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Sie helfen mit Wissen und Herz

300 Waisen leben im Kinderheim Bright-Horizon bei Kathmandu in Nepal. Gegründet wurde es von der Bernerin Marlies Kornfeld. Anja Bundschuh, Direktorin von Ebay-International, unterstützt das Projekt mit Kopf, Herz und Hand.

«Wir haben einander getroffen und waren uns einig», sagt Anja Bundschuh, Director Government Relations Europe von Ebay International mit Sitz in Bern. Einig darin, dass es Dinge im Leben gebe, die angepackt werden müssten: Sofort, ohne Garantie auf Erfolg, aber mit dem Glauben daran – und der Gewissheit, selbst ideell reicher aus der Sache herauszutreten. Einig mit Marlies Kornfeld, der Berner Kunstbegeisterten, die viele Jahre ihres Lebens in Nepal verbrachte. Als Präsidentin der Tibetfreunde; als Gründerin des Kinderheims Bright Horizon für Waisen und Halbwaisen. «Mit dem Geld, das mir glücklicherweise zur Verfügung stand, konnte ich Ende der 1990er-Jahre erst die Schule bauen lassen, später noch ein Kloster», sagt Kornfeld. Eine gepflegte Erscheinung, die so viel zu sagen haben scheint, dass sie meistens schweigt, ausser sie wird konkret gefragt. Dann aber lösen die Ergebnisse ihres Schaffens, zurückhaltend geschildert, beim Zuhörenden Gänsehaut aus. Ehrenamtliches Zeitmodell So muss es auch Anja Bundschuh ergangen sein. Denn aus diesem «Einig sein» wurde ernsthafte Zusammenarbeit, die ihren Anfang vor gut zehn Wochen fand. Damals reiste Bundschuh – neben den einheimischen Angestellten als einzige Schweizerin – ins Kinderheim nahe Kathmandu, um mit den 300 Kindern zu lernen oder sie zu unterrichten und mit ihnen zu spielen. Die «gebildete Frau der Tat» will von nun an jedes Jahr ein- bis zweimal ehrenamtlich nach Nepal reisen, um vor Ort Lehrer und Angestellte zu unterstützen. «Hier kommt jeder gespendete Rappen direkt an den richtigen Ort», bestätigt Bundschuh, die zum Beispiel mit 400 gespendeten Dollars 900 Bücher kaufen konnte. «Die neue Bibliothek wurde von den Kindern begeistert aufgenommen.» Wichtig sei ihr, dass den Kindern, neben dem Unterrichtsstoff, auch Herzensbildung und das Selberdenken vermittelt werde. «Kennen sie die Logik von Ursache und Wirkung, haben sie und ihr Land eine Zukunftschance.» Kinder sehen Eltern sterben Nepal gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. 70 Prozent der Nepalesen sind Analphabeten. Die Arbeitslosenquote beträgt 40 Prozent. «Bright Horizon» springt in die Bresche: «Die jungen Menschen bekommen bei uns die Möglichkeit, sich in verschiedenen Bereichen ausbilden zu lassen», sagt Kornfeld. «Viele wollen Koch lernen, um eine sichere Arbeitsstelle im In- oder Ausland zu erhalten und ihre Familie zu unterstützen.» Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 30 Franken pro Person lebt der Grossteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. «Viele Kinder sind dadurch vom Suizid eines Elternteils betroffen», sagt Bundschuh. «Manche mussten mit ansehen, wie ein Elternteil – oft die Mutter, weil Mütter oft vom Kindesvater im Stich gelassen werden – ums Leben kamen.» Bundschuh nennt das Beispiel von Shristi Majhi. Die Siebenjährige kam unterernährt und traumatisiert in die Schule. Das Mädchen war Augenzeugin beim Tod der Mutter. Der Vater war ausser Stande, seine Kinder zu ernähren, geschweige denn in die Schule zu schicken. «Lumpe lege» in Nepal Wie ging es Anja Bundschuh, als sie aus unserem Wohlstandsland in die Armut Nepals kam? «Die Emotionen überbordeten schon», sagt sie ehrlich. «Betroffenheit, Mitgefühl und Freude gehen Hand in Hand. Dann zum Beispiel, wenn ältere Kinder die Kleinen trösten.» Betreuer und Kinder würden stets wieder aufgefordert, Gefühle zu zeigen, damit diese verarbeitet werden können. «Wir wünschen von den Betreuern, dass sie ihre Schützlinge ab und an in die Arme nehmen. Schliesslich sind die Familien ja weit weg – oder tot.» Spiele nach dem Unterricht würden für etwas Auflockerung sorgen: «Sogar ‹Lumpe lege› kennen die nepalesischen Kinder.» In der Schweiz suchen die beiden Powerfrauen nun möglichst viele Paten, die «ihren» Schützlingen wieder für ein Jahr den Aufenthalt bei «Bright Horizon» ermöglichen. «Es ist uns wichtig, dass sich Paten und Kinder persönlich kennenlernen», sagt Kornfeld. Dringend werde ausserdem ein Schreiner gesucht, der für ein paar Wochen nach Nepal reise, um die Auszubildenden zu unterstützten. «Gut ausgebildete Handwerker können es schaffen, ihr Land selbst wieder aufzubauen.» Anja Bundschuh ergänzt: «Wenn auch das Resultat solcher Bemühungen nicht sofort erkennbar ist, so ist der Samen doch gepflanzt. Wichtig ist, stets in Bewegung zu bleiben.» Sonja L. Bauer •www.bright-horizon.ch •www.brighthorizonnepal. wordpress.com >

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