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Aidskranker muss wegen ungeschütztem Sex ins Gefängnis

Das Regionalgericht in Biel hat am Mittwoch einen 43-jährigen Mann aus Angola zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Er hatte trotz seiner Aidsinfektion ungeschützten Verkehr mit Frauen.

Der 43-Jährige wusste von seiner Aidsinfektion.
Der 43-Jährige wusste von seiner Aidsinfektion.
Colourbox

Am Mittwochabend im Amthaus Biel. Der Mann reagierte aufgebracht, als ihn die Übersetzerin vom Urteil des Gerichtspräsidenten Thomas Gross in Kenntnis setzte: Der 43-jährige Angolaner John P. (Name geändert) wird die nächsten vier Jahre hinter Gittern verbringen. Damit folgt der Gerichtspräsident exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

John P. habe mehrfach in Kauf genommen, seine beiden Partnerinnen mit dem HI-Virus anzustecken, indem er auf ungeschützten Geschlechtsverkehr bestanden habe, sagte Gross in seiner Urteilsbegründung. Dazu habe er zwei Frauen, eine als Klägerin, die andere als Zeugin an der Verhandlung anwesend, über seinen Gesundheitszustand belogen. Die Aussagen von John P. im Verfahren seien widersprüchlich, teils wirr und unlogisch gewesen, so der Gerichtspräsident weiter. John P. habe die Vorwürfe während der Voruntersuchung stets bestritten.

Mehrere Drogendelikte

Der Angolaner stand nicht das erste Mal vor Gericht. Er hat schon mehrere Urteile wegen Drogendelikten kassiert. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde er erneut des Kokainhandels überführt. Und dies innerhalb der Bewährungszeit. Deshalb sei die Bewährung widerrufen worden.

An der Hauptverhandlung machte John P. von seinem Recht auf Verweigerung der Aussage Gebrauch. Doch deshalb, so Gross, könne auch nicht die Rede von Einsicht oder Reue sein, und somit würden auch jegliche Haftmilderungsgründe wegfallen. Obwohl sich im Nachhinein herausgestellt habe, dass die Klägerin nicht von John P. angesteckt worden sein kann – bei ihr wurde ein anderer Subtyp des HI-Virus nachgewiesen – ist laut Thomas Gross dennoch klar, dass ein Eventualvorsatz auf schwere Körperverletzung vorliegt.

John P. unterhielt zwischen 2007 und 2010 mit zwei Frauen parallel eine Beziehung. Eine dieser beiden Frauen, heute 25, hat die Beziehung inzwischen beendet. Sie war es auch, die letztes Jahr bei der Polizei Anzeige erstattete: Ihr früherer Freund habe sie absichtlich mit dem Aidsvirus angesteckt. Mehrfach habe sie ihn gefragt, ob er Aids habe, was dieser stets verneint habe. John P. habe darauf bestanden, kein Kondom zu benutzen, so die junge Frau vor Gericht. Er sei wütend geworden, wenn sie keinen Verkehr wollte oder nur geschützten. Manchmal habe er sie dann geschlagen.

Kennengelernt habe sie den Angolaner, als sie noch drogensüchtig gewesen sei und sich prostituiert habe. Er habe sie in Biel auf der Strasse angesprochen und ihr Kokain verkauft. In der Voruntersuchung hat John P. laut dem Gerichtspräsidenten angegeben, er habe der Frau helfen und sie von den Drogen wegbringen wollen. Zudem habe er sie für jeden Sexualkontakt bezahlt.

John P. sitzt seit Beginn der Untersuchungshaft im Regionalgefängnis Burgdorf. Dort wird er voraussichtlich die nächsten vier Jahre verbringen.

BZ/bal/bjg

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