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Sie spielten nach Händels Geschmack

Kirche SaanenDas Ensemble Le Concert Spirituel brachte am Sonntagabend unter der Leitung von Hervé Niquet Werke von Georg Friedrich Händel zur Aufführung. Die Musiker liessen in der Kirche Saanen auf barocken Originalinstrumenten höfische Klänge lebendig werden.

Das Konzert des Menuhin-Festivals am Sonntagabend in der Kirche Saanen wäre nach dem Geschmack Georg Friedrich Händels gewesen. Unter der Leitung von Hervé Niquet spielte das Ensemble Le Concert Spirituel unter anderem die Wasser- und die Feuerwerksmusik des berühmten Barockkomponisten. Aber nicht nur die Werkauswahl hätte Händel gefallen, er wäre wohl auch über die Tatsache erfreut gewesen, dass die Musiker das Konzert auf historischen Instrumenten zur Aufführung brachten, was dem Ganzen einen besonders reizvollen Klang verlieh. Pauken und Trompeten Nicht Händel selbst, sondern einem seiner wichtigsten Auftraggeber, dem König Georg von England, hatten es besonders die militärischen Instrumente wie Pauken, Trompeten, Hörner und Oboen angetan. Zur Feier des Aachener Friedens, eines Abkommens, das im Jahr 1748 den Österreichischen Erbfolgekrieg beendet hatte, liess der König von England Händel eine Musik komponieren, die die Feierlichkeiten und das Feuerwerk untermalen sollte. Der Komponist ergänzte das Orchester gegen den Willen des Königs, der eben nur militärische Instrumente hören wollte, mit Streichern. In dieser Besetzung, die Händel von Anfang an vorgeschwebt hatte, spielte am Sonntagabend dann auch Le Concert Spirituel die Feuerwerksmusik. Die Macht und Majestät der Musik kam besonders in der Ouvertüre zur Geltung, bei der das Orchester die ganze Fülle seines Klangkörpers zeigen konnte. Die wiederkehrenden Fanfaren der Bläser, besonders am Ende des Allegros, liessen eine überwältigende barocke und höfische Musikwelt entstehen. Musik auf der Themse Auch das zweite grosse Werk, das an diesem Abend gespielt wurde, hatte Händel für einen bestimmten Anlass komponiert. Die Wassermusik wurde bei einer Bootsfahrt des englischen Königs auf der Themse zum ersten Mal aufgeführt. Georg der I. war dermassen von der Musik angetan, dass er einzelne Stücke gleich mehrmals spielen liess. So erging es auch dem Publikum in Saanen, welches nach dem Konzert so lange applaudierte, bis die Musiker noch eine Zugabe spielten. Ein Barock-Spezialist Dass der Konzertabend so erfolgreich war, lag einerseits sicher an der sorgfältigen Werkauswahl, die mit Ausschnitten aus Händels Concerti grossi op. 3 Nr.4 und Nr.5 und mit Ausschnitten aus dem «Te Deum, Märsche für die Trompete» von Marc-Antoine Charpentier komplettiert wurde. Anderseits konnten die Veranstalter mit dem Dirigenten Hervé Niquet einen Barockspezialisten gewinnen, der es versteht, mit seinem Orchester Barockwerke auf einmalige Weise zur Aufführung zu bringen, mit der Händel bestimmt zufrieden gewesen wäre. Zusätzlich brillierten die Musiker mit viel Spielfreude und harmonischem Gesamtklang, der sicher auch aus der langjährigen Erfahrung der Mitglieder, des 1988 gegründeten Ensembles, resultierte.Therese Krähenbühl>

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