39 Verletzte nach Sturm über Turnfest-Gelände

Biel

39 Verletzte, davon sechs Schwerverletzte: Das ist die Bilanz des Sturms, der am frühen Donnerstagabend über das Gelände des Eidgenössischen Turnfests in der Region Biel zog. Die Ereignisse lösten einen Grosseinsatz von Rettungsdiensten aus.

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Am Donnerstagabend wütete erneut ein Unwetter in Biel. Wie die Kantonspolizei Bern am Donnerstag mitteilte, seien insgesamt 39 Personen verletzt worden, 6 davon schwer. 33 Person, darunter auch ein Kind, seien mittel oder leicht verletzt worden. Ambulanzen aus den Kantonen Bern, Solothurn, Neuenburg und die Armee brachten die 39 Personen in Spitäler. Im Einsatz waren über 100 Polizeikräfte, auch die Armee, der Zivilschutz, das Careteam des Kantons Bern sowie mehrere Feuerwehren und sieben Ambulanzen waren vor Ort.

Bei der Kantonspolizei gingen zwischen 18 und 21.45 Uhr kantonsweit über 150 Meldungen im Zusammenhang mit Unwettern ein, davon alleine 125 Meldungen in der Region Seeland-Berner Jura. Besonders betroffen waren dabei die Gemeinden Biel, Nidau, Brügg, Erlach, und St. Imier. Gemeldet wurden insbesondere Wassereinbrüche in Häusern. Vielerorts waren die Strassen versperrt von umgestürzten Bäumen und Ästen.

Ein Vertreter der Polizei sagte, vor allem der Wettkampfplatz von Ipsach sei betroffen gewesen. Dort habe eine extrem starke Windböe ein Zelt teilweise zum Bersten gebracht. Über 100 Stundenkilometer wurde gemessen.

Die Sturmböen fegten offenbar gegen 18 Uhr über das Festgelände. Verschiedene Tribünenelemente seien durch die Luft geflogen, sagt der «Schweiz Aktuell»-Reporter Michael Weinmann, der sich vor Ort befand. «Die Bilder sind noch einmal eine Stufe schlimmer als diejenigen der vergangenen Woche.» Das Festzelt sei in die Luft gerissen worden, sagt der SRF-Kameramann Matthias Rusch, viele Menschen seien unter den Trümmern eingeklemmt worden. «Die Leute rannten um ihr Leben.»

Windgeschwindigkeiten von 124 km/h

Wie SRF Meteo meldet, handelte es sich bei dem Wetterereignis um eine sogenannte Superzelle, die von Genf über den Jura bis in die Nordwestschweiz gezogen sei. In Ipsach bei Biel seien Windgeschwindigkeiten von 124 Kilometer pro Stunde gemessen worden.

Ob die Wettkämpfe am Freitag weitergeführt werden können, ist noch unklar. Die Veranstalter setzen scheinbar alles daran, diese fortzusetzen. «Wir tun unser Möglichstes, damit die Wettkämpfe am Freitag wie geplant wieder aufgenommen werden können», heisst es auf der Internetseite des Turnfests.

Bereits bei der Eröffnung vergangenen Donnerstag war das Turnfest von heftigen Sturmwinden getroffen worden. Teile der Infrastruktur flogen durch die Luft. Das Festgelände musste evakuiert werden.

Strassen verwandelten sich in Bäche

Einige der stärksten Windböen der Schweiz ereigneten sich am Abend auch in anderen Teilen des im Kantons. 92 km/h wurden in Bantiger gemessen, in Koppigen 87, in Wynau 83 km/h. Laut Meteonews herrschten in der Stadt Bern selbst Windböen von 78 km/h.

Das heftige Gewitter mit Hagel und starken Windböen hatte zunächst die Westschweiz heimgesucht. Im Kanton Genf wurden zahlreiche Bäume entwurzelt, an mehreren Orten verwandelten sich die Strassen in Bäche. Der Flugverkehr wurde zeitweise eingestellt.

Das Gewitter dauerte nur rund eine Viertelstunde, wurde aber von starken Windböen begleitet. In Kürze war der Boden von Hagelkörnern mit einem Durchmesser von rund einem Zentimeter bedeckt.

In weniger als einer halben Stunde gingen in Genf zudem 20 Millimeter Regen nieder, wie SRF Meteo mitteilte. Wegen Überflutungen, heruntergefallenen Ästen und entwurzelten Bäumen musste die Feuerwehr Dutzende Male ausrücken. Verletzt wurde niemand.

Leichte Flugzeuge vom Wind verschoben

Am Genfer Flughafen wurden Windböen mit 118 Kilometern pro Stunde gemessen, ein Messinstrument in der Nähe registrierte gar 130 Kilometer pro Stunde. Der Wind verschob einige kleine, leichte Flugzeuge. Ein Container kollidierte mit einem Linienflugzeuge.

Auch ins Flughafengebäude drang Wasser ein, wie Sprecher Bertrand Stämpfli sagte. Auf dem Rollfeld sammelte sich Wasser an. Der Flugbetrieb wurde laut Skyguide während rund zwanzig Minuten eingestellt.

Zwischen Genf Flughafen und Lausanne verkehrten die Züge mit einer Verspätung von rund 30 Minuten, wie SBB-Sprecher Jean-Philippe Schmidt sagte. Der Bahnverkehr in Richtung Bellegarde (F) war ganz unterbrochen. Auch zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds fielen die Züge wegen des Unwetters aus. Im Grossraum Neuenburg war der Bahnverkehr eingeschränkt.

dln/tag/sda

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