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Berner Jura zieht immer mehr Grenzgänger an

In den vergangenen zwei Jahren hat die Anzahl der ausländischen Arbeitskräfte im Berner Jura um 14 Prozent zugenommen. Ein Grund ist der Mangel an einheimischen Fachleuten.

Der bernjurassische Arbeitsmarkt scheint eine Sogwirkung auf Arbeitnehmer zu haben.
Der bernjurassische Arbeitsmarkt scheint eine Sogwirkung auf Arbeitnehmer zu haben.
Daniel Fuchs

Immer mehr Arbeitskräfte aus dem nahen Frankreich finden im Berner Jura Arbeit. Die neuesten Erhebungen des Bundesamts für Statistik (BFS) bestätigen diesen Trend: In den vergangenen zwei Jahren hat die Zahl der Grenzgänger in der Berner Romandie um 14 Prozent zugenommen. Ende 2012 waren es 1446 Personen. Den stärksten Zuwachs seit 2010 verzeichnet St-Imier mit 30 Prozent. Landesweit betrug die Zunahme der Grenzgänger in derselben Zeit 13 Prozent.

Nachwuchs fördern

Wie lässt sich die besondere Sogwirkung des bernjurassischen Arbeitsmarkts erklären? «Die Zunahme der Grenzgänger ist vor allem auf die erfreuliche Entwicklung der Uhrenbranche zurückzuführen», erklärt Patrick Linder, Direktor der Wirtschaftskammer Berner Jura (CEP). Der Erfolg dieser Industrie auf den Weltmärkten beschere den Unternehmen, die im Berner Jura angesiedelt sind, viel Arbeit.

Unter diesen Umständen fordert Linder, dass man alles daran setzen soll, die technischen Berufe zu fördern und Jugendliche für eine Ausbildung in der Hochtechnologie zu begeistern. «Damit wäre der Nachwuchs an Technikern, Ingenieuren und Führungskräften gesichert.» Der Bedarf an Arbeitskräften aus dem grenznahen Ausland wäre nicht so hoch, wenn die Industrie im Jurabogen auf einheimische Fachleute zurückgreifen könnte, so der Wirtschaftsvertreter.

Ein Drittel zu wenig Lehrlinge

Die Verantwortlichen der Uhrenbranche mögen noch nicht von einem Notstand sprechen, aber dennoch sei der Arbeitsmarkt derzeit ausgetrocknet, sagt Romain Galeuchet, der Mediensprecher der Convention Patronale (CP), des Arbeitgeberverbandes der Schweizer Uhrenindustrie. Der Einsatz von Grenzgängern habe Tradition, so Galeuchet, denn «wir pflegen seit langem eine gemeinsame Industriekultur mit unseren französischen Nachbarn».

Die CP, die unter anderem für die Berufsbildung in der Uhrenbranche verantwortlich ist, sieht für die nahe Zukunft einen steigenden Bedarf an qualifiziertem Personal. Die von der CP im September 2012 veröffentlichte Umfrage über den Arbeitskräftebedarf in der Uhren- und Mikrotechnikindustrie kommt zum Ergebnis, dass bis 2016 rund 3200 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewonnen und ausgebildet werden müssen.

Heute stehen aber lediglich 2000 Lehrlinge in Ausbildung – mehr als ein Drittel zu wenig. «Wir sind gefordert, Wege aus dem Engpass zu finden», sagt Galeuchet und nennt einige Lösungsansätze: Es gelte, Spezialisten zu überzeugen, über das Pensionsalter hinaus im Betrieb tätig zu bleiben, sowie fähige Mitarbeitende intern weiterzubilden. «Zudem rechnen wir weiterhin mit ausländischen Kräften.»

Jedenfalls steht die Uhrenindustrie im Jurabogen vor einer grossen Herausforderung, denn es werden in erster Linie sehr gut qualifizierte Berufsleute gesucht, so Galeuchet. «Die technische Entwicklung schreitet rasch voran, und die Hersteller verarbeiten zunehmend innovative Materialien wie zum Beispiel Silizium.»

Sorge um Löhne

Pierluigi Fedele, Generalsekretär der Gewerkschaftssektion Unia Transjurane, wünscht sich einen flächendeckenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) oder halt Mindestlohnbestimmungen auf Bundesebene: «Dann stellt sich die Frage, ob hier ausländische Arbeitskräfte zu Billiglöhnen beschäftigt werden, nicht mehr.» Schliesslich sollten alle Mitarbeitenden nach Massgabe ihrer fachlichen Kompetenz und nicht nach ihrer Herkunft entlöhnt werden, so Fedele.

Den Gewerkschafter erstaunt es nicht, dass die boomende Präzisionsindustrie viele ausländische Fachkräfte anzieht, aber er warnt vor Lohndruck: «Solange die Arbeit für alle reicht, gibt es kein Problem. Aber wenn eine neue Rezession kommt, könnten die einheimischen Beschäftigten das Nachsehen haben.» Tatsächlich untersteht nur die Hälfte der rund 150 Uhrenfirmen in der Juraregion einem GAV. «Hier besteht Aufholbedarf», kommentiert Fedele.

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BT

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