Schönheit des Englischen Gartens soll etwas kosten

Interlaken

Mit 17 Ja zu 6 Nein genehmigte der Grosse Gemeinderat einen Kredit von 1,6 Millionen Franken für die Aufwertung des Englischen Gartens in Interlaken.

Der Englische Garten soll einladender und mit besseren Zugängen zum Wasser gestaltet, die Überreste seines alten Parkbaumbestandes ergänzt werden. Foto: Sibylle Hunziker

Der Englische Garten soll einladender und mit besseren Zugängen zum Wasser gestaltet, die Überreste seines alten Parkbaumbestandes ergänzt werden. Foto: Sibylle Hunziker

2011 begann die Gemeinde, eine Aufwertung des von Stürmen zerzausten Englischen Gartens beim Ostbahnhof zu planen. Mit einem verbesserten Zugang zur Aare und Planschmöglichkeiten auf einem abgesicherten Kinderspielplatz, mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten und einem Gasgrill (der abends Gas gibt, nachts aber mit Rücksicht auf die Anwohner nicht mehr), mit Nistmöglichkeiten für Vögel und Schattenplätzen für Fische verspricht das Projekt Vergnügen und Erholung für alle.

Die Kosten wurden mehrmals überprüft und auf 1,6 Millionen Franken gesenkt. Und dank intensiver Suche von Gemeinde und Uferschutzverband (UTB) liegen Zusagen für 500'000 Franken Spenden vor – davon allein 100'000 Franken von der TOI.

Vorsorglich delegieren?

«Dass die Tourismusorganisation Interlaken so tief in die Tasche greift, zeigt die touristische Bedeutung des Projekts», sagte Gemeinderat Kaspar Boss an der GGR-Sitzung vom Dienstag. «Aber es bietet auch vieles, das sich die Bevölkerung – und ihre Vertreter im Gemeindeparlament – schon lange wünschen.»

Das bestritt auch Manuela Nyffeler (SVP) nicht. «Aber das Projekt ist ein ‹nice to have›.» Weil insgesamt hohe Investitionen samt Neuverschuldung auf die Gemeinde zukommen, stellte die SVP-Fraktion den Antrag, das Geschäft, das eigentlich in die GGR-Kompetenz fiel, dem obligatorischen Referendum zu unterstellen.

«So können die Stimmberechtigten selber entscheiden, statt dass wir ihnen ein überdimensioniertes Weihnachtsgeschenk machen.» Und mit einer Abstimmung am 9. Februar 2019 riskiere man weniger Verzögerungen, als wenn es noch eine Unterschriftensammlung für ein fakultatives Referendum gebe.

Dem hielten FDP und SP entgegen, dass das Projekt und die Folgekosten ohne Steuererhöhung tragbar seien und dass der GGR seine ebenfalls demokratisch festgelegte Verantwortung nicht nach Lust und Laune weiterdelegieren sollte. Trotzdem könne der Einbezug weiterer Kreise in einen Entscheid bisweilen sinnvoll sein, entgegnete Lorenz Schütz (EVP) und unterstützte den SVP-Antrag.

In allen Fraktionen unbestritten war, dass es sich um ein schönes Projekt handelt, das den Quartierbewohnern ebenso Freude machen werde wie den Touristen – auch wenn sich Sandra Hänggi (Grüne) aus Sicht von Menschen mit einer Behinderung bei der Ufermauer stellenweise andere Oberflächen gewünscht hätte.

Unbestritten war ebenfalls, dass es sich um ein Wunschprojekt und nicht um grimmige Notwendigkeit handelt. «Das kann man aber auch von manchen Strassensanierungen sagen, ohne dass wir deshalb die Entscheidung jedesmal weiterdelegieren», sagte Doro Simmler (SP). 

Um das Geschäft der obligatorischen Volksabstimmung zu unterstellen, hätte der entsprechende SVP-Antrag im GGR eine Zweidrittelmehrheit gebraucht; er wurde aber mit 12 zu 11 Stimmen abgelehnt. Der Kredit von brutto 1,6 Millionen für die Aufwertung des Englischen Gartens wurde mit 17 zu 6 angenommen.

Berner Oberländer

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