Schuhhaus Hari feiert Jahrhundert-Jubiläum

Kandersteg

Das in dritter Generation geführte Schuhhaus Hari in Kandersteg feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Das seltene Fest wird mit zwei Tagen der offenen Tür begangen.

Fredy Hari führt das Schuhhaus Hari in dritter Generation zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth.

Fredy Hari führt das Schuhhaus Hari in dritter Generation zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth.

(Bild: Corina Kobi)

Es ist nicht mehr so üblich, dass ein Familienbetrieb auf sein hundertjähriges Bestehen zurückblicken kann. Das Schuhhaus Hari an der Inneren Dorfstrasse 9 in Kandersteg bestätigt die Ausnahme die Regel in der vielfach kurzzeitigen Geschäftswelt. Drei Generationen der Familie Hari, alle Familienväter mit dem getauften Vornamen Alfred, leiteten das Unternehmen seit 1919.

Teurer Boden amortisiert

Vor 100 Jahren eröffnete Grossvater Alfred Hari hinter der Kirche einen ersten Schuhladen mit Werkstatt. 10 Jahre später konnte er an der heutigen Lage ein Grundstück kaufen. Da es sich dabei um das einzig verfügbare, an der Strasse liegende Areal handelte, musste ein Grundstückpreis von damals horrenden 100 Franken pro Quadratmeter bezahlt werden. Das ­heute noch bestehende mehrstöckige Geschäfts- und Wohnhaus konnte auf dieser Liegenschaft erbaut werden.

1949 übernahm die Tochter Elisa Gsponer für 7 Jahre das Geschäft, welches danach an ihren Bruder überging, der es mit seiner Frau bis 1974 leitete. Alfred der Dritte, welcher sich Fredy nennt, führt seither mit seiner Ehefrau Elisabeth das Geschäft. Seit 5 Jahren arbeitet Christine Müller zu 50 Prozent im Laden und entlastet das Ehepaar Hari.

In 5 Jahren ist Schluss

Der 70-jährige Fredy Hari blickt mit Wehmut zurück und mit Freude in die Zukunft. «Bis zum Umbau vor 55 Jahren teilten wir das Parterre zuerst mit einem Gemüseladen und danach mit der Bijouterie Struchen. Danach wurde unsere Verkaufs-, Werkstatt- und Lagerfläche vergrössert, und ein neuer Eingangs­bereich entstand», erzählt er. Mit seiner um 2 Jahre älteren Ehefrau habe er das Geschäft «sehr ehrlich und kostenbewusst» geführt.

«Seit die neue Mitarbeiterin da ist, können wir uns wieder mehr Freizeit und Ferien gönnen», lautet das Fazit von Hari. «Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn das Schuhhaus nach den nächsten fünf eingeplanten Zusatzjahren von jemand anders weitergeführt würde. Meine drei Töchter haben ­andere Berufe, und der Familienbetrieb wird wohl 2024 seinen Endpunkt erreichen.»

Trotz des unausweichlichen Endes und eines weiteren drohenden Lädelisterbens in Kandersteg, das altershalber, aber auch durch das veränderte Kaufverhalten übers Internet ausgelöst wurde, behält Fredy Hari seinen Humor. Für ihn sei die vergangene Zeit trotz Höhen und Tiefen sehr positiv verlaufen. Er mag sich dabei an zwei Sprüche von Kunden, die zu 70 Prozent Touristen und Ferienwohnungsbesitzer sind, mit einem Schmunzeln erinnern. «Einer wollte nur vegane Schuhe kaufen. Er dachte aber nicht daran, dass der verwendete Leim tierisch ist.» Ein gutes Licht auf die Qualität seiner Arbeit brachte folgende Aussage: «Ich habe meine Schuhe vor 4 Jahren gekauft, und sie sind immer noch nicht kaputt.»

Zum 100-Jahr-Jubiläum laden: Elisabeth und Fredy Hari zum gemeinsamen Feiern ein. Am 10. und 11. Mai, jeweils von 14 bis 18 Uhr, findet ein Apéro in den Geschäftsräumen an der Inneren Dorfstrasse 9 in Kandersteg statt.

Berner Zeitung

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