo ist Schnidi?

«Ein Mann in der damaligen Zeit an einem solchen Ort ohne Bogen und ohne Hose war nichts,» erklärte Prof.Dr.Albert Hafner und schürte damit die Hoffnung, Schnidi doch noch unter den dahinschmelzenden Gletschern zu finden.

Funde über einen Zeitraum von 6000 Jahren

Was im September 2003 von den Gletschern freigegeben und von einer Wanderin gefunden worden war, entpuppte sich als Sensationsfund: Die Haube eines neolithischen Birkenrindenfutterals. Das war der erste Fund am Schnidejoch. Mittlerweile liegen 81 Radiokarbondaten von Fundstücken vor. Die Daten umfassen den Zeitraum von circa 4800 vor Christus bis 1000 nach Christus.

75 Daten wurden an Material entnommen, das mit Sicherheit durch den Menschen an Ort und Stelle gebracht wurde. Die ältesten Daten stammen von Holzobjekten: Fragmente von Pfeilschäften und Holzschalen. (Quelle: «Schnidejoch und Lötschenpass», Band 1). «Sehr interessant ist, dass die Fundstücke am Schnidejoch eine Zeitspanne von 6000 Jahren umfassen», sagte Hafner, «die meisten archäologischen Fundstellen weisen nur Zeitspannen von Jahrzehnten oder Jahrhunderten auf.»

Auf dem Schnidejoch, der höchsten Fundstelle der Schweiz, finden sich Spuren von Menschen, die zu den ersten Bauern zählten und bereits vor 7000 Jahren am Iffigsee Alpwirtschaft mit Schafen und Ziegen betrieben. Ebenso fanden sich Spuren aus der Bronzezeit (Gewandnadel), der Römerzeit, der Eisenzeit und bis ins frühe Mittelalter.

Die etwa 135 Kilometer lange Grenze zwischen dem Kanton Wallis und dem Kanton Bern sei eine Grenze von Gipfeln, Graten und Pässen, schreibt Hafner in seinem Vorwort und fragte an der Vernissage, was denn die Menschen seit 7000 Jahren in dieses Gebiet treibt. Wo zwei Talsysteme aufeinandertreffen, gebe es schon aus topografischen Gründen Übergänge. Diese bildeten Schlüsselpunkte an Wegsystemen.

Wahrscheinlich waren am Schnidejoch Jäger, Hirten, Händler, römische Soldaten und mittelalterliche Söldner unterwegs.

Grosse Freude an der Lenk – und bald ein Infozentrum?

Gemeindepräsident Christian von Känel begrüsste die Anwesenden und die Referenten. Man war sich einig: Schnidi ist jetzt dank Vizegemeindepräsident René Müller da, wo er hingehört – nämlich an der Lenk. Er wird im Tourismusbüro seinen Platz finden. Gut möglich, dass es bald ein Schnidi-Informationszentrum gibt.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt