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Politiker gehen wegen Vandalen auf Patrouille

Vandalen haben im Erholungsgebiet Au in Radelfingen eine Linde und eine Holzbank verbrannt. Nun greift der Gemeinderat durch. Er kontrolliert Personen und schreibt Namen auf. Damit bewegt er sich in einem Graubereich.

Es blieb nur noch Asche übrig. Vandalen haben in einer Aprilnacht in der Radelfinger Au eine Linde verbrannt.
Es blieb nur noch Asche übrig. Vandalen haben in einer Aprilnacht in der Radelfinger Au eine Linde verbrannt.
zvg

Eine Nacht im April, Erholungsgebiet Au, Radelfingen. Jugendliche stehlen einem Bauern über drei Ster Holz und verbrennen die Scheiter. In derselben Nacht fällen die Jugendlichen eine Linde, auch sie geht in den Flammen auf. Sachschaden: rund 3000 Franken. Sieben Wochen später demontieren Jugendliche in der Au eine Holzbank und legen diese in ein Feuer. Sachschaden: rund 1000 Franken.Die Ereignisse haben den Radelfinger Gemeinderat bewogen, härter gegen Vandalen vorzugehen. Der zuständige Gemeinderat Andreas Bähler (parteilos) sagt: «Die Vandalenakte machen mich wütend und traurig.» Die Gemeinde achte darauf, dass es in der Au sauber sei und die Grillplätze gut unterhalten würden. «Jetzt greifen wir durch. Anscheinend ist dies das Einzige, was nützt.»Keine Angst vor SchlägernDie Gemeinderäte gehen nun auf Patrouille. Sie schreiben Namen und Autonummern jener Leute auf, die im Gebiet Au baden und grillieren. Wer Abfall liegen lässt oder Sachen beschädigt, wird später bei der Polizei angezeigt. «Wir hoffen, es spricht sich herum, dass wir Personenkontrollen durchführen und die Täter die Konsequenzen spüren», sagt Bähler.Der Gemeinderat möchte nicht nur kontrollieren, er will auch informieren und auf die Probleme mit Vandalismus und Littering aufmerksam machen. Angst, dass Schläger die Gemeinderäte angreifen könnten, hat Bähler nicht: «Ich rechne nicht damit, dass Prügelbanden sich in der Au aufhalten.» Auf Waffen verzichten die Gemeinderäte. Sie wollen sich zurückziehen, falls es gefährlich wird.Ob die Personenkontrollen durch den Gemeinderat zulässig sind, haben die Radelfinger Behörden nicht abklären lassen. Für Fabian Sauvain, Mitarbeiter des Rechtsdienst der Kantonspolizei Bern, spricht nichts gegen einen Dialog zwischen den Gemeinderäten und den Bürgern. «Sollten die Gemeinderäte aber systematische Personenkontrollen durchführen, wäre dies nach dem neuen Polizeigesetz nicht zulässig», sagt Sauvain. Nur Polizisten dürften Personen unter Zwang anhalten und ihre Identität feststellen.Den Gemeinderäten sei es grundsätzlich erlaubt, die Leute höflich nach ihrem Namen zu fragen. Falls sich die Angesprochenen der Kontrolle verweigerten, dürften die Dorfpolitiker keine polizeilichen Zwangsmittel anwenden.Teure Kübel gegen VandalenDer Radelfinger Gemeinderat prüft zudem, vandalensichere Abfallkübel in der Au aufzustellen. Diese könnte man weder wegreissen noch mit Tritten und Schlägen beschädigen. Ein solcher Eimer würde laut Bähler «weit über 1000 Franken» kosten.Falls sich die Situation nicht verbessert, erwägt der Gemeinderat, einen privaten Sicherheitsdienst mit Patrouillen zu beauftragen, zum Beispiel die Broncos. Bähler sagt, der Einsatz eines Sicherheitsdienstes sei für eine kleine Gemeinde wie Radelfingen teuer. «Wir versuchen das Problem selber in den Griff zu bekommen, bevor wir mit der grossen Kelle anrühren.»Kontrollen in SchüpfenUnweit von Radelfingen entfernt, in Schüpfen, patrouillieren die Broncos bereits seit einem Jahr. Doch auch in Schüpfen unternimmt der Gemeinderat nun Kontrollgänge, um Vandalismus zu bekämpfen. Der neuralgische Punkt befindet sich am Bahnhof, dort halten sich häufig Jugendliche auf. Namen schreiben Schüpfens Dorfpolitiker aber nicht auf. Gemeindepräsident Ueli Hunziker (SVP): «Ich habe den Eindruck, es kann etwas bewegen, wenn man mit den Jugendlichen das Gespräch sucht.»Fünf Namen bekanntNach den beiden Vandalenakten im April und im Mai erstattete Radelfingens Gemeinderat bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt. In der Zwischenzeit sind fünf Täter bekannt. Es handelt sich um Jugendliche, die in umliegenden Gemeinden wohnen, nicht aber in Radelfingen. «Das Verfahren läuft noch», sagt Gemeinderat Bähler. «Die Gemeinde wird sicher den Sachschaden in Rechnung stellen.»

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