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Beinahe-Drama beim Bahngleis

Zwei Kinder haben in Lyss die illegale Überquerung eines Bahngleises beinahe mit dem Leben bezahlt. Die Abkürzung von der Beundengasse ins Sportzentrum Grien wird jetzt mit Verbotstafeln gekennzeichnet.

Es passierte am Freitag, 26.März, dieses Jahres: Zwei Kinder wollen von der Beundengasse ins Sportzentrum Grien gelangen, das unmittelbar auf der anderen Seite der Bahnlinie Lyss–Aarberg liegt. Sie wollen dort den Nachmittag auf der Skateranlage verbringen. Um schnell an ihr Ziel zu gelangen, wählen sie die Abkürzung über die Schienen, statt die knapp 300 Meter weit entfernte Fussgängerunterführung zu benützen. So oder ähnlich dürfte sich die Vorgeschichte an diesem Tag abgespielt haben. Wer die beiden Kinder sind und was genau sie dazu bewogen hat, das Bahngleis an einer verbotenen Stelle zu überqueren, ist nicht bekannt.

Bekannt ist aber, was sich dann ereignete: Der Leichtsinn, die Schienen zu überqueren, kostete die Kinder fast das Leben. Sie übersahen offenbar einen heranbrausenden Zug und wurden um ein Haar von ihm erfasst. Der Lokomotivführer meldete den Vorfall umgehend an seine Vorgesetzten, worauf die SBB Kontakt mit der Gemeinde Lyss aufnahmen und sie auf die gefährliche Situation aufmerksam machten. Lyss hat sofort reagiert und eine Mitteilung mit dem Titel «Achtung, Lebensgefahr» im Amtsanzeiger veröffentlicht. Ausserdem wurden alle Schülerinnen und Schüler der Schule Stegmatt, die in unmittelbarer Nähe dieses verbotenen Bahnübergangs liegt, eingehend und stufengerecht über die Gefahr informiert.

Scheinbar ein Weg

Ein Augenschein vor Ort gibt Aufschluss über den möglichen Beweggrund der Kinder, die Schienen an dieser Stelle zu überqueren: Von der Beundengasse führt ein Feldweg direkt zur Bahnlinie. Am Bahndamm ist der Schotter so verteilt, dass es den Anschein macht, der Weg führe über das Gleis. Auf der anderen Seite der Bahnlinie führt ein kleiner Weg weiter direkt zum Sportzentrum oder in das Industriegebiet Süd. Wer hier ortsunkundig oder schlecht informiert ist, könnte davon ausgehen, dass dies ein offizieller Wanderweg ist. «Es hat sich ein Trampelpfad gebildet. Es ist anzunehmen, dass das Gleis an dieser Stelle regelmässig überschritten wird», schreibt die Gemeinde Lyss in ihrem Warnhinweis an die Bevölkerung.

Eine Anwohnerin der Beundengasse bestätigt: «Es ist an der Tagesordnung, dass hier Leute das Gleis überqueren», sagt sie. Sie beobachte vor allem Arbeitnehmende des Industriequartiers, die sich die Abkürzung zunutze machten, aber auch Spaziergänger oder Personen mit Hunden nutzten den illegalen Übergang wie selbstverständlich, fügt sie an. Und: «Oft sehe ich auch Familien mit Kindern, die diesen Weg nehmen.» Sie schüttelt den Kopf. Immer wenn sie eine Lokomotive pfeifen höre, wisse sie, dass wieder jemand kurz vor der Durchfahrt einer Eisenbahn die Schienen überquert habe, «und ich höre es oft pfeifen, das können Sie mir glauben», sagt sie.

Gefahr aufzeigen

Auch Andreas Tanner, Leiter der Schule Stegmatt, hört diese Warnpfiffe während der Arbeit oft. Und er hört sie nur ungern. «Ich bin sehr erschrocken, als ich vom Vorfall mit den beiden Kindern erfahren habe», sagt er. Tanner hat selber ein paar Jahre als Lokomotivführer gearbeitet und weiss sehr genau um die Gefahren Bescheid. Deshalb war es ihm auch ein grosses Anliegen, die Schüler genau über die Gefahren aufzuklären. Anders als bei anderen Informationen durch die Lehrer an die Schüler hat er diesmal darum von jedem Lehrer eine Bestätigung verlangt, dass die Information stattgefunden hat.

Tanner glaubt nicht, dass die Schülerinnen und Schüler das Gleis überqueren, um im Sportzentrum den Turnunterricht zu besuchen: «Nur die Oberstufenschüler haben im Grien Turnen, und sie fahren mit dem Velo dorthin.» Was auf dem Schulweg ablaufe, liege ausserhalb der Verantwortung der Schule, so Tanner.

Gleisstabilität leidet

Die Gefahr, dass es zu einem tödlichen Zusammenstoss zwischen Mensch und Eisenbahn kommen könnte, ist aber nicht das einzige Problem dieses illegalen Übergangs, wie SBB-Mediensprecher Jean-Louis Scherz erklärt: Weil die Erhöhung des Schotterbetts neben den Schienen niedergetrampelt ist, könnte die Stabilität der Gleise gefährdet sein. «Diese Erhöhung dient der Regulierung der Temperatur, damit sich zum Beispiel im Sommer bei grosser Hitze die Schienen nicht verformen», so Scherz. Das Risiko sei nicht akut, aber es bestehe, sagt er.

Der Auftrag, den Schaden zu beheben und den Schotter entlang der Gleise wieder aufzuschütten, sei bereits an die SBB erfolgt und werde in den nächsten Tagen ausgeführt, so Scherz. Ausserdem werden laut Scherz gleichzeitig mit der Reparatur Verbotsschilder für das Gleisüberschreiten angebracht. «Wir sind leider sehr häufig mit solchen Fällen konfrontiert.» Die Leute seien sich zu wenig der Gefahr bewusst, die sie bei solchen Aktionen in Kauf nähmen, fügt er an. «Vor allem Kinder können die Geschwindigkeit der Züge nur schlecht abschätzen», erklärt er. Und: «Ich hoffe, dass die Verbotstafeln dazu beitragen werden, dass an dieser Stelle nie eine Tragödie passieren wird.»

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