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Bieler Ex-Spitaldirektor zu bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

Der frühere Bieler Spitaldirektor Paul Knecht ist am Donnerstag zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Gemäss dem Urteil verrechnete er dem Spital mehrmals zu Unrecht Spesen und Überzeit.

14 Monate bedingt: Der Prozess hat für den ehemaligen Bieler Spitaldirektor Paul Knecht eine Verurteilung zur Folge.
14 Monate bedingt: Der Prozess hat für den ehemaligen Bieler Spitaldirektor Paul Knecht eine Verurteilung zur Folge.
Andreas Blatter

«Ich bin erschüttert», sagte der heute 66-Jährige nach der Urteilsverkündung am Regionalgericht in Biel. Knecht war während fast 20 Jahren Direktor am Bieler Spitalzentrum gewesen. 2009 wurde er fristlos entlassen.

Er könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen, wonach er zum Beispiel Leute manipuliert haben solle, um sich mit unzulässigen Spesen- und Überzeitabrechnungen zu bereichern, sagte Knecht. Seine Anwältin rechnet damit, dass die Angelegenheit nach dem erstinstanzlichen Urteil nun vors Obergericht kommt.

Der Prozess am Regionalgericht Berner Jura - Seeland hatte bereits im Juni begonnen und sich in die Länge gezogen. Zahlreiche Spesen-, Kreditkarten- und Überzeitabrechnungen wurden durchleuchtet. Der Staatsanwalt und das Spitalzentrum Biel warfen dem ehemaligen Direktor etwa vor, zahlreiche private Anlässe als Arbeitszeit verrechnet zu haben.

«Ich-Bezogenheit» eines «Königs»

An der Urteilsverkündung hielt die Gerichtspräsidentin fest, dass Knecht gewisse Spesen doppelt abgerechnet habe. Dem Spitalzentrum habe er zu viele Überstunden verrechnet. Dass Knecht private Mittagessen als Networking bezeichne, sei eine Schutzbehauptung.

Auch habe sich Knecht für Überzeit einen Zuschlag von 25 Prozent auszahlen lassen, obwohl er vertraglich keinen Anspruch darauf gehabt hätte. Auf diesen Irrtum hätte er die zuständige Personalverantwortliche aufmerksam machen müssen.

Die Gerichtspräsidentin führte das Verhalten Knechts auf dessen «Ich-Bezogenheit» zurück. Trotz seiner Verdienste für das Spital, habe sich Knecht wie ein König mit eigenen Regeln verhalten, sagte sie. Vermutlich habe Knecht das Gefühl gehabt, angesichts der hohen Arbeitsbelastung bei der Entschädigung zu kurz zu kommen.

Schwierige Kontrolle

Knecht selbst hatte zuvor in zwei Unterpunkten Unregelmässigkeiten zugegeben, dabei allerdings von Versehen gesprochen. Zum Beispiel hatte er in einem Fall für einen Tag gleich 26 Stunden Arbeitszeit verrechnet.

Solche Versehen hätten Knecht aber früher oder später auffallen müssen, befand die Gerichtspräsidentin. Offenbar habe er diese Irrtümer aber vorsätzlich nicht korrigiert.

Weiter stellte sich die Frage, ob das Spital selbst eine Mitverantwortung trage. Doch der Verwaltungsrat, ein Laiengremium, habe Knecht als Spitalökonomen vertrauen dürfen und müssen, sagte die Gerichtspräsidentin.

Knecht habe gewusst, dass sich seine effektiv geleisteten Überstunden kaum überprüfen liessen. Er benötigte also kein komplexes Konstrukt, um zu täuschen, sagte die Gerichtspräsidentin.

Der Deliktsbetrag beläuft sich gemäss dem Urteil auf 122'000 Franken. Die Probezeit für die Freiheitsstrafe beträgt zwei Jahre. Auf eine Busse verzichtete die Gerichtspräsidentin. Allerdings muss Knecht seiner früheren Arbeitgeberin Kosten von über 44'000 Franken entschädigen.

Zum Teil freigesprochen

In einigen Punkten wurde Knecht freigesprochen, manche davon waren verjährt. Der Staatsanwalt hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Geldstrafe 36'000 Franken gefordert.

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Viele Vorfälle liessen sich nämlich gar nicht mehr nachvollziehen, sagte Knechts Anwältin. Knecht wehrte sich stets gegen die Vorwürfe und betonte, er habe ein gutes Gewissen und sich immer für das Spitalzentrum eingesetzt.

Das Spitalzentrum hat Knecht überdies auf Schadenersatz verklagt. Der ehemalige Spitaldirektor reichte seinerseits vor dem Handelsgericht Klage ein.

SDA/cla

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