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So werden Risikofaktoren analysiert

Damit sich Lawinenunglücke nicht häufen: Jugend-und-Sport-Leiter aus der ganzen Schweiz verfeinern ihr Wissen um das Erkennen der Lawinengefahr auf Skitouren regelmässig in einem Fortbildungskurs auf der Gemmi.

In den Bergen haben viele Skitourenfahrer ihre ersten Spuren unter kundiger Leitung von erfahrenen Bergführern und speziell ausgebildeten Leitern in Jugend-und-Sport-Kursen gezogen. Das Ziel von solchen Kursen und Lagern ist es, Jugendlichen ein fundiertes Wissen im Bergsport zu vermitteln, damit sie sich irgendwann selbstständig im Gebirge zurechtfinden. Bergführer und J+S-Leiter absolvieren in einem Zweijahresrhythmus Fortbildungskurse, um ihr Wissen immer wieder zu aktualisieren. Fritz Zumbach, Bergführer und J+S-Experte aus Oberhofen, führt diesen Lawinenkurs des SAC-Zentralverbandes seit Jahren auf der Gemmi, unterstützt von erfahrenen Bergführern als Klassenlehrer, durch. In Theorie – aber vor allem auch im Gelände – möchte das Expertenteam den Teilnehmenden ein defensives Risikomanagement rund um die Lawinen für ihre Leitertätigkeit mitgeben. Der Kursleiter betont denn auch: «Als J+S-Leiter tragt ihr die Verantwortung für die euch anvertrauten Jugendlichen. Ziel ist es, gefahrlos in ihnen Freude am Bergsport und am gemeinsamen Erleben in der Natur zu wecken. Eure eigenen Gipfelziele müssen dabei in den Hintergrund treten.» Eine Skitour wird geplant Die Lawinensituation präsentiert sich im Gemmigebiet nach Neuschnee und stürmischen Winden auf Stufe 3 (erheblich). Eine anspruchsvolle Ausgangslage für die Bergführer und ihre Gruppen. «Wolken verdecken die Sonne, die Sicht wird immer schlechter. Plant eure Tour defensiv. Im diffusen Licht erkennen wir die Gefahrenstellen schlecht, stehen plötzlich bereits mitten in einer Gefahrenzone, da Steilheit und Geländeformen ohne Kontraste kaum erkennbar sind», gibt der Instruktor zu bedenken. Gruppenweise wird die Theorie der vergangenen Stunden in die Tourenplanung einbezogen. Draussen im Gelände ist der Weg das Ziel. Was es da alles zu sehen gibt: Schneeverfrachtungen, Schneefahnen an den Graten, Windkessel, Wechten, alte und neue Schneebretter, abgeblasene Geländerücken, mit Triebschnee gefüllte Mulden – alles Zeichen, die bei einer Skitour zu beachten und dementsprechend zu interpretieren sind. Der Skitourenfahrer muss mit all seinen Sinnen die Umgebung wahrnehmen. Der Klassenlehrer deutet zum Horizont: «Seht ihr die grosse Wechte? Dieses Bild entspricht der klassischen Kammlage. Der Wind bläst den Schnee vom Luv ins Lee, wo die Schneeverfrachtungen in grossen Mengen abgelagert werden und ab Gefahrenstufe 3 sich spontan in einem grossen Schneebrett entladen können.» Alle Risikofaktoren zu analysieren und sie auf ein Restrisiko zu reduzieren, lernt man nicht in zwei Tagen. Dazu braucht es jahrelange, regelmässige Tourenerfahrung, was viele der J+S-Leiter glücklicherweise mit sich bringen, da sie sich mit Leib und Seele dem Bergsport verbunden fühlen. Alle wissen: Die Lawinengefahr ist erst gebannt, wenn der letzte Schnee geschmolzen ist. Der Faktor Mensch Lawinenbulletin, Meteo, Tourenführer und Kartenmaterial sind Planungsgrundlagen, die im Gelände aber immer wieder sinnvoll hinterfragt und interpretiert werden müssen. Nur wer eine eigene Aufstiegsspur anlegt, erhält durch Wummgeräusche und Risse in der Schneedecke Anzeichen drohender Gefahr. Der Führende muss in der Gruppe ganz klar seine Entscheidungen durchsetzen und sich auf die Einhaltung der Regeln bei den Teilnehmenden verlassen können. Es geht um Entlastungsabstände, Einzelabfahrt, Abfahrt entlang der Spur oder vorbestimmter Sektoren – auch wenn übermütige Jugendliche vorwärtsdrängen. Den sichersten Weg zu finden, auch wenn dieser Rückzug heisst, verlangt objektives, überlegtes Handeln. «Wahrnehmungsfallen lauern überall», meint ein nachdenklicher Fritz Zumbach. «Das menschliche Gehirn schaltet gerne auf subjektiv, und der Spurende erkennt nur noch die positiven Anzeichen, da das Gipfelziel nahe liegt.» Das Gefühl, alles im Griff zu haben, verdrängt die reelle Informationsaufnahme. So im Sinne von: «Wieso sollte sich ausgerechnet jetzt eine Lawine lösen – das widerfährt doch nur den anderen.» Yvonne Schmocker >

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