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Statt befehlen nur noch wünschen

Ab Januar sind in Münchenbuchsee und Zollikofen Kantons- statt Gemeindepolizisten am Werk. Bisher konnte Buchsis Polizeiinspektor Hans Kuster kommandieren. Jetzt darf er nur noch wünschen.

«Nächstes Jahr haben wir zwar die bestmögliche Lösung», sagt Hans Kuster. «Aber sie ist schlechter als die jetzige.» Kuster ist Polizeiinspektor von Münchenbuchsee. Ab Neujahr schauen hier nicht mehr Gemeinde-, sondern Kantonspolizisten zum Rechten. Buchsi wird zu dieser Veränderung gezwungen: Im Kanton Bern soll nur noch eine Einheitspolizei, nämlich die Kantonspolizei (Kapo), für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Gemeinden können auswählen, wie sie mit dem Kanton zusammenarbeiten wollen. Münchenbuchsee hat einen Ressourcenvertrag. Dies bedeutet, dass Buchsi beim Kanton jährlich 1440 Mannstunden einkauft und selbstständig entscheidet, in welchen Bereichen und an welchen Orten die Kantonspolizisten aktiv sind. Weniger flexibel Kuster lobt zwar diese Selbstständigkeit. Doch bedauert er, dass Münchenbuchsee trotzdem an Flexibilität verliere. Bisher konnte er seine Leute direkt dorthin aufbieten, wo Zoff zu erwarten war. Kuster denkt zum Beispiel an den Buchsi-Märit, wo oft Vandalen als unerwünschte Gäste auftauchten. Auch wenn seine Untergebenen nicht begeistert waren, konnte er dann Nachtdienst anordnen. «Man muss heuen, wenn das Wetter danach ist.» So habe er seinen Leuten jeweils den Einsatz begründet, sagt Kuster. Auch die Kantonspolizei heut, wenn es nötig ist. Aber wenn es anderswo brennt, an einem Fussballmatch etwa, kann sie nicht mehr genügend Leute aufs Feld schicken. Kuster befiehlt auch nicht mehr, er darf in Zukunft bloss noch wünschen. Er kann allerdings mit Nachdruck wünschen. Und er kann darauf hinweisen, dass Buchsi zahlt. Doch für einmal befiehlt nicht, wer zahlt, sondern es kommandiert die Situation. Kuster gibt ein weiteres Beispiel: Bisher hat Münchenbuchsee Radarkontrollen zwar gemeinsam mit der Kapo, aber nach eigenem Gutdünken organisiert. Nun verliert die Gemeinde diese Selbstständigkeit. Private Firmen Münchenbuchsee kooperiert mit Zollikofen. Seit 2001 und noch bis zum 31.Dezember haben die beiden Nachbarorte gemeinsam ein eigenes vierköpfiges Polizeikorps. Zwei Angehörige haben den Dienst bereits quittiert, zwei wechseln zur Kapo. Die beiden Vororte spannen auch künftig zusammen. Sie haben einen gemeinsamen Ressourcenvertrag mit dem Kanton abgeschlossen. Der Kanton erfüllt diesen, indem er ab Anfang Jahr die Wachen in Münchenbuchsee und Zollikofen um je eine Person verstärkt. Die Aufstockung belastet die Gemeinderechnungen jährlich um je rund 120000 Franken. Weil bisher je zwei Gemeindepolizisten am Werk waren, spart jede Gemeinde zwar rund 70000 Franken. Dafür muss sie aber private Firmen unter anderem für die Parkplatzkontrolle beauftragen. Häufige Wechsel Für die Bevölkerung ändert sich nächstes Jahr wenig. Die Gemeindepolizisten in Münchenbuchsee und Zollikofen leisteten ihren Dienst schon bisher auf der gleichen Wache wie ihre Kapo-Kollegen. Immerhin müssen die Bürger damit rechnen, dass auf diesen Posten häufig neue Gesichter auftauchen. Viele junge Polizisten betrachten den Dienst auf einer Gemeindewache als Sprungbrett in die Fahndung oder Spurensicherung. Sie fliegen aus, wenn sich die Gelegenheit bietet. Peter Steiger >

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