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Securitas-Mörder kassiert 15 Jahre

Für das Kreisgericht Aarwangen besteht kein Zweifel: Der tödliche Schuss auf einen Securitas-Wächter 1999 in Langenthal war Mord. Es hat den angeklagten Kosovaren gestern zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt.

Fast genau 11 Jahre nach dem Kapitalverbrechen, das weit über die Region hinaus für Aufsehen sorgte, hat der Täter jetzt seine Strafe bekommen. Dass er nach so langer Zeit und einer wahren Odyssee um die halbe Welt doch noch zur Rechenschaft gezogen werden konnte, sei der hartnäckigen Polizeiarbeit zu verdanken, sagte Gerichtspräsident Fritz Aebi bei der Urteilseröffnung. Der Fahndungserfolg sei auch eine grosse Genugtuung für die Bevölkerung. Und die Verurteilung helfe hoffentlich nicht zuletzt den leidgeprüften Angehörigen des Opfers bei der Verarbeitung des Geschehenen. Auf Kontrollgang erschossen Die Tat geschah am Samichlaustag 1999. Der Kosovare und sein noch immer flüchtiger Komplize, beide bewaffnet, überfielen den Spielsalon Little Reno in Langenthal. Sie bedrohten die Aufsicht, eine junge Frau, und verlangten Geld. Doch der Tresor liess sich nicht öffnen. Da nahte der Securitas-Wächter auf seinem Kontrollgang und überraschte die beiden Räuber auf frischer Tat. Als sich der 57-jährige Sicherheitsmann aber nicht wie befohlen auf den Boden legte, erschoss ihn der Angeklagte. Das Kreisgericht Aarwangen-Wangen verurteilte ihn jetzt wegen Mordes und besonders gefährlichen Raubversuchs zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe. Darüber hinaus muss er die Verfahrenskosten von rund 80000 Franken übernehmen. Damit blieb das Gericht nur unwesentlich unter den 16½ Jahren, die der Staatsanwalt gefordert hatte. Bei der Begründung ging Gerichtspräsident Fritz Aebi mit dem inzwischen 43-jährigen und bereits angegrauten Mann hart ins Gericht. Sein Handeln sei skrupellos und zeuge von einer «völligen Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen». Denn er und sein Komplize hätten genügend Alternativen gehabt, den Wachmann in Schach zu halten, ohne ihn gleich zu töten. «Er wurde aus nichtigem Grund erschossen», so sagte Aebi. «Ein absolut sinnloser Tod.» Die Version des Angeklagten, der tödliche Schuss sei im Gerangel mit dem Wächter unabsichtlich losgegangen, ist für das Gericht eine blosse Schutzbehauptung. Dagegen sei eine Aussage des Beschuldigten geradezu «entlarvend». Der hatte bei einer früheren Befragung die Tat so geschildert: «Hätte sich der Wächter wie befohlen auf den Boden gelegt, hätte ich nicht geschossen.» Dazu kommt gemäss Gericht, dass es kaum vorstellbar sei, dass sich das Opfer auf eine Rangelei eingelassen habe. Das widerspreche dem Verhalten eines Securitas-Mannes wie auch dem Charakter des Opfers. Wie Gerichtspräsident Fritz Aebi sagte, habe sich deswegen die Gretchenfrage «Vorsätzliche Tötung oder Mord?» gar nicht wirklich gestellt: «Es war Mord – das ist die volle und einhellige Überzeugung des Kreisgerichts.» Staatsanwalt Remo Leibundgut, der 16½ Jahre gefordert hatte und dem das Gericht nun weitgehend gefolgt ist, zeigte sich «sehr zufrieden» mit dem Urteil. Der amtliche Verteidiger Oliver Gafner (Langenthal) – er hatte auf vorsätzliche Tötung und 8 Jahre plädiert – dagegen will einen Weiterzug ans Obergericht überprüfen. Im vorzeitigen Strafvollzug Das Wort «Mord» liess den Angeklagten beim Urteilsspruch auf seiner Bank kurz zusammenzucken. Sonst aber nahm er das Verdikt ohne Regung auf. Und schon bald gings mit dem vergitterten Polizei-Kastenwagen zurück auf den Thorberg, wo er seine langjährige Strafe bereits vorzeitig angetreten hat. Stefan Aerni>

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