Spiezer schenken sich Zeit – und Hilfe

Etwas tun, das man gerne selber macht, und wiederum etwas nutzen, das einem dient. Breit abgestützt wird unter dem Dach der Gemeinde Spiez die Zytbörse lanciert. Für alle. Und gratis.

Beispiel eines möglichen Angebotes der Zytbörse Spiez: Mit einem Hund Gassi gehen. Foto: Keystone

Beispiel eines möglichen Angebotes der Zytbörse Spiez: Mit einem Hund Gassi gehen. Foto: Keystone

Jürg Spielmann

Er bietet eine Schnupperstunde am Schlagzeug an, lässt im Gegenzug für sich einkaufen. Sie hütet Kinder, nimmt dafür für die Gartenarbeit Hilfe in Anspruch. So können Zeittauschaktionen, getätigt über die Plattform Zytbörse Spiez, aussehen. Oder auch ganz anders. «Es ist alles möglich», sagt Projektleiterin Dorothea Maurer. «Es geht um Begegnung, Spass, Unterstützung.»

Vereinfacht ist die Zytbörse eine zeitgemässe Form der zunehmend schwindenden Nachbarschaftshilfe. Ziel sei es denn auch, betont Kurt Berger, Abteilungsleiter Soziales, der Individualisierung ein Stück weit entgegenzutreten. Und im Gegenzug Spiezerinnen und Spiezer einander näherzubringen. Er spricht von einem «wichtigen Projekt». Seine Chefin, Sozialvorsteherin Anna Fink (EVP), findet, das Thema passe vorzüglich zum Jahresmotto der Alterskommission: «Zunenand luege».

Für möglichst viele

Die Zytbörse ist ein Zeittausch-Netzwerk für alle, die ihre Fähigkeiten gegen Zeit austauschen wollen. «Jeder kann etwas, aber nicht jeder kann alles», erklärt Dorothea Maurer den Kern des Angebotes. «Dabei fliesst kein Geld, die Tauscheinheit ist Zeit. Und alle Fähigkeiten haben denselben Wert.»

Das Projekt, etwa in Thun bereits bewährte Realität, kommt nun ins Winzerdorf, wo ein erster Versuch vor einem Jahrzehnt noch nicht zum Fliegen kam. «In Thun ist die Zytbörse als Verein organisiert und erreicht vor allem das Segment 60+», sagt Anna Fink.

In Spiez wird die Zytbörse von Beginn an breit lanciert, sodass die Plattform möglichst von allen Generationen genutzt wird. Ebenso war die räumliche Nähe im Sozialraum der Gemeinde ausschlaggebend, weshalb die Spiezer sich nicht einfach dem Angebot aus der Kyburgstadt angeschlossen haben.

Von Beginn an sei klar gewesen, dass es für alle Generationen sein solle. So verwundert es kaum, ist die Zytbörse ein Gemeindeprojekt geworden. Mit Initialkosten von «wenigen Hundert Franken» und aufgebaut von der Fachstelle 60+ mit den Partnern Spiezer Agenda 21, Familienforum, Integrationsausschuss und Spiez Marketing AG. Die Idee: Ein breites Spektrum bedienen, damit sich viele angesprochen fühlen.

Keine Werbeplattform

Die Zytbörse sei ein niederschwelliges Angebot, weshalb Kurt Berger hofft, auch Leute mit Unterstützungsbedarf oder Migrationshintergrund dafür gewinnen zu können. Konkurrenz zum Gewerbe sei man keine, winkt Dorothea Maurer auf die entsprechende Frage ab. «Man kann nicht nur Dienstleistungen beziehen, ohne auch solche zu anzubieten.»

Das Zeitkonto ist überdies auf 20 Stunden Zeitguthaben respektive -schulden begrenzt. Einschreiten würde das Zytbörse-Team mit Dorothea Maurer und Louise Bamert aber auch bei Missbrauch. Gewerbemässigen, illegalen oder sittenwidrigen Angeboten etwa.

«Die Zytbörse fördert die Freiwilligenarbeit», sagt Anna Fink. Etwas, das sich die Spiezer längst auf die Fahne geschrieben haben. Für Kurt Berger ist klar: «Das Projekt steht und fällt mit der Zahl der Angebote und der Mitmachenden.» Letztere werden vom Team begleitet, doch Louise Bamert betont: «Die Zytbörse soll ein Selbstläufer werden.»

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