Seit 150 Jahren gibt es Trink- und Luxuswasser

Interlaken

Am Samstag feiern die Industriellen Betriebe Interlaken den 150. Geburtstag der modernen Trinkwasserversorgungauf dem Bödeli. Vom «stark infizierten Soodwasser» zum Grundwasser, dessen Qualität häufige Kontrollen garantieren sollen.

Bau des ersten Trinkwasserreservoirs im Kleinen Rugen im Jahr 1869.

Bau des ersten Trinkwasserreservoirs im Kleinen Rugen im Jahr 1869.

(Bild: PD)

Heute werden in den drei Bödeligemeinden Interlaken, Matten und Unterseen im Durchschnitt täglich 6'419'000 Liter Wasser verbraucht: zum Waschen, Putzen, Blumengiessen, Baden, fürs Vergnügen – und nicht zuletzt wird es, besonders auch von Quellwasser-ungewohnten Gästen, genüsslich und in vollen Zügen getrunken.

Das mit dem Geniessen überlegte sich vor 150 Jahren manch einer wohl zweimal: Tourismuspionier Peter Ober schrieb noch Anfang 1869, dass der Kurort Interlaken keine laufenden Brunnen besitze «und sich zum grossen Nachtheil seiner ständigen Bevölkerung sowie der durchreisenden Fremden eines schlechten, oft sehr stark infizierten Soodwassers bedienen muss». Das Wasser aus Brunnenschächten oder aus Zisternen machte nicht nur als Getränk wenig Spass; oft musste es auch mühsam hochgezogen werden.

Wäsche gewaschen wurde gewöhnlich im Mühlekanal; das 1839 beschlossene Gemeindewaschhaus wurde nie gebaut, aber immerhin ein «Schwenkplatz» unterhalb der Parquetfabrik, damit es die Wäscherinnen etwas «bequemer» hätten.

Interlaken wird modern

Abklärungen einer Kommission des Gemeinnützigen Vereins unter Leitung von Peter Ober hatten 1868 ergeben, dass zwar kaum Nachfrage nach «Luxuswasser» bestand, wohl aber nach «Brunnen- und Trinkwasser».

Das Wasser aus Brunnenschächten oder aus Zisternen machte nicht nur als Getränk wenig Spass; oft musste es auch mühsam hochgezogen werden.

Mit dieser Gewissheit im Rücken und dem Erfolg ihrer jungen Gasbeleuchtungsgesellschaft vor Augen gründeten Vertreter von Tourismus, Politik und Gewerbe 1869 eine Aktiengesellschaft für die Wasserversorgung. Vom benachbarten Bergdorf Saxeten wurden Quellen gekauft, am Kleinen Rugen ein erstes Reservoir gebaut. Ab 1870 gab es in den ersten Hotels und Pensionen fliessend Wasser.

Wie schnell die Nachfrage wuchs, belegt der Interlakner Historiker Rudolf Gallati in seiner Ortsgeschichte mit Sparaufrufen aus den frühen 1890er-Jahren. Zugleich wünschten immer neue Quartiere die Erschliessung mit Wasserleitungen.

Am Puls der Zeit

So wurde die Kapazität des Rugen-Reservoirs noch vor der Jahrhundertwende verdoppelt. Im 20. Jahrhundert kamen zwei weitere Reservoire im Rugen und in St. Niklausen dazu sowie das Grundwasserpumpwerk in Matten, das als «Versicherung» dient – etwa im Winter, wenn die Quellen jeweils zu wenig Wasser liefern, oder im trockenen Sommer und Herbst 2018, als das Bödeli auch den nördlichen Nachbargemeinden aushalf, deren Quellen kleiner sind.

Heute sind für die Wasserversorgung der drei Bödeligemeinden insgesamt 163,5 Kilometer Leitungen verlegt – von den höchstgelegenen Quellen im Gebiet Nessleren über die Transport- und Verteilleitungen bis zu den Hausanschlüssen. Im letzten Jahr wurden über 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht, davon vier Fünftel Quell- und ein Fünftel Grundwasser. Die einwandfreie Qualität garantieren häufige Kontrollen und eine UV-Behandlung. Und mit dem Druck des Wassers aus dem Saxettal wird auch Strom produziert.

Sicher und effizient

1876 fusionierten die Gas- und die Wasserversorgungsgesellschaft, die im Wesentlichen von den gleichen Leuten gegründet und geleitet wurden. Aufgrund des öffentlichen Interesses an einer sicheren und effizienten Grundversorgung stimmte die Gemeindeversammlung Interlaken 1904 dem Kauf der Licht- und Wasserwerke zu, aus denen zusammen mit der Stromversorgung die Industriellen Betriebe Interlaken (IBI) wurden.

Anfang 2020 wird aus den öffentlich-rechtlichen IBI gemäss Beschluss der Stimmbürger von Interlaken, Matten und Unterseen wieder eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, die allerdings vollumfänglich den Gemeinden gehört.

Im Auftrag der Gemeinden erfüllt sie deren gesetzlich verankerte Aufgabe der Wasserversorgung – «in einer sehr hohen Qualität und zu einem guten Preis», wie Direktor Helmut Perreten betont. «Und solange wir diese Aufgabe nach Wunsch unserer Kunden ausführen, sind wir zuversichtlich, dies auch in Zukunft zu tun.»

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