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Tausend tote Tiere im Seeland

Allein in der letzten Woche gab es im Seeland und Berner Jura mehr als 30 Verkehrsunfälle mit Wildtieren. Im Winter suchen Wildschwein und Co. oft im Flachland nach Nahrung. Nun prüfen die Jäger ein neues Warngerät.

Wie bei diesem Unfall in Gampelen im Winter 2007 verenden jährlich über 1000 Wildtiere allein auf Seeländer Strassen, hier ein Wildschwein.
Wie bei diesem Unfall in Gampelen im Winter 2007 verenden jährlich über 1000 Wildtiere allein auf Seeländer Strassen, hier ein Wildschwein.
zvg

«Alleine würde ich das nicht schaffen», sagt Daniel Trachsel. Der Wildhüter aus Ammerzwil spricht von einer undankbaren Aufgabe: überfahrene Wildtiere entsorgen oder die verletzten mit dem Hund aufspüren und von ihrem Leiden erlösen. Bei seiner Arbeit helfen ihm die Polizei und das Tiefbauamt.

Pro Jahr verzeichnet das Jagdinspektorat 4000 gemeldete Kollisionen mit Wildtieren im Kanton Bern. Ein Viertel dieser Tiere kommt im Seeland unter die Räder. Allein in der letzten Woche gingen bei der Polizei über 30 Meldungen wegen Tierverkehrsunfällen ein. Füchse, Hasen, Rehe, Dachse, Wildschweine und sogar eine Gämse mussten letzte Woche auf den Strassen im Seeland und Berner Jura ihr Leben lassen.

Viele Autos, keine Ruhe

In dieser Region gibt es viel Verkehr. Das kantonale Jagdinspektorat definiert den Wildraum Seeland vom südlichen Jurafuss bis zur Linie Wohlen-Bern-Bätterkinden. «In diesem Gebiet ist die Verkehrsdichte am höchsten, gegen den Voralpenraum zu wird es dann wieder besser», sagt der stellvertretende Jagdinspektor Martin Zuber. Bei viel Schnee zieht es die Tiere zudem vermehrt ins Flachland, wo sie auf Nahrungssuche gehen. Der Hauptgrund für die vielen Unfälle liegt aber in der permanenten Störung. Wildhüter Trachsel: «Die Tiere sind dauernd in Bewegung, finden keine Ruhe mehr.» Jogger, Hündeler oder Reiter schreckten sie auch im Winter immer wieder auf, genau dann, wenn die Tiere Ruhe brauchen und ihren Energiehaushalt runterfahren.

Wirkungsvoll: Brücken

Verkehrsunfälle mit Wildtieren sind auch für Menschen gefährlich. Bei den jährlich rund 20000 Kollisionen mit Wild verletzten sich über 60 Personen. Der Sachschaden beläuft sich laut dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV auf über 25 Millionen Franken.

Die Zahl dieser Unfälle im grossen Rahmen zu reduzieren, ist für Martin Zuber unrealistisch. «Es gibt eine Palette von Produkten wie Duftzäune oder Warnanlagen, die wir einsetzen. Doch die Tiere haben nun mal den Drang, sich von A nach B zu bewegen.» Am effektivsten findet Zuber den Bau von Wildbrücken an Stellen, wo viele Wildwechsel stattfinden.

Mit Interesse verfolgt Bern nun die Untersuchungen in Zürich zu einem neuen akustischen Wildwarngerät, das offenbar zu einem markanten Rückgang der Unfälle geführt hat.

Das Gerät enthält einen Reflektor und einen kleinen Sensor. Sobald ein Autoscheinwerfer naht, wird ein Pfeifton in Hochfrequenz ausgelöst, den der Autofahrer gar nicht wahrnimmt. Das Wild aber wird wachsam und überquert die Strasse erst dann, wenn das Auto vorbeigefahren ist.

Der Berner Jägerverband prüft derzeit ein Muster dieses Geräts. Martin Zuber bleibt kritisch: «Ein Allerheilmittel ist auch dieser neue Wildwarnreflektor sicher nicht.»

Clevere Hasen

Ganz verloren ist die Natur zum Glück dann doch nicht. Wohl oder übel müssen sich die Tiere je länger je mehr den Umständen anpassen. Das Beispiel des Feldhasen zeigt diese Fähigkeit eindrücklich, wie Zuber weiss: «Er hat gelernt, sich in der Nähe von Strassen zurückzuziehen, sein Territorium zu verkleinern.» Was den Hasenbestand zwar nicht grösser macht, wie Zuber bestätigt. «Der ist immer noch sinkend.»

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