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Staatsanwalt will T äterin verwahren

Ankläger und Verteidiger sind sich in einem Punkt einig: Die Frau, die im Florapark einen Mann erstochen hat, sei des Mordes schuldig. Ob die 24-Jährige aber verwahrt werden muss, darüber gehen ihre Meinungen auseinander.

Auch der 24-jährigen Angeschuldigten ist klar, dass von ihr eine Gefahr ausgeht. Vom Kreisgericht Bern-Laupen zu ihren Zukunftsperspektiven befragt, sagte T.H.*: «Ich glaube, dass ich nach 10 bis 15 Jahren Therapie fähig wäre, mich draussen angemessen zu verhalten.» Dieses «draussen» ist für die junge Frau sehr weit weg, und es ist fraglich, ob sie sich nach der Tötung eines Mannes überhaupt jemals wieder in völliger Freiheit wird bewegen können. Bezweifelt doch die psychiatrische Gutachterin, dass man die aussergewöhnlich schwere psychische Störung der Täterin und ihre Gewaltfantasien therapieren kann. Anklage will Verwahrung Die Anklage teilt die pessimistische Prognose der Psychiaterin. Gestern beantragte darum der Staatsanwalt dem Kreisgericht, T.H. sei zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren zu verurteilen und zu verwahren. «Das fällt mir nicht leicht», betonte er. «Denn es bedeutet, die Hoffnung in einen noch jungen Menschen aufzugeben.» Verwahrt werden darf jemand nur dann, wenn er als unbehandelbar gilt und eine Therapie nicht innerhalb einer nützlichen Frist eine Besserung seiner Störung verspricht. Hohe Rückfallgefahr «Eine Verwahrung darf nur als Ultima Ratio ausgesprochen werden», betonte der Staatsanwalt. Bei T.H. seien aber die Voraussetzungen erfüllt. Sie habe bereits eine jahrelange intensive Therapie hinter sich, die ihrer psychischen Störung angemessen gewesen sei – und dennoch müsse man von einer hohen Rückfallgefahr ausgehen. Die Psychiaterin sehe momentan keine erfolgversprechende Therapie gegen die Gewaltfantasien von T.H. «Und wie furchtbar diese Fantasien waren, will ich nicht öffentlich machen», sagte der Staatsanwalt. Sie gingen weit über das hinaus, was T.H. in der Nacht auf den 18.November 2008 im Florapark in die Tat umgesetzt habe. Die junge Frau tötete damals einen 52-jährigen Mann mit über 100 Messerstichen. Verteidiger für Therapie Diese «brutale und sinnlose» Tat sei als Mord zu werten, in diesem Punkt ging der Verteidiger von T.H. mit dem Staatsanwalt einig. Er plädierte allerdings gegen eine Verwahrung seiner Mandantin. «Können Sie es verantworten, einer erst 24-jährigen Frau ihr Entwicklungspotenzial abzusprechen und sie für die nächsten 60 Jahre wegzusperren?», fragte er das Kreisgericht. Urteil morgen Freitag Der Verteidiger wertet das Gutachten der Psychiaterin anders als der Staatsanwalt: Die Expertin sage lediglich, dass es sehr schwierig wäre, T.H. zu therapieren. «Wenn eine Therapie schwierig ist, ist sie nicht unmöglich.» Die intensive Therapiearbeit, welche vor der Bluttat mit T.H. in der Strafanstalt Hindelbank gemacht worden sei, habe durchaus erste Erfolge gebracht. «Damals rückten die Gewaltfantasien in den Hintergrund», sagte der Verteidiger. Aus seiner Sicht ist zu früh mit dieser Therapie aufgehört worden. Er beantragt eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, die von einer Therapie begleitet werden müsse. «Diese Massnahme kann man falls nötig verlängern.» Das Urteil des Kreisgerichts soll morgen Freitag bekannt gegeben werden. Mirjam Messerli *Name der Redaktion bekannt>

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