Silberbären für das «Gwunderseckli»

Rüschegg

Die winzigen ­Objekte der Rüschegger Strickerinnen werden nicht nur erfolgreich verkauft, das «Gwunderseckli» ist sogar preisgekrönt. Mit ihm beschäftigen sich auch Demenzkranke.

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Wer das unscheinbare, gestrickte Beutelchen öffnet, ist überrascht von dem, was sich aus dem feinen Merinowollgewebe schälen lässt. Wer das «Gwunderseckli» umstülpt, hat einen winzigen Kinderwagen vor sich. Darin liegt ein Püppchen, oder besser: ein Sorgenpüppchen, gestrickt aus feinster Angora- und Merinowolle.

So ein Säcklein hat die Rüscheggerin Therese Schweizer vor einigen Jahren bei ihrer Tante entdeckt. Diese hat in einem Kinderheim gearbeitet, wo das «Gwunderseckli» mit dem Bebeli als Trösterli diente. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Therese Schweizer. Das wundersame Objekt habe sie fast um ihre Sinne gebracht. Sie wollte es neu ent­wickeln. Diese Idee führte die ­62-Jährige zur Gründung der Rüschegger Strickerinnen.

Nachdem diese etwa 80 «Gwunder­seckli»-Prototypen kreiert haben, stellen die 16 Frauen es in ­Serie her, sorgfältig von Hand ­gestrickt, der Preis: 32 Franken. Therese Schweizer strickt selber kaum. Sie hat zu Hause ihren eigenen Coiffeursalon und organisiert die Strickerinnen, während ihre Schwiegertochter Cornelia Wyss die Onlinevermarktung besorgt. Im Hintergrund hilft auch ihr Lebenspartner tatkräftig mit: Er fotografiert, stellt Etiketten her, kümmert sich um Logistik und Werbung.

Der Silberbär

Das «Gwunderseckli» mit dem Bebeli ist bis heute das Paradestück. Weil das Objekt Demenzkranke beruhigen und beschäftigen kann, hat Pro Senectute im Frühling die Strickerinnen mit einem Silberbären ausgezeichnet. Für die Frauen ein grosser Ansporn zum Weitermachen. Der Verkauf nahm sprunghaft zu. Zum «Gwunderseckli» kamen weitere Strickobjekte, beispielsweise Engel – der kleinste misst drei Zentimeter – und Hase Wuscheli, hergestellt aus reiner, naturweisser Angorawolle von Kaninchen aus dem Naturpark.

Die Wolle

Die Angorawolle stammt aus Wattenwil, wo Hans Bigler Angorahasen züchtet. Diese wechseln zweimal pro Jahr ihr Fell. Die Haare können dann nur abgestreift werden. «Von einem Angorakaninchebn gibt es jährlich etwa 400 Gramm Wolle, um einen Hasen Wuscheli zu stricken, braucht es 15 Gramm», erklärt Therese Schweizer.

Mit einem speziellen Spinnrad spinnt eine Frau die Wolle zu Strickgarn, etwas, das alles andere als einfach ist. Weil die Angorawolle so fein und haarig ist, geht das Spinnen langsam vonstatten. «Für 100 Gramm Wollgarn sitzt die Spinnerin 8½ Stunden am Spinnrad», sagt Schweizer.

Kostbares Material

Bei den Strickerinnen wird nicht einfach drauflosgewerkelt. Zu kostbar ist das Material, und zu heikel. Einmal Gestricktes aus reinem Angorahaar lässt sich nicht mehr auftrennen, weil sich die Haare zu sehr ineinander verfangen. Aus diesem Grund muss jede neue Strickerin – es sind 5 neue, junge Frauen dazugekommen – einen Kurs absolvieren.

Therese Schweizer übernimmt jedes fehlerfreie Objekt, bezahlt die Strickerin dafür und verkauft es. «Das finanzielle Risiko trage ich allein», sagt sie. Manchmal laufe das Geschäft gut, manchmal harzig. Das sei auch saisonabhängig: An Ostern sind Hasen gefragt, an Weihnachten Engelchen, die «Gwunderseckli» das ganze Jahr.

Mit Naturpark Logo

So klein und fein die Sachen sind: Das Logo des Naturparks Gantrisch haben sie schon, und jetzt auch den Silberbären. Der Erfolg schweisst die Frauen zusammen, und vor allem die Freude am Stricken. Das macht jede für sich allein zu Hause und an den gemeinsamen Stricknachmittagen, jeweils mittwochs. Dabei versinken die Frauen aber nicht in Selbstzufriedenheit. Therese Schweizer versichert: «Wir möchten unsere Produkte weiterhin verbessern, und ganz nebenbei lässt sich noch ein bisschen Geld verdienen.»

Internet: www.die-strickerinnen.ch

Berner Zeitung

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