Das letzte Ständli

Lyss/Worben

Die Musikgesellschaft Lyss beendet die Zusammenarbeitmit der MG Worben – und hinterlässt dort «irritierte» Kollegen.

Die Spielgemeinschaft Worben und Lyss ist Geschichte.

Die Spielgemeinschaft Worben und Lyss ist Geschichte.

(Bild: zvg)

Johannes Reichen

Am Dienstagabend gaben sie noch ein Ständli. Die Musikanten der Spielgemeinschaft Worben und Lyss traten in einem Quartier in Worben auf. Sie trugen dem Publikum Märsche vor, aber auch moderne Stücke aus ihrem Repertoire. Dazu gehören etwa «The Final Countdown» oder «Mamma Mia». Das triffts. Es war der finale Auftritt der Gemeinschaft, des Joint Venture der Musikgesellschaften Lyss und Worben. Denn die MG Lyss hat die Spielgemeinschaft aufgelöst. «Vorzeitig und vertragswidrig», teilte die MG Worben am Tag vor dem Auftritt mit.

Nun steht der Countdown bei null und Worben allein da. Lyss auch, aber freiwillig. Mamma mia, was ist da passiert?

Paukenschlag aus Lyss

«Ich weiss es eigentlich auch nicht», sagt Daniel Nyffeneger. Er ist 45-jährig, Es-Hornist und Präsident der MG Worben. Die «Beweggründe» aus Lyss seien in Worben zwar «vernommen, aber nicht verstanden oder nachvollzogen» worden. Von «Ausreden» wolle er zwar nicht sprechen. Aber aus Worbener Sicht geht es wohl in diese Richtung.

Vor fünf Jahren schlossen sich die beiden Vereine aus den Seeländer Nachbargemeinden zu einer Spielgemeinschaft zusammen. Sie blieben aber eigenständig. So hätten Lücken gefüllt werden können. Zuletzt bestand die Truppe aus 35 Musizierenden – 21 aus Worben, 14 aus Lyss. «Ansehnlich», sagt Nyffenegger. Und «musikalisch erfolgreich».

Allerdings habe es auf organisatorischer Ebene immer mal wieder Differenzen gegeben. Welche Anlässe besucht werden sollen, wie das Jahresprogramm gestaltet, darüber gingen die Meinungen auseinander. «Wir suchten aber immer nach Lösungen, die für alle stimmen.» Ein unterzeichneter Fünfjahresvertrag, in dem die Zusammenarbeit geregelt wurde, sollte noch bis Ende 2022 laufen.

Dann kam der 30. April und die Mitteilung aus Lyss, die Zusammenarbeit werde in diesem Sommer beendet. So hatte es der Verein tags zuvor entschieden. Ein Paukenschlag. «Enttäuscht und verärgert» sei er, sagt Nyffen­egger. Das entspreche nicht der Abmachung.

«Es ist wie in einer Beziehung, die zwar gut läuft», sagt Simon Scheurer, 28-jährig, Altsaxofonist und Präsident der MG Lyss. «Aber gleichzeitig merkt man, dass es nie die grosse Liebe wird.» Da könne man miteinander reden oder die Sache hinausziehen. Oder eben einen Schlussstrich ziehen. «Es waren schöne Jahre», sagt Scheurer. Spurlos gehe die Trennung auch an ihm nicht vorüber. «Ich bin sehr traurig.» Die Trennung biete für beide aber auch neue Chancen.

Einen konkreten Grund für das Aus kann Scheurer nicht nennen. «Musikalisch lief es recht gut und kameradschaftlich auch.» Persönlich hätte er die Zusammenarbeit gerne weitergeführt. Doch Mitarbeitergespräche hätten gezeigt, dass die meisten Mitglieder lieber allein weitermachen möchten.

Es habe sich auch immer mehr gezeigt, dass die beiden Vereine unterschiedlich tickten. «Worben war konservativ, wir innovativ», wobei weder das eine noch das andere gut oder schlecht sei. Am Anfang sei das Lysser Ziel die Fusion der beiden Vereine gewesen, um die Vereinsführung schlank und simpel zu halten Doch dagegen habe sich Worben gewehrt. «Das hat uns enttäuscht.»

Dirigentin bleibt in Worben

In ein paar Jahren, sagt Nyffen­egger, hätte man vielleicht über eine Fusion diskutieren können. Jetzt sei es noch zu früh gewesen. «Unsere Mitglieder wollten das nicht.» Aus seiner Sicht sei die Zusammenarbeit zwar nicht optimal, aber gut gewesen.

Und was sagt er zu Scheurers Bemerkung, Worben sei konservativ? «Wenn man unter Innovation versteht, neue Ideen zu entwickeln, ist das eine Sache.» Eine andere Sache sei es, diese Ideen dann auch umzusetzen. «Dafür muss man sich Zeit nehmen.»

Nun bricht für beide Vereine eine neue Zeit an. «Wir machen eine komplette Umgestaltung», sagt der Lysser Präsident Scheurer. Neuer Auftritt, neue Bekleidung, neue Stücke, neuer Dirigent – und hoffentlich neue Mitglieder zu den 14 aktuellen, das ist die Strategie. Nun steht eine Pause an, der Verein werde neu organisiert. Nächstes Jahr feiert er das 150-Jahr-Jubiläum. «Dann wollen wir parat sein.»

Auch die MG Worben ist bereits auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Nach den Sommerferien wird wieder geprobt. Die bisherige Spielgemeinschaft-Dirigentin Cornelia Begert bleibt ihr erhalten. An den Kosten für die Dirigentin wird sich die MG Lyss noch eine Weile beteiligen. Scheurer: «Wir wollen friedlich auseinandergehen.»

Berner Zeitung

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