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Bauern bangen, Winzer feiern

Seit Wochen hat es nicht mehr richtig geregnet. Das Klima ist im langjährigen Vergleich sehr trocken. Für die Seeländer Gemüsebauern kann es kritisch werden. Den Winzern hingegen kommt das gute Wetter gelegen.

Der Sommer will sich noch nicht so richtig verabschieden. Das schöne Wetter, die angenehmen Temperaturen und der ausbleibende Regen gewähren uns einen letzten Hauch Sommer – und das Anfang Oktober. Die Schönwetterperiode hat bereits im August begonnen, kurz unterbrochen durch Gewitter Anfang September. So sind denn auch die Regenfälle im September deutlich unterdurchschnittlich ausgefallen.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Den Seeländer Gemüsebauern macht der trockene Boden langsam zu schaffen. Für die Winzer hingegen ist das der perfekte Abschluss eines perfekten Jahres.

Seit vier Wochen trocken

«Es ist ausserordentlich trocken, keine Frage», sagt Ralph Rickli von Meteotest in Bern. Seit gut vier Wochen habe es nicht mehr richtig geregnet. Nicht nur im Seeland sei dies so, sondern fast in der ganzen Schweiz. Einzig im Südtessin wurden die Vorjahreswerte erreicht. Die mittlere Niederschlagssumme diesen September liege um gut zwei Drittel unter dem langjährigen Durchschnitt. «Bis Ende Monat fielen in der Region erst 51 Millimeter Regen», fügt Rickli an.

Der Prognostiker will aber nicht den Teufel an die Wand malen: «Es ist allerdings keine Tendenz zu weniger Niederschlag erkennbar.» Es komme immer wieder vor, dass es von Jahr zu Jahr grosse Unterschiede gebe. Darum solle man die herrschende Trockenheit nicht zu sehr gewichten, sagt Rickli.

Man sehe den Feldern den fehlenden Regen an, sagt Walter Dardel, Präsident der Landwirtschaftlichen Organisation Seeland. Beispielsweise gebe es beim Mais Pflanzen, die noch nicht reif seien, und andere, die bereits verdorren. Das hänge mit der Bodenbeschaffenheit zusammen, erklärt Dardel, denn gewisse Böden könnten Feuchtigkeit besser speichern als andere.

Sorgen mache er sich aber weniger um die Erträge als viel-mehr um die Qualität der Ernte. «Wenn der Boden trocken ist, bringt man Kartoffeln oder Karotten nur mit Mühe aus der Erde.» Dabei laufe der Landwirt Gefahr, das Gemüse zu beschädigen, was sich auf die Qualität und schliesslich auf den Preis auswirken könnte.

Der Treitener BDP-Grossrat und Gemüsebautechniker Jakob Etter sieht noch weitere Probleme auf die Landwirte zukommen. Da viel Getreide notreif sei, müssten viele Bauern bereits jetzt mit der Ernte beginnen – oder hätten schon geerntet. Das könne Auswirkungen auf die Menge haben.

«Grundsätzlich bevorzugen wir allerdings die trockenen Jahre, da wir sehr gute Bewässerungssysteme haben», sagt Etter. Das verlange aber einen Mehraufwand an Arbeit und Kapital, der kaum auf die Konsumenten übertragbar sei. Er ist überzeugt: «Das schlägt sich schliesslich auf den Verdienst des Bauern nieder.»

Perfekt für Winzer

Allerdings gibt es auch landwirtschaftliche Produkte, die vom schönen und trockenen Wetter profitieren. Für die Obstbauern sei das Wetter ideal, sagt Dardel. Und für die Winzer rund um den Bielersee gar perfekt, wie Johannes Louis, Präsident der Rebgesellschaft Bielersee, bestätigt. Zwar sehe man auch den Reben die lange Trockenheit an, aber mittlerweile seien rund 80 Prozent geerntet. Für den Rest des «Läset» und einige spezielle Traubensorten wäre es sogar ideal, wenn es noch etwas trocken bleiben würde, so Johannes.

Laut Experte Rickli bleibt es denn auch noch eine Zeit lang schön. Erst auf den siebten oder achten Oktober erwartet er feuchte Luft vom Atlantik und somit einen Wetterumschwung. Erst dann wird der Sommer wohl definitiv zu Ende sein.

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