Königsgruss

Das Wiedersehen mit dem ersten Interviewpartner überhaupt: Stucki Chrigu.

Simone Lippuner

Stucki Chrigu, du geile Siech! Sorry an alle, die sich nach einer Woche voller Feiern den König zurück ins Schloss wünschen. Aber ich muss an dieser Stelle eine persönliche Anekdote nachschieben. Denn Chrigu war mein erster Interviewpartner überhaupt. Und die ersten Male im Leben vergisst man nicht.

Es ist 2003, und ich schreibe holprig. Als Volontärin bei einer Seeländer Wochenzeitung darf ich mich für die Rubrik «36 Fragen an ...» dem Genre des Interviews auf spielerische Weise nähern. Ist der Befragte dann ein aufmüpfiger, 18-jähriger Nachwuchs-Hosenlüpfer, kann nichts schiefgehen. Denke ich. Und checke auf dem Beifahrersitz im Auto des Fotografen auf dem Weg nach Diessbach bei Büren 27-mal die Batterien im Diktafon, die Stifte und meine Frisur.

Dann öffnet der Hüne die Tür. In seinem Elternhaus muss sich Stucki Chrigu an gewissen Stellen bücken, zu niedrig sind die Decken für den Zwei-Meter-Mann. Schon damals sind die Regale voll mit Preisen, und seine Mutter voller Stolz. Stuckis Medienerfahrung ist aber noch bescheiden; so scheint auch er unsicher.

Dann kommt die Bärenpranke. Nicht übertrieben: Chrigus rechte Hand ist mindestens dreimal so gross wie meine – man vergleiche einen Tischtennis- mit einem Tennisschläger. Er grinst und drückt zu. Wäre ich nicht Linkshänderin, ich hätte danach Mühe gehabt, den Stift in der Hand zu halten. Tapfer lächle ich den Schmerz an meiner rechten Hand weg und konzentriere mich auf meine 36 Fragen.

Er grinst und drückt zu.

Dann das Wiedersehen. Letzten Dienstag. Grosser Empfang für den Schwingerkönig in Lyss. Zwischen dem Volksfest für Chrigu und unserem letzten Treffen liegen 16 Jahre, 128 Kränze für ihn und etwa 2000 Zeitungsartikel von mir. Wir haben beide dazugelernt.

Ich nähere mich dem König selbstbewusst, strecke schwungvoll meinen «Tischtennisschläger» hin, bin bereit für den Schlag. Chrigu lächelt zufrieden und drückt meine Hand so sanft, dass sie in seiner Pranke für einen kurzen Moment geräusch- und schmerzlos einfach so verschwindet.

Berner Zeitung

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