Sie wollen das Schiff aus der Misere steuern

Gstaad

Die Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) kann unter anderem dank der stillen Sanierung die Zukunft in Angriff nehmen. Ein neues Doppelgespann an der Spitze will frischen Spirit verbreiten.

Die Gstaader Eggli-Gondelbahn soll nächstes Jahr erneuert werden. Dafür besorgt sind Matthias In-Albon, Geschäftsführer, und Heinz Brand, Verwaltungsratspräsident. Sie wollen die angeschlagene Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) mit einer Fitnesskur wieder auf Kurs bringen.

Die Gstaader Eggli-Gondelbahn soll nächstes Jahr erneuert werden. Dafür besorgt sind Matthias In-Albon, Geschäftsführer, und Heinz Brand, Verwaltungsratspräsident. Sie wollen die angeschlagene Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) mit einer Fitnesskur wieder auf Kurs bringen.

(Bild: Svend Peternell)

Svend Peternell

Heinz Brand, der neue Verwaltungsratspräsident der BDG und frühere Saaner Gemeinderat, macht keinen Hehl daraus: Die Versäumnisse bei der BDG in den letzten Jahren sind – angefangen in den Führungsetagen – so weit gegangen, dass ein regelrechter Schlendrian eingezogen ist.

Das hat sich lähmend auf den Betrieb und das Betriebsklima der BDG ausgewirkt und rächt sich nun: Die fehlende Betriebskommission und das verschärfte Arbeitszeit­gesetz sind ein solches Kapitel, ­worum sich die frühere Führungscrew laut Brand nicht gekümmert hat. Das soll auf den Frühling hin ändern.

Gehörig Staub wurde letzte Woche aufgewirbelt, als der «Blick» vermeldete, die 250 Angestellten der BDG seien kürzlich aufgefordert worden, mit ihrer Unterschrift massiv schlechteren Arbeitsbedingungen zuzustimmen. Dazu gab es Kritik von der Gewerkschaft SEV, wie der Berner Oberländer am 26. Januar berichtete.

Matthias In-Albon, der neue Geschäftsführer der BDG, vermerkte, dass man sich an die Gesetze halte: «Die Vereinbarung kommt nur in ausserordentlichen Situationen zur Anwendung.» Es seien dies erste Massnahmen gewesen, um das träg gewordene und wankende Bergbahnen-Schiff wieder aus der Misere zu steuern, wie Brand und In-Albon erklären. Es gehe darum, dass die Angestellten vorübergehend auch mittragen, was wieder in die Schwünge kommen und danach besser gedeihen solle.

Brand und In-Albon möchten die Aufräumarbeiten mit Tatkraft, Dynamik und Elan angehen. In-Albon ist denn auch der Meinung, dass sich das Klima bei der BDG seit der Präsidiumswahl von Brand im Oktober und seinem Start vor gut zwei Monaten erheblich verbessert habe.

«Nur wenn die Spitze des Unternehmens glaubhaft vorlebt, was sie von den Angestellten erwartet, wirkt das auf diese motivierend», sagt der Oberwalliser In-Albon (31). Und Heinz Brand ist sich bewusst: «Wir haben viele Vorschusslorbeeren erhalten. Jetzt wollen wir das eine oder andere umsetzen. Erfreulicherweise ist die Aktienzeichnung sehr positiv verlaufen.»

Will heissen: Nach der Kapitalherabsetzung um 85 Prozent auf 2,97 Millionen Franken im Oktober an der BDG-GV ging man von einer anschliessenden Erhöhung von mindestens 16,85 Millionen Franken aus. Daraus sind nun 18,4 Millionen Franken geworden – inklusive Agio von 25,24 Millionen Franken. So viel ist gezeichnet und liberiert worden.

«Alle Gemeinden haben dabei für 6,8 Millionen Franken Aktien gezeichnet und 6,8 Millionen Franken Agio gezahlt», erklärt Brand. «570'000 Franken wurden von Privaten gezeichnet. Das verpflichtet, das sinkende Schiff wieder in ruhigere Gewässer zu bringen. Damit wird auch eine Aufbruchstimmung ausgelöst.» Die Kapitalerhöhung ist vor wenigen Tagen fristgerecht im Handelsregisteramtsblatt publiziert worden.

Ausserdem beteiligt sich die Investorengruppe um De Picciotto/Worbs am Bau der neuen Eggli-Bahn mit 8 Millionen Franken à fonds perdu und erwirbt einen Anteil im Stockwerkeigentum im Eggli-Bergrestaurant. Die beiden Investoren André Hoffmann (Hoffmann-La Roche) und Ex-Serono-Hauptaktionär Ernesto Bertarelli steuern zusammen mit der erwähnten Investorengruppe 28 Millionen bei. Bertarelli übernimmt das Berghaus Rellerli und will daraus die Rellerli Mountain Lodge machen.

Mehr private Aktionäre

Der vom Duo Brand und In-Albon sowie den Partnergemeinden der BDG gewünschten Entpolitisierung der BDG ist weiter nachgekommen worden. So haben Saanen und die Partnergemeinden Rougemont, Châteaux-d’Œx, Rossinière, Zweisimmen, St. Stephan, Lauenen und Gsteig vor der Sanierung der BDG rund 57 Prozent der Aktien gehalten.

Jetzt beträgt die Beteiligung nur noch 40 Prozent, diejenigen der privaten Aktionäre belaufen sich auf 60 Prozent. «Mit einer weiteren geplanten Kapitalerhöhung in zwei bis drei Jahren soll die Beteiligung der privaten Aktionäre auf rund 70 Prozent anwachsen», gibt Brand zu verstehen.

Die angehäuften Schulden der BDG von 58 Millionen Franken (Geschäftsbericht 2013/2014) konnten im Rahmen der aussergerichtlichen Sanierung auf 16 Millionen Franken abgebaut werden.

Dies wurde dank freiwilliger Forderungsverzichte, Schuldenübernahmen und Deinvestitionen möglich. «Mit dem Vollzug der Sanierungsbeschlüsse ist das umfassende, im April 2014 von der vormaligen Hauptaktionärin der BDG, der Gemeinde Saanen, initiierte Sanierungsprojekt erfolgreich abgeschlossen worden», kann Heinz Brand vermelden.

Dabei hat der Verwaltungsrat der BDG die Projektleitung und die Verhandlungsführung mit Gläubigern und den neuen Geldgebern in Zusammenarbeit mit der auf Bergbahnen spezialisierten Firma Grischconsulta ausgeführt.

Was nun soll mit dem neuen Eigenkapital, den Erträgen aus Veräusserungen, den Leistungsbeiträgen und dem selbst erwirtschafteten Cashflow passieren? «Ziel ist es, uns nicht neu zu verschulden», sagt Brand. «Abbauen möchten wir neben den Schulden auch die Leasingverträge. Dann wollen wir nur noch das machen, was die Gesellschaft selber oder durch zusätzliche Eigenkapitalmittel finanzieren kann.»

Dafür soll gezielt investiert werden. In-Albon erwartet zwei bis drei inten­sive Jahre mit der Stabilisierung im vierten Jahr. Mit möglichst wenig öffentlichen Geldern soll der Weg zurück zum Unternehmertum führen.

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