Schwingen-Geschichte ist im Ballenberg eingetroffen

Brienzwiler

Wenn die Ausstellung «Schwingen» eröffnet wird, spielt darin auch der zweifache Schwingerkönig Karl Meli eine Rolle. Seine Erinnerungsstücke sind am Donnerstag ins Museum geliefert worden.

Samuel Studer, Daniel Dreier und Anton Reisacher (v.l) hieven die Leuchtschrift des Schwingermuseums Winterthur aus dem Transportfahrzeug.

Samuel Studer, Daniel Dreier und Anton Reisacher (v.l) hieven die Leuchtschrift des Schwingermuseums Winterthur aus dem Transportfahrzeug.

(Bild: Hans Urfer)

Geschäftiges Treiben am Donnerstagmorgen beim östlichen Eingang des Freilichtmuseums Ballenberg (FLMB): Glocken und Treicheln, Wandbilder mit starken Männern in Zwilchhosen, kistenweise Bücher, hölzerne Stabellen und zu guter Letzt ein Holztisch mit Glasplatte samt Schublade.

Letztere wird vor dem Ablad via Hebebühne unter dem wachsamen Auge von Transporteur Daniel Dreier, Zentralvorstandsmitglied im Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) und dort Ressortleiter Anlässe, mit äusserster Sorgfalt herausgezogen. Denn in der Geschichte des Eidgenössischen Schwingerverbandes spielt dieses signalrote Stück Tuch mit der goldenen Inschrift «Eidgenössischer Schwingerverband 1894–1914» eine der bedeutendsten Rollen, war es doch die erste Verbandsfahne.

Museum ob Restaurant

Diese und alle anderen rund 200 bis 250 Objekte waren bis zum Transport auf den Ballenberg im Schwingermuseum Winterthur zu sehen. Letzteres war 2009 von der ehemaligen, im Januar an einem Krebsleiden verstorbenen Ex-Spitzenschwingerin Irène Bodenmann-Meli im Obergeschoss des Restaurants Sternen eröffnet worden – zusammen mit ihrem 2012 verstorbenen Vater, dem zweifachen Schwingerkönig Karl Meli.

Als sich der Gesundheitszustand von Melis Tochter stark verschlechterte, fragte Hans Sigrist aus Lyss, ein Freund der Familie, selbst ehemaliger Schwinger und engagierter Kenner der Schwingerszene, in ihrem Namen das Freilichtmuseum Ballenberg an. «Die Anfrage, ob wir die Objekte des Museums übernehmen würden, hat uns sehr gefreut. Nach einem Besuch im September vergangenen Jahres und eingehender Prüfung kamen wir zur Überzeugung, dass dies sehr gut auf den Ballenberg passen würde. Wir sind stolz, das Vermächtnis von Karl Meli, aber auch wichtige Elemente dieses Nationalspiels, das sich zum Nationalsport entwickelte, auf dem Ballenberg zeigen zu können», freut sich Beatrice Tobler, wissenschaftliche Leiterin und stellvertretende Betriebsdirektorin des Museums.

Guter Platz

«Es ist traurig, dass Irène Bodenmann-Meli dies nicht mehr selbst erleben konnte. Jedoch ist es auch schön, zu wissen, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht und die Zeitzeugen der Geschichte des Schwingsports einen guten Platz gefunden haben», sagt Hans Sigrist.

«Kuh»-Abbau 2020/2012

«Jetzt starten wir mit dem Erarbeiten des Ausstellungskonzepts und beginnen auch mit der Inventarisierung», sagt Tobler. «Wir planen, in der Heubühne im Bauernhaus aus Ostermundigen eine Wechselausstellung zum Thema Schwingen zu machen», sagt die stellvertretende FLMB-Betriebsdirektorin. Aktuell ist in diesem Raum auch die Sonderausstellung «Die Kuh – 1000 Dinge und echter Mist» untergebracht. «Diese Ausstellung werden wir im Winter 2020/2021 abbauen, was eine grosse Arbeit bedeutet, sind doch insgesamt rund tausend Objekte zu entfernen», sagt Samuel Studer, der Leiter der Museumsausstellungen und -sammlungen.

Erst Heubühne sanieren

Nach der konzeptionellen Arbeit soll die Heubühne des Mundiger Bauernhauses saniert werden, um 2022 die Wechselausstellung «Schwingen» der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Die Ausstellung zum diesjährigen Eidgenössischen Schwingfest zu erstellen, reicht zeitlich leider nicht. Jedoch werden wir auf das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln bereit sein», verspricht Tobler. Besonders ins Auge stechen werden dann nebst der ersten ESV-Fahne der Kranzkasten von Karl Meli.

Die erste Fahne in der Geschichte des Eidgenössischen Schwingerverbandes.

«Wir werden aber dafür sorgen, dass Objekte aus allen Landesteilen gezeigt werden und so eine gewisse geografische Vielfalt gegeben ist, schliesslich sind wir ja ein schweizerisches Museum», sagt Tobler.

Schwingen zum Saisonstart

Der Schweizer Nationalsport Schwingen ist im Freilichtmuseum nicht erst mit der geplanten Ausstellung ein Thema – im Gegenteil: Traditionell findet am ersten Wochenende der Saison der Ballenberg-Schwinget statt. Dieses Jahr am Sonntag, 14. April, organisiert vom Schwingclub Brienz.

Berner Oberländer

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