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Schrottpreis – trotz Steuermillionen

wilerDass das Cargodrome nur gerade 50000 Franken wert sein soll, muss den Bund ärgern. Dennoch verteidigt er die Millionenbeiträge an den Güterumladeterminal.

50000 Franken, zum Dritten! Das Gebot, mit dem die Moser Maschinen und Immobilien AG stolze Besitzerin des stillgelegten Cargodromes in Wiler geworden ist, muss in den Ohren der Verantwortlichen beim Bund wie ein Hohn klingen. Nur 50000 Franken – wo doch die Eidgenossenschaft einst den Güterumladeterminal an der unteren Emme mit alles in allem 14,3 Millionen Steuerfranken nach Kräften unterstützt hat. Dieser Bau also soll heute nur noch einen Schrottpreis wert sein? Finanzielle Engpässe Tatsächlich rang sich mit der Moser Maschinen und Immobilien AG nur ein einziger Bieter zu einem Angebot durch, als Liquidator Pablo Duc das Cargodrome zur Versteigerung ausrief. Weder die Gläubigerbank noch ein weiterer Strassen- oder Schienenlogistiker zeigten Interesse an der Liegenschaft, mit der zuvor bereits die Crossrail AG nicht glücklich geworden war. Schon sie, die klassische Güterbahn, hatte es nie geschafft, den als eigenständige Tochterfirma geführten Terminal auszulasten. Es kam zu finanziellen Engpässen und zur Schliessung – am Ende blieb nur noch die Nachlassliquidation, dank der sich wenigstens der Konkurs der Tochterfirma vermeiden liess. Ob der Bund angesichts solch klarer Signale aus dem Markt im Rückblick nicht selber eingestehen muss, die 14,3 Millionen allzu voreilig gesprochen zu haben? Nachteile, aber nicht nur Andreas Windlinger, Sprecher im Bundesamt für Verkehr, relativiert solche Gedanken gleich. Er verteidigt die Finanzhilfen des Bundes mit dem Hinweis darauf, dass der Bau von Terminals angesichts der geringen Margen und der damit verbundenen ökonomischen Risiken für private Investoren zu wenig interessant sei. Auf der anderen Seite verlange die Politik solche Umschlagplätze, die Güter von der Strasse weg auf die Schiene brächten – Windlinger erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass der Bund bei solchen Vorhaben bis zu 80 Prozent der Baukosten übernehmen kann. Wiler, wo die 14,7 Bundesmillionen ziemlich genau so viel ausmachten, sei übrigens kein Einzelfall. Auch in der Nord- und in der Westschweiz seien Terminals in dieser Grössenordnung unterstützt worden. Dass das Cargodrome von Anfang an mit Nachteilen zu kämpfen hatte, streitet der Sprecher bei alledem nicht ab. Seis wegen seiner zu kurzen Gleise, auf denen lange Züge mit entsprechendem Aufwand getrennt werden müssen, seis wegen seiner Lage an einer Nebenlinie, die zum Teil nur über eine Spitzkehre zu erreichen ist – nichts wissen will er dagegen von der fundamentalen Kritik, die Anlage stehe grundsätzlich am falschen Ort, weil es rundherum schlicht zu wenig potenzielle Kunden gebe. Nie mehr ohne Sicherheiten Windlinger erinnert an die erste Zeit, als im Cargodrome die ehemalige RM-Bahn das Sagen hatte und zum einen alpenquerenden Güterverkehr über Wiler abwickeln und zum andern Güter aus Nord und Süd in die Region und von da wieder wegbringen wollte. Es seien «auch einige wichtige Kunden» da gewesen – allein, als der Terminal wegen der Fusion von RM und BLS nach Australien verkauft wurde, änderte sich alles. Die neue Crossrail AG setzte nur noch auf den direkten Verkehr durch die Alpen, und damit wurde der Umweg über Wiler zum unnötigen Hindernis. Dass in der gleichen Zeit wichtige Industrien in der Region Probleme bekamen, beschleunigte die Entwicklung zusätzlich. Import und Export brachen völlig ein. Eine Lehre hat der Bund aus dem Debakel ums Cargodrome gezogen. Um einen Totalverlust wie in Wiler künftig vermeiden zu können, verlangt er heute für seine Finanzhilfen an die Güterterminals Sicherheiten. Ein Grundpfand im ersten Rang zum Beispiel. Stephan Künzi>

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