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Solar Impulse auf Werbetournee

präsentationDas Schweizer Solarflugzeug muss in Brüssel vielen Anforderungen genügen: Für Betrand Piccard ist es ein Lobbyingobjekt für neue Ideen, für die Schweiz und die Sponsoren Werbung in eigener Sache und für die 14-jährige Brüsseler Schülerin Mélissa einfach «wunderbar».

Aber eigentlich möchte Mélissa, wie über 600 andere Schülerinnen und Schüler aus der Region Brüssel, vor allem auf dem Pilotensitz Platz nehmen. Das bleibt den 14- bis 18-jährigen Jugendlichen bei ihrer Besichtigung der Solar Impulse auf dem Brüsseler Flughafen in Zaventem allerdings verwehrt. Dafür bekommen sie die «Helden der Stunde» zu sehen und empfangen sie auch entsprechend: Grosses Gejohle, Applaus und anerkennende Pfiffe ernten Flugpionier Bertrand Piccard und Pilot André Borschberg, als sie vor die Jugendlichen im Hangar 117 treten. In ihrem Rücken breitet sich das Solarflugzeug mit seiner Spannweite von 63,4 Metern und den 12000 Solarzellen auf der Oberfläche der Flügel aus. Dass sie seit Tagen einen Werbe- und Lobbying-Marathon zurücklegen, ist den beiden nicht anzusehen. Beharrlicher Piccard Unermüdlich betont Piccard den Hauptgrund, der den Solar Impulse bei seinem ersten internationalen Flug nach Brüssel, in die EU-Hauptstadt, geführt hat. «Wir sind hier, um die einflussreichsten Politiker zu treffen, und sie davon zu überzeugen, dass vor kurzem noch als unrealistisch beurteilte Ziele erreichbar sind.» Dafür stehe das Solarflugzeug, ein «Symbol für die Welt von morgen, das zeigt, was mit sauberer Energie möglich ist». Die Botschaft überbringt er seit einer Woche EU-Kommissaren, dem EU-Parlamentspräsidenten Jerzy Buzek, Schweizer und belgischen Wirtschaftsvertretern, oder eben den Jugendlichen aus Brüssel, die von ihrer Herkunft her kosmopolitischer nicht sein könnten. Zwar hat Nabil verstanden, dass es hier darum geht, gegen die Luftverschmutzung zu kämpfen. Und Yassin weiss, dass so ein Solarflugzeug «gut fürs Klima ist und ohne Treibstoff fliegt». Eliabel, Wendy, Valentina und Alizée sehen aber noch Verbesserungsmöglichkeiten: Die Batterien müssten länger halten, da seien wohl noch mehr Tests nötig. Zudem müsse das Flugzeug, das am 13. Mai mit 30 bis 80 Stundenkilometer in 13 Stunden von Payerne (VD) nach Brüssel geflogen ist, schneller werden. «Schliesslich nehmen wir das Flugzeug um rasch in die Ferien reisen zu können.» Schweiz – EU einmal anders Ferien hätte wohl kein Schweizer Vertreter in Brüssel während dieser Zeit freiwillig genommen. Denn schöner könnten die Tage für sie nicht sein. Für einmal sind Steuerstreit, die harte EU-Haltung bei den institutionellen Fragen und heikle Verhandlungsdossiers vergessen, und sie, beziehungsweise das Land, das sie repräsentieren, werden überhäuft mit Komplimenten. Der polnische EU-Parlamentspräsident freut sich schon auf seinen baldigen Besuch in der Schweiz, «ein schöner Ort». Die Solar Impulse sei «vom Herzen Europas in die Hauptstadt Europas geflogen». Zum ersten Mal in der Geschichte, «schlägt das Herz ausserhalb des Körpers, aber ich denke, es funktioniert». Während Buzek von einem technologischen Wunder spricht, freut sich EU-Justizkommissarin Viviane Reding, «einen Abend mit dem Vogel verbracht zu haben, der den europäischen Traum darstellt». Und EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard sagt selbstkritisch: «Wir Politiker müssen unseren Job machen, dazu brauchen wir aber Leute wie sie». Nur Komplimente seien zu hören gewesen, zeigt sich Jacques de Watteville, Botschafter und Leiter der Schweizer Mission bei der EU in Brüssel, sehr erfreut. Es sei schön, dass die Schweiz die Ehre habe, an einem zukunftsträchtigen Projekt beteiligt zu sein. Damit sei sie «Partner und Pionier» in einem. Von der Fähigkeit «es zu wagen und Grenzen zu überwinden», spricht Jean-Jacques de Dardel, Schweizer Botschafter in Belgien und Leiter der Schweizer Mission bei der NATO. Er betont die guten Beziehungen der beiden Länder, gerade auch in der Forschung. Mit dem belgischen Chemiekonzern Solvay habe ein grosser Sponsor Solar Impulse beim Suchen nach technischen Lösungen geholfen. Weiterflug nach Paris Schon bald wird das Solarflugzeug seine Werbetour Richtung Frankreich fortsetzen. Ab dem 1. Juni ist der Weiterflug von Brüssel nach Paris-Le Bourget geplant. Dort findet vom 20. bis 26. Juni die 49. Pariser Luftfahrtschau statt. Erneut dürfte das 1600 Kilogramm leichte Flugobjekt bestaunt werden. Als «etwas Gutes für die Zukunft», wie Nabil festhält. Oder mit Mélissas kritischem Blick: «kleiner als erwartet».Kathrin Naegeli, sda. >

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