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Nach dem Bootsdrama: Auf Patrouille mit der Bieler Seepolizei

Die Seepolizei kennt alle gefährlichen Stellen auf dem Bielersee und überwacht sie. Protokoll einer Patrouillenfahrt.

Mit der «Argus» auf Patrouille: Die Seepolizisten Michael Jungi (rechts) und Fritz Brünisholz.
Mit der «Argus» auf Patrouille: Die Seepolizisten Michael Jungi (rechts) und Fritz Brünisholz.
Adrian Streun

Flach und ruhig gibt sich der Bielersee an diesem sonnigen Tag. Die Sicht ist gut, und es weht ein angenehmes Lüftchen. Eine perfekte Idylle – die abrupt von einem dumpfen Brummen gestört wird. Michael Jungi wirft die Maschine seines Patrouillenbootes an: Beeindruckende 425 PS bewegen das fast zehn Meter lange Polizeischiff sachte aus dem engen Hafen in Twann. Der Seepolizist manövriert die zweieinhalb Tonnen gekonnt auf das offene Wasser. Nebenan steht mit Sonnenbrille und obligater Schwimmweste sein Kollege Fritz Brünisholz. Nach dem tödlichen Unfall zeigen sie die heiklen Stellen im See und erklären, auf was «Bötler», Segler und Badegäste achten müssen.

Uferzone im Visier

«Bei gutem Wetter am Wochenende kann es auf dem See manchmal eng werden», sagt Fritz Brünisholz, der 27 Jahre Erfahrung als Seepolizist mitbringt. Trotzdem gebe es immer genug Platz zum Ausweichen. Schliesslich messe der See an seiner breitesten Stelle vier Kilometer und zwischen Petersinsel und Festland immerhin noch einen. Der Bootsbestand auf dem Bielersee hat zudem in den letzten zehn Jahren um rund 900 Boote abgenommen. Mit den vorgeschriebenen 10 Stundenkilometern gleitet die «Argus» langsam aus der geschützten Uferzone hinaus. Erst nach 300 Metern darf das Polizeiboot richtig Fahrt aufnehmen (siehe Box). «Auf die Uferzone legen wir ein besonderes Augenmerk», sagt Brünisholz. Einerseits sei das Ufer vor Wellenschlag zu schützen, und andererseits gebe es in Ufernähe oft Badegäste mit allerlei Luftmatratzen, und «darum ist in dieser Zone Vorsicht geboten».

29 Unfälle in zehn Jahren

Auf die Frage, ob auf dem See oft gerast wird, erwidert Brünisholz: «Die Mehrheit hält sich an die Vorschriften, gerade in der Uferzone.» Um seine Aussage zu unterstreichen, legt er eine Statistik vor. So habe es in den letzten zehn Jahren lediglich drei Leichtverletzte auf dem Bielersee gegeben, und von 29 Unfällen seien nur 5 auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Das Opfer von diesem Sommer ist in der Statistik noch nicht enthalten.

Mittlerweile ist das Patrouillenboot vor dem Nidau-Büren-Kanal und der Bieler Bucht zu liegen gekommen. «Hier sind die neuralgischen Punkte des Sees», sagt Brünisholz, «mindestens fünf Mal die Woche fahren wir diese Region ab.» Jungi steuert seine «Argus», vorbei an einigen Fischerbooten, auf den Kanal zu. Sehr schnell, so scheint es, fährt der Polizist in den Kanal. Doch dieser gibt die gefühlten 30 Stundekilometer mit 13 an. Worauf Brünisholz erklärt: «Im Kanal sind 15 Stundekilometer erlaubt, was manchmal als sehr schnell interpretiert werden kann.» Eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf dem See erachten die beiden Männer als unnötig. «Rein von der Unfallstatistik her gibt es keine Veranlassung dazu – eine 30er Zone auf der Stasse kommt auch nur, wenn die Notwendigkeit besteht», gibt Brünisholz zu bedenken. Der tödliche Zwischenfall sei eine traurige Ausnahme gewesen.

Laser im Einsatz

Die «Argus» gleitet nun sehr schnell über den See. Man versteht das eigene Wort kaum mehr. «Jetzt messen wir 55», schreit Jungi. Der Wind pfeift. Das Boot hüpft über die Wellen. Etwa so muss sich eine Verfolgungsfahrt anfühlen. «Boote, die schneller als 70 fahren, sind auf diesem See selten», sagt Brünisholz. Die «Argus» selbst fährt maximal 70.

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