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Zivilschutzanlage für Asylbewerber: Kein Ort zum lange Verweilen

Die Asylbewerber aus Lyss sind in Biel angekommen: Hier leben sie in einer stillgelegten Zivilschutzanlage, die kalt und muffig ist.

Enge Platzverhältnisse: In diesen Betten schlafen vorwiegend Asylbewerber aus Westafrika. Wie lange, weiss noch niemand.
Enge Platzverhältnisse: In diesen Betten schlafen vorwiegend Asylbewerber aus Westafrika. Wie lange, weiss noch niemand.
Olivier Gresset/bt

Es ist kein Ort, der zum Verweilen einlädt: Über eine Rampe neben den Sportplätzen des Gymnasiums Linde geht es in ein kaltes, dunkles Loch. Nach einigen Vorräumen gelangt man in einen langen Gang, in dem noch Säcke voller Kleider und anderer Habseligkeiten liegen. Viel mehr als Stühle, Tische und Betten steht in der Zivilschutzanlage (ZSA) Linden für die Asylbewerber aus dem ausgebrannten Durchgangszentrum Kappelen-Lyss noch nicht bereit. Die ganze Anlage ist noch relativ kalt. Zudem riecht es ein wenig muffig.

«Eine Notlösung»

Die Asylbewerber wurden in die ZSA-Linden verlegt, weil diese in der Region als Notdispositiv gebraucht wird, sollten die Asylbewerberzahlen ungewöhnlich schnell in die Höhe steigen. So diente die Anlage bereits von Herbst 2008 bis Herbst 2009 der Unterbringung von Migranten. «Es ist eine Notlösung in einer Notsituation», sagt Philipp Rentsch, Leiter der Organisation Asyl Biel und Region (ABR), welche die Anlage im Auftrag des Kantons betreibt.

Obwohl in den vier Tagen Vorbereitungszeit die stillgelegte Anlage zusätzlich mit Heizstrahlern aufgewärmt wurde, strahlen die kahlen Betonwände noch immer viel Kälte ab. Vor allem der Boden ist unangenehm kühl: «Die Anlage sollte in wenigen Tagen warm sein», sagt Rentsch. Am Freitag sei es nur gerade acht Grad warm gewesen. «Man hat mir gesagt, dass die Unterkunft jeden Tag ein Grad wärmer wird.» In rund sechs Tagen sollte die Temperatur also bei zirka 18 Grad Celsius liegen.

Der Asylbewerber Chuisk aus Nigeria hat keine Freude an der Unterkunft: «Die Anlage hier ist wie ein Gefängnis», sagt er. Er teilt die rund 120 Betten in drei zusammenhängenden Räumen mit 36 Personen. Wenigstens müssten sie nicht mehr Seite an Seite schlafen, meint Chuisk, aber: «Wir betteln für eine andere Unterkunft», sagt er. Die Schweiz habe aber nichts falsch gemacht. «Es ist einfach ein Unglück, dass wir in dieser Unordnung gelandet sind», sagt er.

Trotz Sprung unverletzt

Haidari Gulamriza aus Afghanistan, der seit sechs Jahren in der Schweiz ist und dessen Asylgesuch abgewiesen wurde, erzählt auf Deutsch: «Ich war im 3.Stock, dort wo es gebrannt hat.» Er habe vom Feueralarm geträumt und dann gemerkt, dass es tatsächlich brannte. Danach habe er seine Zimmerkollegen geweckt. Weil der Gang voller Rauch war und zudem das Licht ausfiel, habe er das Fenster geöffnet. Einzelne Nachbarn seien bereits aus dem Fenster gesprungen. «Da bin ich auch gesprungen», sagt er. Wie durch ein Wunder blieb er nahezu unverletzt. «Ich bin auf den Rasen gesprungen. Diejenigen, die sich etwas gebrochen haben, sind auf den Steinboden gesprungen», erklärt er. Gulamriza blieb gerade mal noch seine Unterwäsche. Mittlerweile hat er dank Kleiderspenden etwas zum Anziehen. «Kleider haben wir wieder genug», sagt der Betreuer Stéphane Kuhnen.

Obwohl laut Philipp Rentsch allen Frauen mit Kindern ein anderer Platz angeboten wurde, ist Frau Kinenga aus dem Kongo mit ihrem dreijährigen Sohn in der Anlage. «Ich möchte hier raus», sagt sie. Ihr sei kein anderer Platz angeboten worden. Dem widerspricht Rentsch: «Sie muss freiwillig dort sein, wir haben keine Mutter mit Kind gezwungen hierhinzuziehen.» Den Kindergarten sollten die Kinder bald wieder besuchen können. «Nahe den anderen Durchgangsheimen hat es Schulen, wo die Kinder aufgenommen werden», sagt Rentsch.

In der ZSA-Linde werden in den nächsten Tagen Einrichtungs- und Zerstreuungsangebote aufgestellt, und ab Mittwoch werden die Bewohner auch wieder für sich selber kochen können.

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