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Bieler Ex-Spitaldirektor vor Gericht

Nach jahrelangem öffentlichem Gezerre und vielen Schlagzeilen kommt der Fall Paul Knecht vor Gericht. Ab Montag muss sich der Ex-Direktor des Spitalzentrums Biel vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland verantworten.

Paul Knecht, der Ex-Direktor des Spitalzentrums Biel, muss sich ab Montag vor Gericht verantworten.
Paul Knecht, der Ex-Direktor des Spitalzentrums Biel, muss sich ab Montag vor Gericht verantworten.
Andreas Blatter

Vorgeworfen werden ihm Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft beläuft sich der Gesamtdeliktsbetrag auf rund 175'000 Franken. Knecht bestreitet sämtliche Anklagepunkte. Der erstinstanzliche Prozess ist auf drei Tage angesetzt; das Urteil wird am Mittwoch erwartet.

Der Verwaltungsrat der Spitalzentrum Biel AG hatte Knecht im Februar 2009 gefeuert. Als Begründung wurden Unregelmässigkeiten bei Spesen und Abgeltungen angeführt. Zweieinhalb Jahre dauerte es, bis die Staatsanwaltschaft im Oktober 2011 das Verfahren abschloss.

Sie wirft Knecht unter anderem vor, er habe hauptsächlich 2007 und vereinzelt im Jahr 2000 das Spital über die tatsächlich geleistete Überzeit getäuscht. So habe er die Spitalzentrum Biel AG respektive den Gemeindeverband veranlasst, überhöhte Überzeitentschädigungen auszuzahlen oder zumindest Rückstellungen in der Bilanz zu bilden.

Zudem soll Knecht veranlasst haben, dass ihm in den Jahren 2003 bis 2008 ein Teil der Überzeit unrechtmässig mit einem Zuschlag von 25 Prozent ausbezahlt worden sei. Von 2000 bis November 2008 soll Knecht zudem persönliche Auslagen unrechtmässig als Spesen abgerechnet haben.

Teil des Verfahrens eingestellt

Ein Teil des Verfahrens wurde allerdings von der Staatsanwaltschaft rechtskräftig eingestellt: Der Tatverdacht habe sich in einigen Fällen nicht erhärten lassen oder sei entkräftet worden.

Weiter musste die Staatsanwaltschaft feststellen, dass die Unterlagen über die Arbeitszeiterfassung einzelner Kalenderjahre nicht mehr - oder nicht mehr vollständig - vorhanden waren. Das verunmöglichte Ermittlungen zum Vorwurf der unrechtmässigen Überzeit- Abgeltung.

Das «Bieler Tagblatt» wollte sich nach eigenen Angaben die Teileinstellungsverfügung besorgen. Die Zeitung scheiterte aber am Widerspruch beider Parteien.

Millionenklagen und politisches Nachspiel

Paul Knecht und die Spitalzentrum Biel AG tragen seit der Entlassung des Direktors einen erbitterten Rechtsstreit aus. Das Spitalzentrum verklagte ihn auf Schadenersatz. Knecht selber reichte vor dem Handelsgericht ebenfalls eine millionenschwere Klage ein.

Der Fall zog weitere Kreise. So wurden nach Knechts Entlassung wachsende Spannungen im damaligen Verwaltungsrat des Bieler Spitalzentrums ruchbar. Ein externes Gutachten im Auftrag des Kantons bestätigte dies. Die Berner Kantonsregierung veranlasste daraufhin personelle Änderungen im Verwaltungsrat.

In die Kritik geriet auch der zuständige Regierungsrat, Philippe Perrenoud (SP). Die parlamentarische Oberaufsicht nahm ihn aber in Schutz: Der Kanton Bern habe seine Aufsichtspflichten am Spital Biel angemessen wahrgenommen. Zum Teil versagt hätten hingegen die internen Kontrollsysteme.

SDA/chh

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