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Sie erhalten den letzten Schliff für St. Gallen

OstermundigenÜber 500 Formationen spielen an den nächsten zwei Wochenenden am Eidgenössischen Musikfest in St.Gallen. Auch die

Gedämpft tönt Blasmusik durch die Tür des Probelokals nach draussen. Kaskaden von Tönen und Rhythmen, mal wild und laut, dann wieder fein und verspielt. Die Klänge lassen erahnen, was drinnen vorgeht: Dort probt die Musikgesellschaft Ostermundigen die Kompositionen, die sie in zehn Tagen am Eidgenössischen Musikfest in St.Gallen spielen wird. Im Proberaum geht es intensiv zu und her. Dirigent Mario Bürki peitscht den Verein mit seinen Worten und Gesten buchstäblich durch die Werke. «Auf diese halbe Note müsst ihr Gewicht legen», mahnt er und singt die Stelle vor. «Nochmals Takt 12, drei, vier.» Schon spielen die 55 Musikantinnen und Musikanten wieder, sie hatten kaum Zeit, ihre Instrumente zum Mund zu führen. Erneut bricht Bürki ab. «Die Klarinetten müssen sauberer phrasieren», sagt er und lässt das Register allein spielen. Nach ein paar Durchgängen ist wieder das ganze Korps dran. So geht es den ganzen Abend. Die Bläserinnen und Bläser, die Schlagzeuger, der Kontrabassist – alle machen hoch konzentriert mit. «Nach diesen vier letzten Proben werdet ihr mich hassen», witzelt Bürki. Seine knappen Anweisungen illustriert er hie und da mit Vergleichen. «Es muss tönen, wie wenn einem im Wasser eine warme Strömung erreicht.» Auftritt am 26.Juli Endspurt für St.Gallen. Das Eidgenössische Musikfest beginnt morgen Freitag. Die Ostermundiger sind am zweiten Wochenende dran. Am Sonntag, 26.Juni, gilt es ernst. Um 11.40 Uhr wird Mario Bürki in der Kirche St.Laurenzen den Taktstock heben und mit dem ersten der zwei Stücke beginnen. Doch bis dahin gibts noch einiges zu tun. «Die Grundlagen haben wir erarbeitet, die Noten, die Rhythmik, das Zusammenspiel», erklärt Bürki. «Jetzt geht es noch um den Feinschliff.» Der Verein programmierte fürs Musikfest nicht mehr Proben als für ein Jahreskonzert. «Wir konzentrierten uns aber auf zwei Stücke statt auf acht bis zehn.» Die bisherige Vorbereitung sei gut verlaufen, sagt der Dirigent. «Alle ziehen am gleichen Strick, wir haben einen guten Drive, es macht Spass.» Solostellen des Waldhorns «To a New Dawn», heisst das Werk, das die Ostermundiger – zusätzlich zum Auftragsstück – selbst gewählt haben. Je länger die Probe dauert, desto besser wird die neue Morgendämmerung hörbar. Noch unterbricht Mario Bürki hie und da, lässt zwischendurch die Bläser eines Registers einzeln vorspielen. «Das müsst ihr noch üben», sagt er einige Male. Doch nun sind die Mundiger Musikanten in Fahrt, das Zusammenspiel klappt, die Musik klingt konzertreif. Das zeitgenössische Blasmusikstück ist in die 2.Stärkeklasse, also die dritthöchste, eingeteilt. Trotzdem: Es stellt hohe Anforderungen an die Musikanten. In den zwei Werken finden sich Solostellen: Ein einzelnes Instrument erhebt sich über die Begleitung. So spielt auch Livia Kuster. Die 21-jährige Studentin aus Kirchlindach wechselte vor fünf Jahren vom Saxofon aufs Waldhorn und bereut es nicht: «Es ist die Königin des Orchesters», schwärmt sie vom kreisrund geschwungenen Instrument mit grossem Schalltrichter. Wenn sie ihre Solostellen spielt, breitet sich der Klang des Waldhorns weit aus und erfüllt den ganzen Raum. Livia Kuster übernimmt erstmals an einem Musikfest eine Führungsrolle. «Ich spüre einen gewissen Druck – mir selbst und den anderen gegenüber», gesteht sie. Denn Soloparts auf dem Waldhorn haben es in sich. «Es ist ein Risikoinstrument, weil die Naturtöne so nah beieinander liegen.» Oft ist es schwierig, die richtige Tonlage zu erwischen. Für die Probe des Auftragsstücks «Der Magnetberg» lässt Bürki alle Musikanten die Plätze tauschen. Weil sie ohne die bekannten Nachbarn spielen, soll eine ungewohnte Umgebung simuliert werden. Auch dies meistern die Ostermundiger erstaunlich gut. Das Aufgabenstück wurde den Musikkorps erst zehn Wochen vor dem Fest bekannt gegeben. Im Fall von Ostermundigen eine Überraschung, denn der Komponist heisst – Mario Bürki. Sein Werk wurde vom Schweizerischen Blasmusikverband für die Vereine der 2.Stärkeklasse ausgewählt. Er dirigiert das eigene Stück Der Musiklehrer und Dirigent schätzt es aber nicht besonders, seine eigene Komposition aufführen zu müssen. «Geht es gut, heisst es, es sei ein Vorteil gewesen. Wenn nicht, kritisiert man, ich hätte nicht mal mein eigenes Stück im Griff.» Zudem stosse er an seine Grenzen, «weil ich eine Idee vom Werk habe und diese schwierig zu erreichen ist». Trotzdem freut er sich auf den Vortrag in St.Gallen, denn: «Das Stück tönt besser, als ich es mir vorstellte.»Herbert Rentsch>

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