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Psychotherapie: «Die Ärztin hat mich belästigt»

Sie praktiziert immer noch, die Psychotherapeutin aus Biel, gegen die eine Patientin vor fünf Jahren beim Berner Kantonsarzt Anzeige erstattet hat. Und: Ihre Arbeitsmethoden sind nach wie vor höchst seltsam.

Manchmal schafft eine Psychotherapie neue Probleme (Symbolbild).
Manchmal schafft eine Psychotherapie neue Probleme (Symbolbild).
Fotolia

Nichts ahnend meldete sich kürzlich eine junge Frau in Biel bei Laurence Vuille*, die sie im Telefonbuch fand, für eine Psychotherapie an. Doch nach einem einzigen Besuch wusste Anna X.*: Mit dieser Therapeutin würde sie kaum Ordnung in ihr Leben bringen. Die Beratung fand in einer gar unordentlichen Wohnung statt, in der Flaschen herumstanden und sich Stofftiere stapelten. Zweimal wurde das Gespräch für längere Zeit unterbrochen: einmal, weil eine Patientin telefonisch ein Rezept bestellte, das Vuille sogleich ausstellte und per Fax übermittelte. Wenig später kreuzte ein Paar auf, das die Ärztin zu früh bestellt hatte. Nach längerem Hin und Her entliess sie ihre neue Patientin vorzeitig mit der Bitte, sie möge am Abend auf die private Nummer anrufen. Doch Anna X., froh dem Chaos entronnen zu sein, dachte gar nicht daran. Laurence Vuille war es nicht gelungen, ihr Vertrauen zu gewinnen, obwohl sie die Patientin umarmt und ihr versichert hatte, wie gut sie sie doch verstehe. «Daneben redete sie etwas von Verschwörungen, plauderte Diagnosen anderer Patienten aus und brüstete sich damit, bei Patienten, die aus psychiatrischen Kliniken entlassen wurden, jeweils die Medikamente abzusetzen», nennt Anna X. Beispiele, die sie davon abhielten, weitere Termine in dieser Praxis abzumachen.

In den Schlagzeilen

Doch die Ärztin akzeptierte die Absage nicht. «Per SMS und Telefon hat sie mich belästigt», sagt Anna X., der inzwischen zu Ohren gekommen ist, dass diese Zeitung kürzlich über die Anzeige gegen eine Bieler Psychotherapeutin berichtet hatte. Genau um diese Ärztin handelt es sich: Um die Therapeutin, gegen die Rosa Berger* vor fünf Jahren mit einer aufsichtsrechtlichen Anzeige beim Berner Kantonsarzt vorgegangen war. Ihr Vorwurf lautete: Vuille habe sie manipuliert und ausgenutzt, habe eine zähe Abhängigkeit geschaffen, ihr Vertrauen missbraucht und ihr mit der Therapie Schaden zugefügt.

Das Verfahren zog sich über fast fünf Jahre hin, bevor der Berner Kantonsarzt Ende 2009 die Beschwerde endlich erledigen konnte. Wie er entschieden hat, gab er nicht bekannt. In einem aufsichtsrechtlichen Verfahren habe die anzeigende Person kein Recht auf Auskunft, beschied er Rosa Berger und deren Anwalt.

Laut dem Medizinalberuferegister des Bundesamts für Gesundheit verfügt Laurence Vuille nach wie vor über eine Berufsausübungsbewilligung.

Doch es ist durchaus möglich, dass der Kantonsarzt ihr diese entzogen hat und jetzt dagegen eine Beschwerde hängig ist beim Gesundheitsdirektor. Nach Ablauf der Frist jedenfalls bestätigte dessen Sprecher Jean-Philippe Jeannerat den Eingang einer Beschwerde gegen einen Entscheid des Kantonsarztes.

Die GEF schweigt

Der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) sind keine konkreten Auskünfte zu Laurence Vuille zu entlocken. Regierungsrat Philippe Perrenoud versichert lediglich, dass er «ein Beschwerdeverfahren zügig abwickle», so er denn über ein solches zu entscheiden habe. Perrenoud fügt an: «Bei allem Respekt für das allfällige Leiden der hier betroffenen Personen darf ich keine anderen Auskünfte geben – und erst recht nichts versprechen.»

*Namen von der Redaktion geändert

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